Grenz­über­schrei­ten­de ver­deck­te Ermitt­lun­gen und Obser­va­tio­nen

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Grenz­über­schrei­ten­de ver­deck­te Ermitt­lun­gen und Obser­va­tio­nen

Recht­li­che Grund­la­gen[↑]

Der Ein­satz ver­deck­ter Ermitt­ler ist in Art. 14 EU-RhÜbk 1 gere­gelt. Die Umset­zung in das natio­na­le Recht fin­det sich in § 93 IRG 2. Auch Art. 20 Abs. 1 UNTOC 3 sieht die Mög­lich­keit zum Ein­satz ver­deck­ter Ermitt­ler vor.

Die grenz­über­schrei­ten­de Obser­va­ti­on ist im Schen­ge­ner Durch­füh­rungs­über­ein­kom­men 4 (SDÜ) sowie im Zwei­ten Zusatz­pro­to­koll 5 zum Euro­päi­schen Rechts­hil­fe­über­ein­kom­men über die Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen (2. ZP EuRhÜbk) gere­gelt. Die­ses Pro­to­koll hat die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land noch nicht rati­fi­ziert. Zur Vor­be­rei­tung sei­ner Rati­fi­ka­ti­on und zur Umset­zung der inhalt­li­chen Vor­ga­ben des 2. ZP EuRhÜbk wur­den aller­dings bereits die erfor­der­li­chen Rechts­an­pas­sun­gen vor­ge­nom­men. So wur­de etwa mit § 61b IRG eine Rechts­grund­la­ge für die Bil­dung gemein­sa­mer Ermitt­lungs­grup­pen geschaf­fen, deren Anwen­dungs­be­reich nicht auf den Kreis der Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on beschränkt ist.

Im Bereich des Zoll­fahn­dungs­diens­tes zu Zwe­cken der Straf­ver­fol­gung erfolgt der Ein­satz von ver­deck­ten Ermitt­lern bzw. die Durch­füh­rung grenz­über­schrei­ten­der Obser­va­tio­nen für den Bereich der Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on in Anwen­dung der Artt. 21 und 23 des Nea­pel II-Über­ein­kom­mens 6. Soweit hier­in auf das natio­na­le Recht ver­wie­sen wird, ist dies für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die Straf­pro­zess­ord­nung.

Dar­über hin­aus ist die inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit grund­sätz­lich mit allen Staa­ten auf ver­trag­lo­ser Grund­la­ge mög­lich.

Der Ein­satz von ver­deck­ten Ermitt­lern ist weder im SDÜ noch im Ver­trag von Prüm gere­gelt. Das EU-RhÜbk regelt den Ein­satz ver­deck­ter Ermitt­lun­gen nur all­ge­mein und sieht in Artikel14 Absatz 2 Satz 1 vor, dass die ver­deck­ten Ermitt­lun­gen nach den inner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und Ver­fah­ren des Mit­glied­staats durch­ge­führt wer­den, in des­sen Hoheits­ge­biet sie statt­fin­den. Im Unter­schied dazu sind die Bestim­mun­gen in den bila­te­ra­len Ver­trä­gen mit den Nach­bar­staa­ten Deutsch­lands natur­ge­mäß spe­zi­el­ler und beinhal­ten teil­wei­se ergän­zen­de Rege­lun­gen in Bezug auf die kon­kre­te Zusam­men­ar­beit der Ver­trags­par­tei­en. Grund­sätz­li­che Unter­schie­de zwi­schen den bila­te­ra­len Ver­ein­ba­run­gen bestehen jedoch nicht.

Das SDÜ ent­hält in Arti­kel 40 Vor­schrif­ten zur grenz­über­schrei­ten­den Obser­va­ti­on. Der Ver­trag von Prüm trifft hier­zu kei­ne aus­drück­li­chen Rege­lun­gen. Die bila­te­ra­len Ver­trä­ge mit den Nie­der­lan­den und Öster­reich ver­wei­sen auf das SDÜ und beinhal­ten dazu wei­te­re ergän­zen­de Rege­lun­gen. Die bestehen­den bila­te­ra­len Grenz­ge­biets­ab­kom­men mit Bel­gi­en, Däne­mark, Frank­reich und Luxem­burg ver­wei­sen aus­schließ­lich auf die Rege­lun­gen im SDÜ. Im Ver­hält­nis zur Schweiz, der Repu­blik Polen und der Tsche­chi­schen Repu­blik ori­en­tie­ren sich Rege­lun­gen zur grenz­über­schrei­ten­den Obser­va­ti­on eng an den Vor­ga­ben des SDÜ, ohne jedoch auf die­ses zu ver­wei­sen. Dies ist dem Umstand geschul­det, dass die­se Ver­trä­ge vor dem Bei­tritt die­ser Staa­ten zum Schen­gen­raum unter­zeich­net wur­den. Grund­sätz­li­che Unter­schie­de in den bi- und mul­ti­la­te­ra­len Ver­ein­ba­run­gen zur grenz­über­schrei­ten­den Obser­va­ti­on bestehen nicht.

