Grund­ur­teil über Schmer­zens­geld und Fest­stel­lungs­aus­spruch im Adhä­si­ons­ver­fah­ren

Es ist wegen der umfas­sen­den Kogni­ti­ons­pflicht des Revi­si­ons­ge­richts zuläs­sig, auf eine Revi­si­on des Ange­klag­ten den Schuld­spruch zu des­sen Nach­teil zu berich­ti­gen, um die Ver­ur­tei­lung mit dem mate­ri­el­len Recht in Über­ein­stim­mung zu brin­gen.

Grund­ur­teil über Schmer­zens­geld und Fest­stel­lungs­aus­spruch im Adhä­si­ons­ver­fah­ren

Die Ent­schei­dung über einen Fest­stel­lungs­an­trag ist im Adhä­si­ons­ver­fah­ren neben einem auf dem­sel­ben tat­säch­li­chen Vor­gang beru­hen­den Grund­ur­teil über Schmer­zens­geld gebo­ten, um ein unzu­läs­si­ges Teil­ur­teil wegen der Gefahr ein­an­der wider­spre­chen­der Ent­schei­dun­gen zu ver­mei­den.

Weil im Betrags­ver­fah­ren vom Zivil­ge­richt auf Antrag des Adhä­si­ons­klä­gers ein Schmer­zens­geld fest­ge­setzt wer­den wird, das nicht nur die bereits ein­ge­tre­te­nen und erkenn­ba­ren, son­dern auch alle im Ent­schei­dungs­zeit­punkt objek­tiv vor­her­seh­ba­ren zukünf­ti­gen Fol­gen abdeckt, erfasst der Fest­stel­lungs­aus­spruch ledig­lich die nicht vor­her­seh­ba­ren, aber mög­li­chen imma­te­ri­el­len Ver­let­zungs­fol­gen.

Eine Beschrän­kung des mate­ri­el­len Vor­be­halts ist dem­ge­gen­über nach der zivil­recht­li­chen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, der sich das Ober­lan­des­ge­richt anschließt, trotz des grund­sätz­lich aner­kann­ten Vor­rangs der Leis­tungs­kla­ge selbst dann nicht gebo­ten, wenn ein Teil der mate­ri­el­len Schä­den schon ent­stan­den ist 1.

In das Rubrum des ange­foch­te­nen Urteils ist schließ­lich die Geschä­dig­te als Adhä­si­ons­klä­ge­rin auf­zu­neh­men. Eine sol­che Auf­nah­me ist, damit aus dem Urteil voll­streckt wer­den kann, gebo­ten 2. Die Rubrums­er­gän­zung kann durch das Revi­si­ons­ge­richt aus­ge­spro­chen wer­den, wenn sich die Stel­lung als Adhä­si­ons­klä­ge­rin ein­deu­tig aus dem Urteil ergibt.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 28. Mai 2013 – 1 Ss 14/​13

  1. BGH, Urteil vom 04.12.1986, III ZR 205/​85 13 ff.; BGH, Urteil vom 21.02.1991, III ZR 204/​89[]
  2. vgl. Mey­er-Goß­ner, StPO, 55. Aufl. § 406 Rn. 2[]