20 Han­fern­ten – und die Fra­ge der Mit­tä­ter­schaft

Bei einer durch meh­re­re Per­so­nen began­ge­nen Delikts­se­rie ist die Fra­ge, ob Hand­lungs­ein­heit besteht oder Tat­mehr­heit gege­ben ist, für jeden der Betei­lig­ten geson­dert zu prü­fen und zu ent­schei­den, ob die ihm zure­chen­ba­ren Delik­te in Tat­ein­heit oder Tat­mehr­heit zuein­an­der ste­hen.

20 Han­fern­ten – und die Fra­ge der Mit­tä­ter­schaft

Erbringt ein Betei­lig­ter nur sol­che Tat­bei­trä­ge, die ein­heit­lich sämt­li­che oder jeden­falls ein­zel­ne die­ser Taten för­dern, so sind ihm die­se nicht als jeweils recht­lich selb­stän­dig, son­dern als in gleich­ar­ti­ger Tat­ein­heit began­gen zuzu­rech­nen. Denn sie wer­den in sei­ner Per­son durch die ein­heit­li­chen Tat­bei­trä­ge zu einer Hand­lung im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB ver­knüpft.

Als recht­lich selb­stän­di­ge Taten kön­nen dem Mit­tä­ter oder Teil­neh­mer – soweit kei­ne natür­li­che Hand­lungs­ein­heit vor­liegt – nur sol­che Ein­zel­ta­ten der Serie zuge­rech­net wer­den, für die er einen indi­vi­du­el­len, nur je die­se för­dern­den Tat­bei­trag leis­tet.

Ob ande­re Betei­lig­te die ein­zel­nen Delik­te tat­mehr­heit­lich began­gen haben, bleibt ohne Belang1.

Nach die­sen Maß­stä­ben war in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nur von drei Taten des Ange­klag­ten aus­zu­ge­hen: Die Mit­wir­kung des Ange­klag­ten am Anbau des für den Han­del bestimm­ten Can­na­bis bestand in drei Fäl­len dar­in, Immo­bi­li­en für die Ein­rich­tung von Plan­ta­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Sei­ne übri­gen Tätig­kei­ten dien­ten dem Anbau­be­trieb ins­ge­samt. Kon­kre­te Mit­wir­kungs­hand­lun­gen an dem zu den ein­zel­nen Ern­ten füh­ren­den Anbau oder dem gewinn­brin­gen­den Wei­ter­ver­kauf des Rausch­gifts erge­ben die Fest­stel­lun­gen nicht.

Zudem tru­gen die Fest­stel­lun­gen nicht in allen drei Fäl­len die vom Land­ge­richt ange­nom­me­ne Mit­tä­ter­schaft:

Bei Betei­li­gung meh­re­rer Per­so­nen, von denen nicht jede sämt­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le ver­wirk­licht, ist Mit­tä­ter im Sin­ne von § 25 Abs. 2 StGB, wer einen eige­nen Tat­bei­trag leis­tet und die­sen so in die Tat ein­fügt, dass er als Teil der Hand­lung eines ande­ren Betei­lig­ten und umge­kehrt des­sen Han­deln als Ergän­zung des eige­nen Tat­an­teils erscheint. Mit­tä­ter­schaft erfor­dert dabei zwar nicht zwin­gend eine Mit­wir­kung am Kern­ge­sche­hen selbst und auch kei­ne Anwe­sen­heit am Tat­ort; aus­rei­chen kann viel­mehr auch ein die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­der Bei­trag, der sich auf eine Vor­be­rei­tungs- oder Unter­stüt­zungs­hand­lung beschränkt. Stets muss sich die objek­tiv aus einem wesent­li­chen Tat­bei­trag bestehen­de Mit­wir­kung aber nach der Wil­lens­rich­tung des sich Betei­li­gen­den als Teil der Tätig­keit aller dar­stel­len. Ob danach Mit­tä­ter­schaft oder Bei­hil­fe anzu­neh­men ist, hat der Tatrich­ter auf­grund einer wer­ten­den Gesamt­be­trach­tung aller fest­ge­stell­ten Umstän­de zu prü­fen; maß­geb­li­che Kri­te­ri­en sind der Grad des eige­nen Inter­es­ses an der Tat, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und die Tat­herr­schaft oder wenigs­tens der Wil­le dazu, so dass die Durch­füh­rung und der Aus­gang der Tat maß­geb­lich auch vom Wil­len des Betref­fen­den abhän­gen2.

Nach die­sen Maß­stä­ben begeg­net die recht­li­che Ein­ord­nung der Betei­li­gung des Ange­klag­ten als Mit­tä­ter­schaft nur in den bei­den Fäl­len kei­nen durch­grei­fen­den recht­li­chen Beden­ken, in denen der Ange­klag­te Grund­stü­cke an den Mit­an­ge­klag­ten B. ver­mit­telt hat. Inso­weit hat der Ange­klag­te nicht nur die bei­den Anwe­sen für den Anbau zur Ver­fü­gung gestellt, son­dern auch wei­te­re gewich­ti­ge Tat­bei­trä­ge geleis­tet, indem er einen Elek­tri­ker ver­mit­tel­te, um die Strom­kos­ten für den Plan­ta­gen­be­trieb nied­rig zu hal­ten und für den Mit­an­ge­klag­ten B. die „Buch­füh­rung” über­nahm. Auch ver­füg­te er als Inha­ber und Ver­mie­ter der Gebäu­de jeweils über einen Schlüs­sel, was den Schluss auf das Vor­lie­gen von Tat­herr­schaft recht­fer­tigt.

Dem­ge­gen­über ist der fest­ge­stell­te Tat­bei­trag des Ange­klag­ten hin­sicht­lich der von dem Mit­an­ge­klag­ten H. betrie­be­nen Plan­ta­ge als Bei­hil­fe­hand­lung zu wer­ten. In die­sem Fall beschränk­te der Ange­klag­te sich dar­auf, dem Mit­an­ge­klag­ten ein Dar­le­hen für den von ihm ver­mit­tel­ten Ankauf einer Immo­bi­lie zu gewäh­ren. Eine wei­te­re Unter­stüt­zung bei der Anpflan­zung des Can­na­bis und des­sen ange­streb­ten Ver­trieb leis­te­te er nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Juni 2017 – 3 StR 58/​17

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 17.12 2014 – 3 StR 507/​14, StV 2015, 421, 422; vom 17.09.2013 – 3 StR 259/​13
  2. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 17.10.2002 – 3 StR 153/​02, NStZ 2003, 253, 254; Beschluss vom 02.07.2008 – 1 StR 174/​08, NStZ 2009, 25, 26