Grenz­über­schrei­ten­de Obser­va­tio­nen sind in fol­gen­den bila­te­ra­len Ver­trä­gen gere­gelt:

  • Deutsch-Öster­rei­chi­scher Poli­zei- und Jus­tiz­ver­trag vom 10. Novem­ber 2003 bis 19. Dezem­ber 2003,
  • Deutsch-Nie­der­län­di­scher Poli­zei- und Jus­tiz­ver­trag vom 2. März 2005,
  • Deutsch-Schwei­ze­ri­scher Poli­zei­ver­trag vom 27. April 1999,
  • Deutsch-Tsche­chi­scher Ergän­zungs­ver­trag vom 2. Febru­ar 2002 zum Euro­päi­schen Rechts­hil­fe­über­ein­kom­men vom 20. April 1959 über die Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen,
  • Deutsch-Bel­gi­sches Grenz­ge­biets­ab­kom­men vom 27. März 2000,
  • Deutsch-Däni­sches Grenz­ge­biets­ab­kom­men vom 21. März 2001,
  • Deutsch-Fran­zö­si­sches Grenz­ge­biets­ab­kom­men („Mondor­fer Abkom­men“) vom 9. Okto­ber 1997,
  • Deutsch-Luxem­bur­gi­sches Grenz­ge­biets­ab­kom­men vom 24. Okto­ber 1995,
  • Deutsch-Pol­ni­sches Grenz­ge­biets­ab­kom­men vom 18. Febru­ar 2002.

Bila­te­ra­le Rege­lun­gen für den grenz­über­schrei­ten­den Ein­satz von ver­deck­ten Ermitt­lern fin­den sich in den auf­ge­führ­ten Ver­trä­ge mit Öster­reich, den Nie­der­lan­den, der Schweiz, mit der Repu­blik Polen sowie mit der Tsche­chi­schen Repu­blik. Auch Art. 12 des am 18. Okto­ber 2009 in Kraft getre­te­nen Ver­trags vom 14. Okto­ber 2003 zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka über die Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen ent­hält eine ent­spre­chen­de Rege­lung. Die­se Rege­lung ist all­ge­mei­ner Art und ver­weist auf die Rege­lun­gen in den natio­na­len Rechts­ord­nun­gen der Ver­trags­part­ner.

Für einen grenz­über­schrei­ten­den Ein­satz von ver­deck­ten Ermitt­lern schaf­fen die bila­te­ra­len und mul­ti­la­te­ra­len Ver­trä­ge in ers­ter Linie die recht­li­chen Grund­la­gen für die Zusam­men­ar­beit in die­sem Bereich. Für die Befug­nis­se und Zwangs­mit­tel beim Ein­satz eines ver­deck­ten Ermitt­lers ver­wei­sen genann­ten Über­ein­kom­men grund­sätz­lich auf die jewei­li­gen natio­na­len Rechts­ord­nun­gen. Die Vor­aus­set­zun­gen und Bedin­gun­gen, unter denen der Ein­satz in Deutsch­land durch­ge­führt wer­den kann, rich­ten sich damit grund­sätz­lich nach den deut­schen Rechts­vor­schrif­ten und Ver­fah­ren, ins­be­son­de­re also nach den Bestim­mun­gen der Straf­pro­zess­ord­nung.

Nach Arti­kel 40 Absatz 3 SDÜ sind bei­spiels­wei­se die obser­vie­ren­den Beam­ten an das Recht des ersuch­ten Staa­tes gebun­den und haben Anord­nun­gen der zustän­di­gen Behör­den zu befol­gen. Dar­über hin­aus sind Rege­lun­gen zum Tra­gen und Ein­satz von Dienst­waf­fen, das Betre­ten von Woh­nun­gen und nicht öffent­lich zugäng­li­chen Grund­stü­cken und zur Fest­nah­me von obser­vier­ten Per­so­nen zu befol­gen.

