Hanf­an­bau – und das Han­del­trei­ben

Der Anbau von Can­na­bis-Pflan­zen, der auf die gewinn­brin­gen­de Ver­äu­ße­rung der her­zu­stel­len­den Betäu­bungs­mit­tel zielt, erfüllt den Tat­be­stand des Han­del­trei­bens [1].

Hanf­an­bau – und das Han­del­trei­ben

Der Ver­bre­chens­tat­be­stand des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge ist dabei ver­wirk­licht, wenn mit der Auf­zucht der Pflan­zen eine nicht gerin­ge Men­ge des Betäu­bungs­mit­tels erzielt wer­den soll [2].

Wer­den mehr­fach hin­ter­ein­an­der die abge­ern­te­ten Pflan­zen aus einem Anbau­vor­gang jeweils ver­kauft, so sind meh­re­re selb­stän­di­ge Taten des Han­del­trei­bens gege­ben [3].

Wer­den ande­rer­seits meh­re­re der durch die ein­zel­nen Anbau­vor­gän­ge erziel­ten Erträ­ge in einem ein­heit­li­chen Umsatz­ge­schäft ver­äu­ßert, so führt dies jeden­falls zu einer Tei­li­den­ti­tät der jewei­li­gen tat­be­stand­li­chen Aus­füh­rungs­hand­lun­gen und ver­knüpft so die ein­zel­nen Fäl­le des Han­del­trei­bens zu einer Tat des Han­del­trei­bens [4]. Dafür ist es ohne Belang, ob in ver­schie­de­nen Plan­ta­gen gleich­zei­tig gewon­ne­ne Ern­ten oder in einer Plan­ta­ge hin­ter­ein­an­der gewon­ne­ne Ern­ten in einem Ver­kauf zusam­men­ge­fasst wer­den.

Nichts ande­res gilt für den Ver­kauf von Betäu­bungs­mit­teln aus einer Plan­ta­ge mit Pflan­zen unter­schied­li­cher Rei­fungs­gra­de, die suk­zes­siv nach ihrer Rei­fe geern­tet wer­den [5]. Auch hier stellt der ein­zel­ne Ver­kauf die Zäsur des Anbaus dar. Mit ihm kon­kre­ti­siert sich die Tat des Han­del­trei­bens und trennt die zur Erzeu­gung des ver­kauf­ten Betäu­bungs­mit­tels not­wen­di­gen Anbau­vor­gän­ge von denen ab, die der Her­stel­lung der nächs­ten Lie­fe­rung und damit der nächs­ten Tat des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln die­nen. Es ist dabei uner­heb­lich, dass die ein­zel­nen Pflan­zen nicht – wie vor­wie­gend anzu­tref­fen – inner­halb einer Plan­ta­ge gleich­zei­tig ange­baut und von ande­ren Pflan­zun­gen räum­lich getrennt sind. Es kommt allein auf den jewei­li­gen Ver­kaufs­vor­gang an. Auch der blo­ße gleich­zei­ti­ge Besitz der bereits abge­ern­te­ten, zum Ver­kauf bei Errei­chen einer ent­spre­chen­den Men­ge bereit­lie­gen­den Blü­ten einer­seits und der noch auf dem Halm befind­li­chen Blü­ten hat nicht die Kraft, die getrenn­ten Han­dels­tä­tig­kei­ten zur Tat­ein­heit zu ver­bin­den [6].

Damit lie­gen im hier ent­schie­de­nen Fall auf­grund der 20 fest­ge­stell­ten Ver­käu­fe eben­so vie­le Taten des Han­del­trei­bens vor. Die ein­und­zwan­zigs­te Tat des voll­ende­ten Han­del­trei­bens hat das Land­ge­richt zutref­fend in dem Betrei­ben der Plan­ta­ge (bestehend aus dem Abern­ten von Blü­ten­stän­den und der Auf­zucht der übri­gen Pflan­zen) seit dem letz­ten Ver­kauf mit dem Ziel des gewinn­brin­gen­den Ver­kaufs nach Errei­chen von zwei Kilo­gramm Blü­ten­stän­den gese­hen. Es reicht für ein voll­ende­tes Han­del­trei­ben aus, dass Can­na­bis­setz­lin­ge mit dem Ziel einer spä­te­ren Ern­te und des gewinn­brin­gen­den Wei­ter­ver­kaufs ange­pflanzt wer­den, auch wenn es dazu letzt­lich nicht mehr kommt.

Der Begriff des Han­del­trei­bens ist umfas­send dahin zu ver­ste­hen, dass er jede eigen­nüt­zi­ge auf den Umsatz von Betäu­bungs­mit­teln gerich­te­te Tätig­keit umfasst, soweit es sich nicht ledig­lich um typi­sche Vor­be­rei­tun­gen han­delt, die weit im Vor­feld des beab­sich­tig­ten Güter­um­sat­zes lie­gen [7].

Dem­ge­mäß geht der Bun­des­ge­richts­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung davon aus, dass bereits die Auf­zucht von Can­na­bis­pflan­zen den Tat­be­stand des Han­del­trei­bens erfül­len kann, wenn der Anbau – wie hier – auf die gewinn­brin­gen­de Ver­äu­ße­rung der her­zu­stel­len­den Betäu­bungs­mit­tel zielt [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Febru­ar 2015 – 3 StR 546/​14

  1. BGH, Beschluss vom 12.01.2005 – 1 StR 476/​04, BGHR BtMG § 29a Abs. 1 Nr. 2 Han­del­trei­ben 4[]
  2. BGH, Urteil vom 20.12 2012 – 3 StR 407/​12, BGHSt 58, 99[][]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 20.04.2005 – 3 StR 106/​05, NStZ 2005, 650; und vom 28.06.2011 – 3 StR 485/​10, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Kon­kur­ren­zen 11; Urteil vom 20.12 2012 – 3 StR 407/​12, inso­weit in BGHSt 58, 99 nicht abge­druckt[]
  4. BGH, Beschluss vom 28.06.2011 – 3 StR 485/​10, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Kon­kur­ren­zen 11; Urteil vom 20.12 2012 – 3 StR 407/​12, inso­weit in BGHSt 58, 99 nicht abge­druckt[]
  5. aA Körner/​Patzak/​Volkmer, BtMG, 7. Aufl., § 29 Teil 2 Rn. 101[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 28.09.1994 – 3 StR 261/​94, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 45[]
  7. BGH, Beschluss vom 26.10.2005 – GSSt 1/​05, BGHSt 50, 252, 256, 265 f.[]