Gewinn­spiel­au­to­ma­ten – und das ver­bo­te­ne Glücks­spiel

Sind die ein­ge­setz­ten Gewinn­spiel­au­to­ma­ten nicht zulas­sungs­fä­hig, ist der Anwen­dungs­be­reich des § 284 StGB eröff­net 1. Aller­dings muss es sich bei den Auto­ma­ten um Glücks­spiel­ge­rä­te im Sin­ne des § 284 Abs. 1 StGB han­deln.

Gewinn­spiel­au­to­ma­ten – und das ver­bo­te­ne Glücks­spiel

Das Wesen eines sol­chen Glücks­spiels besteht nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung dar­in, dass die Ent­schei­dung über Gewinn und Ver­lust nach den Ver­trags­be­din­gun­gen nicht wesent­lich von den Fähig­kei­ten, den Kennt­nis­sen und der Auf­merk­sam­keit der Spie­ler abhängt, son­dern allein oder haupt­säch­lich vom Zufall 2. Zur Prü­fung, ob dies auf die betrie­be­nen Spiel­au­to­ma­ten zutrifft, muss die Funk­ti­ons­wei­se der Auto­ma­ten beschrie­ben wer­den. Andern­falls bleibt offen, ob es sich nicht um Auto­ma­ten han­delt, bei denen die Ent­schei­dung über Gewinn und Ver­lust wesent­lich von den Fähig­kei­ten sowie vom Grad der Auf­merk­sam­keit der Spie­ler abhängt. Allein die hier­zu mit­ge­teil­ten Namen der Auto­ma­ten wie z.B. "Video­star" oder "Hell­rai­ser" geben hier­zu kei­ne Aus­kunft.

Um Glücks­spiel im Sin­ne des § 284 StGB anneh­men zu kön­nen, bedarf es zudem eines nicht uner­heb­li­chen Ein­sat­zes eines Ver­mö­gens­wer­tes 3. Ein­satz ist jede Ver­mö­gens­leis­tung, die in der Hoff­nung auf Gewinn und mit dem Risi­ko des Ver­lus­tes an den Gegen­spie­ler oder Ver­an­stal­ter erbracht wird, wobei es sich wegen der not­wen­di­gen Abgren­zung zum blo­ßen Unter­hal­tungs­spiel um einen Ein­satz han­deln muss, der nicht ganz unbe­trächt­lich ist 4. Auch das Vor­lie­gen die­ses Erfor­der­nis­ses wird durch die Fest­stel­lun­gen nicht belegt. Mit wel­chen Ein­sät­zen gespielt wird und wie lan­ge es ohne Erzie­lung eines Gewinns dau­ert, die­sen Ein­satz zu ver­spie­len, teilt das Urteil nicht mit. Es kann aber nicht beur­teilt wer­den, ob es sich um einen nicht ganz unbe­trächt­li­chen Ein­satz han­delt. Damit bleibt offen, ob es sich über­haupt um ein dem § 284 StGB unter­fal­len­des Glücks­spiel und nicht nur um ein Unter­hal­tungs­spiel handelt.Um Glücks­spiel im Sin­ne des § 284 StGB anneh­men zu kön­nen, bedarf es zudem eines nicht uner­heb­li­chen Ein­sat­zes eines Ver­mö­gens­wer­tes 3. Ein­satz ist jede Ver­mö­gens­leis­tung, die in der Hoff­nung auf Gewinn und mit dem Risi­ko des Ver­lus­tes an den Gegen­spie­ler oder Ver­an­stal­ter erbracht wird, wobei es sich wegen der not­wen­di­gen Abgren­zung zum blo­ßen Unter­hal­tungs­spiel um einen Ein­satz han­deln muss, der nicht ganz unbe­trächt­lich ist 4. Auch das Vor­lie­gen die­ses Erfor­der­nis­ses wird durch die Fest­stel­lun­gen nicht belegt. Mit wel­chen Ein­sät­zen gespielt wird und wie lan­ge es ohne Erzie­lung eines Gewinns dau­ert, die­sen Ein­satz zu ver­spie­len, teilt das Urteil nicht mit. Es kann aber nicht beur­teilt wer­den, ob es sich um einen nicht ganz unbe­trächt­li­chen Ein­satz han­delt. Damit bleibt offen, ob es sich über­haupt um ein dem § 284 StGB unter­fal­len­des Glücks­spiel und nicht nur um ein Unter­hal­tungs­spiel han­delt.

Ob ein Ein­satz als nicht ganz unbe­trächt­lich ein­zu­ord­nen ist, bestimmt sich jeden­falls bei jeder­mann offen ste­hen­den Glücks­spie­len nach den gesell­schaft­li­chen Anschau­un­gen 5. Dabei kann das Kri­te­ri­um des erfor­der­li­chen Auf­wands für eine ander­wei­ti­ge unter­hal­ten­de Ver­an­stal­tung zur Ori­en­tie­rung her­an­ge­zo­gen wer­den 6.