Das ins­be­son­de­re im Bereich der Zoll­fahn­dung maß­geb­li­che Nea­pel-II-Über­ein­kom­men ori­en­tiert sich im Wesent­li­chen am SDÜ.

Die mul­ti­la­te­ra­len Über­ein­kom­men zum Ein­satz ver­deck­ter Ermitt­ler ent­hal­ten grund­sätz­lich kei­ne Rege­lun­gen zu Eil­fäl­len. Die Ent­schei­dung über ein ent­spre­chen­des Ersu­chen wird von den zustän­di­gen Behör­den des ersuch­ten Mit­glied­staa­tes unter Beach­tung der inner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und Ver­fah­ren getrof­fen. In bila­te­ra­len Ver­trä­gen sind hin­ge­gen Rege­lun­gen zu „Eil­fäl­len“ vor­ge­se­hen. So schafft bei­spiels­wei­se der Deutsch-Öster­rei­chi­sche Poli­zei- und Jus­tiz­ver­trag in Art. 14 Abs. 6 eine ent­spre­chen­de recht­li­che Grund­la­ge:

Kann wegen beson­de­rer Dring­lich­keit ein Ersu­chen nach Absatz 1 vor dem Grenz­über­tritt nicht gestellt wer­den und ist ernst­haft zu befürch­ten, dass ohne grenz­über­schrei­ten­de ver­deck­te Ermitt­lun­gen die Iden­ti­tät der ein­ge­setz­ten Beam­ten auf­ge­deckt wür­de, ist der Ein­satz ver­deck­ter Ermitt­ler auf dem Hoheits­ge­biet des ande­ren Ver­trags­staa­tes aus­nahms­wei­se ohne vor­he­ri­ge Bewil­li­gung zuläs­sig, wenn im Übri­gen die Vor­aus­set­zun­gen für den Ein­satz ver­deck­ter Ermitt­ler auf dem Hoheits­ge­biet des ande­ren Ver­trags­staa­tes vor­lie­gen. Der Ein­satz ist unver­züg­lich der in Absatz 9 bezeich­ne­ten Behör­de des ande­ren Ver­trags­staa­tes anzu­zei­gen. Ein Ersu­chen, in dem auch die Grün­de dar­ge­legt wer­den, die einen Ein­satz ohne vor­he­ri­ge Zustim­mung recht­fer­ti­gen, ist unver­züg­lich nach­zu­rei­chen. Die Maß­nah­me kann grund­sätz­lich nur durch­ge­führt wer­den, wenn einem zuvor gestell­ten jus­ti­zi­el­len Rechts­hil­fe­er­su­chen zuge­stimmt wur­de.“

Zu den grenz­über­schrei­ten­den Obser­va­tio­nen bestimmt Art. 40 Abs. 2 SDÜ:

Kann wegen der beson­de­ren Dring­lich­keit der Ange­le­gen­heit eine vor­he­ri­ge Zustim­mung der ande­ren Ver­trags­par­tei nicht bean­tragt wer­den, dür­fen die Beam­ten die Obser­va­ti­on einer Per­son, die im Ver­dacht steht, an einer der in Absatz 7 auf­ge­führ­ten Straf­ta­ten betei­ligt zu sein, unter fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen über die Gren­ze hin­weg fort­set­zen:

  1. Der Grenz­über­tritt ist noch wäh­rend der Obser­va­ti­on unver­züg­lich der in Absatz 5 bezeich­ne­ten Behör­de der Ver­trags­par­tei, auf deren Hoheits­ge­biet die Obser­va­ti­on fort­ge­setzt wer­den soll, mit­zu­tei­len.
  2. Ein Rechts­hil­fe­er­su­chen nach Absatz 1, in dem auch die Grün­de dar­ge­legt wer­den, die einen Grenz­über­tritt ohne vor­he­ri­ge Zustim­mung recht­fer­ti­gen, ist unver­züg­lich nach­zu­rei­chen.

Die Obser­va­ti­on ist ein­zu­stel­len, sobald die Ver­trags­par­tei, auf deren Hoheits­ge­biet die Obser­va­ti­on statt­fin­det, auf­grund der Mit­tei­lung nach Buch­sta­be a oder des Ersu­chens nach Buch­sta­be b dies ver­langt, oder wenn die Zustim­mung nicht fünf Stun­den nach Grenz­über­tritt vor­liegt."

