Här­teaus­gleich für eine bereits durch Voll­stre­ckung erle­dig­te Ver­ur­tei­lung

Nach dem Grund­ge­dan­ken des § 55 StGB sol­len Taten, die bei gemein­sa­mer Ver­hand­lung nach §§ 53, 54 StGB behan­delt wor­den wären, bei getrenn­ter Abur­tei­lung die­sel­be Behand­lung erfah­ren, so dass Täter im End­ergeb­nis weder bes­ser noch schlech­ter gestellt sind.

Här­teaus­gleich für eine bereits durch Voll­stre­ckung erle­dig­te Ver­ur­tei­lung

Die Tat­sa­che, dass eine durch Voll­stre­ckung erle­dig­te Stra­fe nicht mehr in eine Gesamt­stra­fe ein­be­zo­gen wer­den kann und allein des­halb eine Gesamt­stra­fen­bil­dung gemäß § 55 StGB aus­schei­det, ändert nichts an der For­de­rung nach einem Aus­gleich der sich durch getrenn­te Abur­tei­lung erge­ben­den Nach­tei­le; die­ser Aus­gleich ist – soweit er gebo­ten ist – im Wege des sog. Här­teaus­gleichs vor­zu­neh­men 1.

Für die Anwend­bar­keit des § 55 StGB kommt es auf die letz­te tatrich­ter­li­che Ent­schei­dung zur Schuld- oder Straf­fra­ge an. Dies gilt auch für den Tatrich­ter, der nach in der Rechts­mit­tel­in­stanz erfolg­ter (teil­wei­ser) Auf­he­bung und Zurück­ver­wei­sung mit der Sache befasst wird 2. Anders ist es ledig­lich hin­sicht­lich der Voll­stre­ckungs­si­tua­ti­on für eine schon im ers­ten tatrich­ter­li­chen Urteil nach § 55 StGB gesamt­stra­fen­fä­hi­ge Ent­schei­dung; für deren Beur­tei­lung ist der Zeit­punkt der frü­he­ren tatrich­ter­li­chen Ent­schei­dung maß­geb­lich 3.

Ein Här­teaus­gleich bezieht sich, sofern eine sol­che zu bil­den ist, auf die nun­mehr zu ver­hän­gen­de Gesamt­stra­fe 4.

Dies führ­te im hier ent­schie­de­nen Fall dazu, dass das Unter­las­sen der Prü­fung eines sol­chen Här­teaus­gleichs vom Bun­des­ge­richts­hof im Ergeb­nis gebil­ligt wur­de, da das Urteil nicht auf die­sem Unter­las­sung beruh­te: Das Land­ge­richt hat­te die Gesamt­stra­fe in der unter Beach­tung von §§ 39, 54 StGB geringst­mög­li­chen Höhe fest­ge­setzt. Denn es hat die – rechts­feh­ler­frei zuge­mes­se­nen – Ein­zel­stra­fen für die im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren abge­ur­teil­ten Straf­ta­ten von zwei Jah­ren und einem Monat sowie von 20 Tages­sät­zen zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von zwei Jah­ren, einem Monat und einer Woche zusam­men­ge­fasst. An der Ver­hän­gung einer noch gerin­ge­ren Gesamt­stra­fe bei Vor­nah­me eines Här­teaus­gleichs wäre es daher aus Rechts­grün­den gehin­dert gewe­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Juni 2015 – 4 StR 176/​15

  1. vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 06.06.2002 – 3 StR 118/​02, wis­tra 2002, 422; vom 05.11.2014 – 1 StR 299/​14, BGHR StGB § 55 Bemes­sung 4 jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 22.02.2012 – 4 StR 22/​12, wis­tra 2012, 221; eben­so bereits Beschluss vom 30.06.1960 – 2 StR 147/​60, BGHSt 15, 66, 69 ff.[]
  3. BGH, Beschluss vom 19.02.2014 – 2 StR 558/​13, NStZ-RR 2014, 242, 243[]
  4. vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 25.06.2013 – 5 StR 266/​13; vom 09.11.2010 – 4 StR 441/​10, BGHR StGB § 55 Abs. 1 Satz 1 Här­teaus­gleich 20, dort auch zur Unan­wend­bar­keit der sog. Voll­stre­ckungs­lö­sung bei Ver­hän­gung einer zei­ti­gen Frei­heits­stra­fe[]