Danach dürf­te der­zeit ein mög­li­cher Ver­lust von mehr als 10 € in der Stun­de auf ein Glücks­spiel hin­deu­ten. Ob bei dem vor­lie­gen­den Fall der Glücks­spiel­cha­rak­ter anzu­neh­men sein wird, hängt aber auch davon ab, ob einer­seits der Gewinn­zweck im Vor­der­grund stand und ande­rer­seits der Ange­klag­te und sei­ne Ange­stell­ten jeweils von vorn­her­ein einen Anspruch auf Bar­um­tausch der erspiel­ten Token ein­räum­ten oder ob dies auf eine nach­träg­li­che Anfra­ge des betref­fen­den Spie­lers aus Kulanz­grün­den erfolg­te 7.

Soll­te sich das Gericht hin­sicht­lich des unzu­läs­si­gen Ein­sat­zes der Geld­spiel­au­to­ma­ten vom Vor­lie­gen eines Glücks­spiels im Sin­ne des § 284 StGB über­zeu­gen, so wird es bei der Prü­fung des Qua­li­fi­ka­ti­ons­merk­mals der Gewerbs­mä­ßig­keit nach § 284 Abs. 3 Nr. 1 StGB dar­auf abzu­stel­len haben, ob der Täter sich durch die wie­der­hol­te Tat­be­ge­hung eine nicht nur vor­über­ge­hen­de Ein­nah­me­quel­le von eini­gem Umfang und eini­ger Dau­er ver­schaf­fen will. Dies beur­teilt sich nach sei­nen ursprüng­li­chen Pla­nun­gen sowie sei­nem tat­säch­li­chen, straf­recht­lich rele­van­ten Ver­hal­ten über den gesam­ten ihm jeweils anzu­las­ten­den Tat­zeit­raum 8.

Für die kon­kur­renz­recht­li­che Beur­tei­lung wird es in den Blick zu neh­men haben, dass dem gleich­zei­ti­gen Betrei­ben von (hier: 73) die­ser Spiel­au­to­ma­ten mit einem gleich­ar­ti­gen Spiel­sys­tem auch ein ein­heit­li­cher Ent­schluss – gege­be­nen­falls bezo­gen auf die ver­schie­de­nen Spiel­stät­ten – zugrun­de lie­gen kann, so dass inso­weit Tat­ein­heit bestün­de 9.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. August 2017 – 1 StR 519/​16

  1. vgl. Graf/​Jäger/​Wittig/​Bär, Wirt­schafts- und Steu­er­straf­recht, 2. Aufl., § 284 StGB Rn. 31; Erbs/​Kohlhaas/​Ambs, GewO, Stand: Juli 2015, § 33c Rn. 10; LK-StG­B/Krehl, 12. Aufl., § 284 Rn. 22; jeweils auch zur Abgren­zung zum Anwen­dungs­be­reich der §§ 33c ff., § 144 Abs. 1, § 148 Nr. 1 GewO[]
  2. BGH, Urteil vom 28.11.2002 – 4 StR 260/​02, JR 2003, 342; Beschluss vom 11.01.1989 – 2 StR 461/​88, BGHSt 36, 74, 80; Urteil vom 18.04.1952 – 1 StR 739/​51, BGHSt 2, 274, 276[]
  3. BGH, Beschluss vom 29.09.1986 – 4 StR 148/​86, BGHSt 34, 171, 176 f. mwN; BayO­bLG, Urteil vom 12.12 2002 – 5 St RR 296/​2002, JR 2003, 386, 387; Beck­OK StGB/​Feilcke/​Hollering, 34. Edi­ti­on, § 284 Rn. 11; Satzger/​Schluckebier/​Widmaier/​Rosenau, StGB, 3. Aufl., § 284 Rn. 6; Woh­lers, JR 2003, 388[][]
  4. BGH aaO; Fischer, StGB, 64. Aufl., § 284 Rn. 5; Woh­lers aaO; NK-StG­B/Ga­ede, 5. Aufl., § 284 Rn. 13[][]
  5. RG, Urteil vom 28.05.1889 – Rep. 1039/​89, RGSt 19, 253 f.; OLG Köln, Urteil vom 19.02.1957 – Ss 417/​56, NJW 1957, 721; LK-StG­B/Krehl, 12. Aufl., § 284 Rn. 12; NK-StG­B/Ga­ede, 5. Aufl., § 284 Rn. 13; vgl. auch BGH, Urteil vom 28.09.2011 – – I ZR 93/​10, GRUR 2012, 201, 206[]
  6. Münch­Komm- StGB/​Hohmann, 2. Aufl., § 284 Rn. 11; NK-StG­B/Ga­ede aaO; Satzger/​Schluckebier/​Widmaier/​Rosenau, StGB, 3. Aufl., § 284 Rn. 6; Schönke/​Schröder/​Heine/​Hecker, StGB, 29. Aufl., § 284 Rn. 8[]
  7. vgl. hier­zu RG, Urteil vom 02.06.1930 – – III 289/​30, RGSt 64, 219, 220; BayO­bLG, Urteil vom 12.12 2002 – 5 St RR 296/​2002, JR 2003, 386, 387 m. Anm. Woh­lers, JR 2003, 388[]
  8. st. Rspr.; sie­he nur BGH, Urteil vom 17.06.2004 – 3 StR 344/​03, BGHSt 49, 177, 181[]
  9. vgl. Münch­Komm- StGB/​Hohmann, 2. Aufl., § 284 Rn. 34[]