Nach Arti­kel 21 des Nea­pel-II-Über­ein­kom­mens gilt zudem für den Zoll­fahn­dungs­dienst, dass bei beson­de­rer Dring­lich­keit eine grenz­über­schrei­ten­de Obser­va­ti­on ohne vor­he­ri­ge Zustim­mung durch­ge­führt wer­den kann. In die­sem Fall ist der Grenz­über­tritt unver­züg­lich mit­zu­tei­len und ein Ersu­chen nach­zu­rei­chen. Auf Ver­lan­gen des Staa­tes, auf des­sen Hoheits­ge­biet die Obser­va­ti­on statt­fin­det, ist die Obser­va­ti­on ein­zu­stel­len. Die Obser­va­ti­on ist eben­falls ein­zu­stel­len, wenn bin­nen fünf Stun­den nach Grenz­über­tritt kei­ne Zustim­mung vor­liegt. Die natio­na­len Vor­schrif­ten für die Obser­va­ti­on blei­ben unbe­rührt. Der Ein­satz ver­deck­ter Ermitt­le­rin­nen und Ermitt­ler kann nach Arti­kel 23 des Nea­pel-II-Über­ein­kom­mens auch in drin­gen­den Fäl­len aus­schließ­lich mit Zustim­mung des ande­ren EU-Mit­glied­staa­tes erfol­gen.

In der Euro­päi­schen Uni­on besteht auf poli­zei­li­cher Ebe­ne die ECG (European Coope­ra­ti­on Group on Under­co­ver Aci­ti­vi­ties), die sich mit dem The­ma Ein­satz und Aus­tausch von ver­deck­ten Ermitt­lern befasst. In Deutsch­land erhal­ten das Bun­des­kri­mi­nal­amt sowie das Zoll­kri­mi­nal­amt Ein­la­dun­gen zu den Tref­fen der ECG.

Arti­kel 14 Absatz 1 EU-RhÜbk defi­niert ver­deck­te Ermitt­lun­gen als straf­recht­li­che Ermitt­lun­gen durch ver­deckt oder unter fal­scher Iden­ti­tät han­deln­de Beam­te. Im natio­na­len Recht wer­den ver­deck­te Ermitt­ler in § 110a Nr. 2 StPO defi­niert. Danach han­delt es sich um Beam­te des Poli­zei­diens­tes, die unter einer ihnen ver­lie­he­nen, auf Dau­er ange­leg­ten, ver­än­der­ten Iden­ti­tät (Legen­de) ermit­teln. Die län­ger­fris­ti­ge Obser­va­ti­on wird im natio­na­len Recht als eine über einen durch­ge­hend län­ger als 24 Stun­den dau­ern­den Zeit­raum oder eine zwar unter­bro­che­ne, aber an mehr als zwei Tagen statt­fin­den­de plan­mä­ßi­ge Beob­ach­tung des Beschul­dig­ten defi­niert, § 163f Absatz 1 Satz 1 StPO. Eine (rechts-)verbindliche Defi­ni­ti­on der poli­zei­li­chen Ver­trau­ens­per­son bzw. des Infor­man­ten exis­tiert auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne nicht. Auf natio­na­ler Ebe­ne erfolgt dies in Abschnitt I, Punkt 2.1, 2.2 der Anla­ge D der RiSt­BV. Danach ist ein Infor­mant eine Per­son, die im Ein­zel­fall bereit ist, gegen Zusi­che­rung der Ver­trau­lich­keit der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de Infor­ma­tio­nen zu geben. Dem­ge­gen­über ist eine poli­zei­li­che Ver­trau­ens­per­son eine Per­son, die, ohne einer Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de anzu­ge­hö­ren, bereit ist, die­se bei der Auf­klä­rung von Straf­ta­ten auf län­ge­re Zeit ver­trau­lich zu unter­stüt­zen, und deren Iden­ti­tät grund­sätz­lich geheim gehal­ten wird.

Das „Hand­buch für grenz­über­schrei­ten­de Ein­sät­ze7 wur­de von der Rats-Arbeits­grup­pe „Straf­ver­fol­gung“ (vor­mals „Poli­zei­li­che Zusam­men­ar­beit“) erar­bei­tet. Das Doku­ment ent­hält Infor­ma­tio­nen über die unter­schied­li­chen For­men und Rechts­grund­la­gen grenz­über­schrei­ten­der Ein­sät­ze (Obser­va­ti­on, Nach­ei­le, gemein­sa­me Strei­fen, GEG etc.). Das Hand­buch wird u. a. durch ein Adden­dum 1 ergänzt 8. Die­ses Adden­dum ent­hält soge­nann­te fact-she­ets mit wei­te­ren prak­ti­schen Infor­ma­tio­nen zur Durch­füh­rung grenz­über­schrei­ten­der Ein­sät­ze, bezo­gen auf die ein­zel­nen EU-Mit­glied­staa­ten. Die­se „fact-she­ets“ und gege­be­nen­falls das Hand­buch sol­len jähr­lich im Rah­men der RAG „Straf­ver­fol­gung“ aktua­li­siert wer­den 9. Im „Hand­buch für grenz­über­schrei­ten­de Ein­sät­ze“ sind unter Zif­fer 5.4. fol­gen­de Aus­füh­run­gen zu ver­deck­ten Ermitt­lun­gen (im Rah­men einer Gemein­sa­men Ermitt­lungs­grup­pe) ent­hal­ten:

5.4. Ein­satz von ver­deck­ten Ermitt­lern und Infor­man­ten:
Der Ein­satz von ver­deck­ten Ermitt­lern und Infor­man­ten hängt von den natio­na­len Rechts­vor­schrif­ten der ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten ab. Die inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit auf die­sem Gebiet ist ins­be­son­de­re durch Arti­kel 14 des Über­ein­kom­mens über die Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen, Arti­kel 23 des Über­ein­kom­mens Nea­pel II, Artikel20 des Über­ein­kom­mens der Ver­ein­ten Natio­nen gegen die grenz­über­schrei­ten­de orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät und bila­te­ra­le Über­ein­künf­te und ein­zel­staat­li­che Rechts­ak­te gere­gelt. Ermitt­lungs­tech­ni­ken die­ser Art kön­nen zwar bei natio­na­len Ermitt­lun­gen ange­wandt wer­den, aber es wird für erfor­der­lich gehal­ten, dass sol­che Tech­ni­ken im Hoheits­ge­biet ande­rer Mit­glied­staa­ten im Rah­men natio­na­ler Ermitt­lun­gen oder gemein­sa­mer Ermitt­lun­gen ange­wandt wer­den. Die natio­na­len Zen­tral­be­hör­den und Euro­pol haben Exper­ten benannt und geben Bera­tung, um die Anwen­dung die­ser Tech­ni­ken zu unter­stüt­zen.“

Ein­satz aus­län­di­scher Ermitt­ler im Inland[↑]

Der Ein­satz eines ver­deck­ten Ermitt­lers einer aus­län­di­schen Poli­zei­be­hör­de rich­tet sich grund­sätz­lich nicht nach den §§ 110a ff. StPO, wonach ver­deck­te Ermitt­ler Beam­te eines – deut­schen – Poli­zei­diens­tes sind; ein aus­län­di­scher ver­deck­ter Ermitt­ler ist viel­mehr als poli­zei­li­che Ver­trau­ens­per­son ein­zu­stu­fen 10. Die Zuläs­sig­keit des Ein­sat­zes einer poli­zei­li­chen Ver­trau­ens­per­son bestimmt sich nach den all­ge­mei­nen Ermitt­lungs­be­fug­nis­sen der §§ 161, 163 StPO. Ergän­zend haben die Jus­tiz­mi­nis­ter und Innen­mi­nis­ter der Län­der "Gemein­sa­me Richt­li­ni­en über die Inan­spruch­nah­me von Infor­man­ten sowie über den Ein­satz von Ver­trau­ens­per­so­nen und Ver­deck­ten Ermitt­lern im Rah­men der Straf­ver­fol­gung" erlas­sen (Anla­ge D der Richt­li­ni­en für das Straf- und Buß­geld­ver­fah­ren – RiSt­BV). Eine Beschrän­kung des Ein­sat­zes einer poli­zei­li­chen Ver­trau­ens­per­son auf bestimm­te Straf­ta­ten ent­hal­ten die­se Rege­lun­gen nicht.

Die Anord­nungs­be­fug­nis rich­tet sich danach, wel­che kon­kre­te ver­deck­te Ermitt­lungs­maß­nah­me zur Anwen­dung kom­men soll. So bedarf der Ein­satz eines ver­deck­ten Ermitt­lers gemäß § 110b Absatz 1 StPO grund­sätz­lich der vor­he­ri­gen Zustim­mung der Staats­an­walt­schaft; bei Gefahr im Ver­zug kann die Zustim­mung der Staats­an­walt­schaft aus­nahms­wei­se nach­träg­lich her­bei­ge­führt wer­den. Die Zustim­mung des Ermitt­lungs­rich­ters (§§ 162, 169 StPO) ist erfor­der­lich, wenn der Ein­satz des ver­deck­ten Ermitt­lers gegen einen bestimm­ten Beschul­dig­ten erfol­gen oder der ver­deck­te Ermitt­ler befugt sein soll, eine nicht all­ge­mein zugäng­li­che Woh­nung zu betre­ten (§ 110b Absatz 2 StPO). Beim Ein­satz einer poli­zei­li­chen Ver­trau­ens­per­son sehen die Gemein­sa­men Richt­li­ni­en in Nr. 5 der Anla­ge D zur RiSt­BV einen Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt der Staats­an­walt­schaft vor.

Im Rah­men der Straf­ver­fol­gung darf eine län­ger­fris­ti­ge Obser­va­ti­on grund­sätz­lich nur gegen­über dem Beschul­dig­ten einer Straf­tat von erheb­li­cher Bedeu­tung ange­ord­net wer­den, § 163f Absatz 1 Satz 1 StPO. Gegen ande­re Per­so­nen ist die Maß­nah­me nur zuläs­sig, wenn auf Grund bestimm­ter Tat­sa­chen anzu­neh­men ist, dass sie mit dem Täter in Ver­bin­dung ste­hen oder eine sol­che Ver­bin­dung her­ge­stellt wird, dass die Maß­nah­me zur Erfor­schung des Sach­ver­halts oder zur Ermitt­lung des Auf­ent­halts­or­tes des Täters füh­ren wird und dies auf ande­re Wei­se erheb­lich weni­ger erfolg­ver­spre­chend oder wesent­lich erschwert wäre, § 163f Absatz 1 Satz 3 StPO.

Für den Ein­satz eines ver­deck­ten Ermitt­lers im repres­si­ven Bereich ist in § 110c StPO i. V. m. § 110b Abs. 2 StPO gere­gelt, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die­ser eine Woh­nung betre­ten darf. Für eine poli­zei­li­che Ver­trau­ens­per­son gel­ten die­se Rege­lun­gen nicht, so dass inso­weit regel­mä­ßig das Ein­ver­ständ­nis des Woh­nungs­in­ha­bers maß­ge­bend ist.

Für deut­sche Voll­zugs­be­am­te rich­tet sich der Ein­satz von Zwangs­mit­teln nach den Bestim­mun­gen der StPO und dem Gesetz über den unmit­tel­ba­ren Zwang bei
Aus­übung öffent­li­cher Gewalt durch Voll­zugs­be­am­te des Bun­des (UZwG) bzw. den Poli­zei­ge­set­zen der Län­der. Poli­zei­li­chen Ver­trau­ens­per­so­nen ver­lei­hen die­se Bestim­mun­gen kei­ne hoheit­li­chen Befug­nis­se.

Hin­sicht­lich des Ein­sat­zes eines ver­deck­ten Ermitt­lers im Straf­ver­fah­ren bestimmt § 110b Abs. 1 S. 3 StPO, dass die not­wen­di­ge Zustim­mung der Staats­an­walt­schaft zu befris­ten ist. Nach § 110b Abs. 1 S. 4 StPO ist eine Ver­län­ge­rung zuläs­sig, solan­ge die Vor­aus­set­zun­gen für den Ein­satz fort­be­stehen. Hin­sicht­lich der Dau­er des Ein­sat­zes einer poli­zei­li­chen Ver­trau­ens­per­son im Straf­ver­fah­ren sieht das Gesetz kei­ne zeit­li­chen Beschrän­kun­gen vor. Sowohl für den Ein­satz eines ver­deck­ten Ermitt­lers als auch für den Ein­satz einer poli­zei­li­chen Ver­trau­ens­per­son gilt jedoch wie bei allen straf­pro­zes­sua­len Maß­nah­men der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz. Die Beach­tung die­ser Vor­ga­ben obliegt der Ein­satz­lei­tung bzw. der zustän­di­gen Staats­an­walt­schaft.

Grund­sätz­lich ist vor dem Ein­satz ein Ersu­chen um jus­ti­zi­el­le Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen erfor­der­lich, das auf den Ein­satz von ver­deck­ten Ermitt­lun­gen gerich­tet ist. Wel­che Stel­len zustän­dig sind, hängt von der jewei­li­gen Geschäfts­weg­re­ge­lung ab. Die Geschäfts­weg­re­ge­lung wie­der­um hängt von dem zugrun­de lie­gen­den Über­ein­kom­men ab. Der diplo­ma­ti­sche Geschäfts­weg ist immer mög­lich. Gehen Ersu­chen bei nicht zustän­di­gen Behör­den ein, sind sie an die zustän­di­ge Behör­de wei­ter­zu­lei­ten (Nr. 17 RiVASt 11. Auch der erfor­der­li­che Inhalt der Ersu­chen rich­tet sich nach dem jeweils zugrun­de lie­gen­den Über­ein­kom­men. Grund­sätz­lich sind die ver­mu­te­te zugrun­de lie­gen­de Straf­tat, die Hand­lung, um deren Vor­nah­me im Wege der Rechts­hil­fe ersucht wird, und die Beweis­erheb­lich­keit die­ser Hand­lung bzw. der erwar­te­ten Ergeb­nis­se dar­zu­tun (vgl. Nr. 29 RiVASt). Das deut­sche Rechts­hil­fe­recht ent­hält einen Beschleu­ni­gungs­ap­pell. Ein­ge­hen­de Ersu­chen sind unver­züg­lich zu bear­bei­ten, Nr. 19 RiVASt.

Aus­län­di­sche Poli­zei­kräf­te unter­lie­gen bei der Durch­füh­rung ver­deck­ter Ermitt­lun­gen auf deut­schem Hoheits­ge­biet den glei­chen Berichts­pflich­ten wie deut­sche ver­deck­te Ermitt­ler. Der Ein­satz ver­deck­ter Ermitt­ler unter­liegt im Straf­ver­fah­ren gericht­li­cher Kon­trol­le u. a. nach § 98 Abs. 2 S. 2 ana­log, §§ 101, 304 StPO.

Gemein­sa­me Ermitt­lungs­grup­pen[↑]

Vor­aus­set­zung für die Ein­set­zung einer gemein­sa­men Ermitt­lungs­grup­pe ist neben der Bewil­li­gung eines ent­spre­chen­den Ersu­chens der Abschluss einer Errich­tungs­ver­ein­ba­rung. Für Gemein­sa­me Ermitt­lungs­grup­pen nach euro­päi­schem Recht hat der Rat am 26. Febru­ar 2010 eine Modell­ver­ein­ba­rung ver­ab­schie­det 12, die als Anlei­tung für eine Errich­tungs­ver­ein­ba­rung her­an­ge­zo­gen wer­den kann.

Die natio­na­len gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen erge­ben sich

  • für Gemein­sa­me Ermitt­lungs­grup­pen nach euro­päi­schem Recht aus § 93 IRG,
  • für Gemein­sa­me Ermitt­lungs­grup­pen mit Staa­ten außer­halb der Euro­päi­schen Uni­on aus § 61b IRG und
  • für „Beson­de­re gemein­sa­me Ermitt­lungs­teams“ im Bereich der Zoll­fahn­dung aus Art. 24 Nea­pel-II-Über­ein­kom­men.

Nach § 93 Abs. 1 IRG bzw. § 61b Abs. 1 Satz 2 IRG kann einem in eine Gemein­sa­me Ermitt­lungs­grup­pe ent­sand­ten aus­län­di­schem Mit­glied unter der Lei­tung des zustän­di­gen deut­schen Mit­glieds die Durch­füh­rung von Ermitt­lungs­hand­lun­gen über­tra­gen wer­den, sofern dies vom ent­sen­den­den Staat gebil­ligt wor­den ist.

Nach Art. 13 Abs. 12 EU-RhÜbk kann – soweit die Rechts­vor­schrif­ten der betref­fen­den Mit­glied­staa­ten oder die zwi­schen ihnen anwend­ba­ren Über­ein­künf­te dies gestat­ten – ver­ein­bart wer­den, dass sich Per­so­nen an der Gemein­sa­men Ermitt­lungs­grup­pe betei­li­gen, die kei­ne Ver­tre­ter der zustän­di­gen Behör­den der Mit­glied­staa­ten sind, die die Grup­pe gebil­det haben. Hier­bei kann es sich auch um Bediens­te­te von nach dem Ver­trag über die Euro­päi­sche Uni­on geschaf­fe­nen Ein­rich­tun­gen han­deln. Die den Mit­glie­dern oder den ent­sand­ten Mit­glie­dern der Grup­pe kraft Arti­kel 13 EU-RhÜbk ver­lie­he­nen Rech­te gel­ten nicht für die­se Per­so­nen, es sei denn, dass die Ver­ein­ba­rung aus­drück­lich etwas ande­res vor­sieht. Nach Art. 6 Abs. 1 S. 1 des Euro­pol-Rats­be­schlus­ses 13 kön­nen Euro­pol-Bediens­te­te dem­entspre­chend an Gemein­sa­men Ermitt­lungs­grup­pen in unter­stüt­zen­der Funk­ti­on teil­neh­men. Eine Betei­li­gung von Euro­pol erfolgt auf Basis eines Ersu­chens der Mit­glied­staa­ten, die beab­sich­ti­gen, eine Gemein­sa­me Ermitt­lungs­grup­pe ein­zu­rich­ten oder die­se bereits ein­ge­rich­tet haben. Im Rah­men der Abstim­mun­gen mit Euro­pol wer­den die kon­kre­ten Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen von Euro­pol (z. B. Daten­aus­wer­tung in den Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tungs­sys­te­men bei Euro­pol) und – sofern gewünscht – die Moda­li­tä­ten für die Teil­nah­me von Euro­pol-Bediens­te­ten an einer GEG gemäß Arti­kel 6 Absatz 2 Euro­pol-Rats­be­schluss ver­ein­bart. Das Ergrei­fen von Zwangs­maß­nah­men ist den Euro­pol-Ermitt­lern nicht gestat­tet, Art. 6 Abs. 1, 2. UA, Satz 2 Euro­pol-Rats­be­schluss.

Cybercrime-Kon­ven­ti­on[↑]

Rege­lun­gen zur „Fern­durch­su­chung“ fin­den sich in der Straf­pro­zess­ord­nung nur in § 110 Absatz 3 StPO bezo­gen auf den Son­der­fall des Zugriffs auf räum­lich getrenn­te Spei­cher­me­di­en im Inland im Rah­men der Durch­su­chung des Com­pu­ters des Betrof­fe­nen. In grenz­über­schrei­ten­der­Wei­se ist dies nur im Rah­men der inter­na­tio­na­len Rechts­hil­fe mög­lich. Inso­weit ent­hält die "Cybercrime-Kon­ven­ti­on" 14, Ver­ein­fa­chun­gen für die straf­pro­zes­sua­len Maß­nah­men der Beschlag­nah­me und Durch­su­chung (Arti­kel 19 Cybercrime-Kon­ven­ti­on) sowie all­ge­mei­ne gegen­sei­ti­ge­Ver­pflich­tun­gen zur beschleu­nig­ten Rechts­hil­fe (Arti­kel 25 Cybercrime-Kon­ven­ti­on). Ins­be­son­de­re Arti­kel 19 Abs. 2 der Cybercrime-Kon­ven­ti­on ver­pflich­tet jede Ver­trags­par­tei, die in ihrem Hoheits­ge­biet vor­han­de­nen, von einer Durch­su­chung im Hoheits­ge­biet einer ande­ren Ver­trags­par­tei betrof­fe­nen Daten durch die Gewäh­rung des Zugriffs rasch und unmit­tel­bar zur Ver­fü­gung zu stel­len.

  1. Über­ein­kom­men vom 29. Mai 2000 über die Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen zwi­schen den Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on[]
  2. Gesetz über die inter­na­tio­na­le Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen[]
  3. Über­ein­kom­men der Ver­ein­ten Natio­nen vom 15.11.2000 gegen die grenz­über­schrei­ten­de orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät[]
  4. vom 19. Juni 1990[]
  5. vom 8. Novem­ber 2001[]
  6. Über­ein­kom­men auf Grund von Arti­kel K.3 des Ver­tra­ges über die Euro­päi­sche Uni­on über gegen­sei­ti­ge Amts- und Rechts­hil­fe und Zusam­men­ar­beit der Zoll­be­hör­den vom 18. Dezem­ber 1997[]
  7. EU-Rats­do­ku­ment 10505/​09 REV4[]
  8. EU-Rats­do­ku­ment 10505/​4/​09 REV 4 ADD 1[]
  9. sie­he EU-Rats­do­ku­ment 10505/​09 REV4, Sei­te 3[]
  10. vgl. Nack, in: Karls­ru­her Kom­men­tar zur StPO, 6. Aufl., § 110a Rn. 5[]
  11. Richt­li­ni­en für den Ver­kehr mit dem Aus­land in straf­recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten[]
  12. ABl. C 70 vom 19. 3. 2010, S. 1[]
  13. 2009/​371/​JHA[]
  14. Über­ein­kom­men des Euro­pa­ra­tes über Com­pu­ter­kri­mi­na­li­tät vom 23. Novem­ber 2001, BGBl. 2008 II S.1242, in Deutsch­land in Kraft seit 1. Juli 2009, BGBl. 2010 II S. 218[]