Hand­lungs­ein­heit bei Ein­fuhr und Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln

Beim Bun­des­ge­richts­hof steht der­zeit die Fra­ge zur Klä­rung an, wie weit eine Hand­lungs­ein­heit bei der Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln ange­nom­men wer­den kann.

Hand­lungs­ein­heit bei Ein­fuhr und Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln

Aus­gangs­punkt hier­für ist ein beim 4. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs anhän­gi­ges Revi­si­ons­ver­fah­ren, in dem der Ange­klag­te mehr­fach auf Kom­mis­si­ons­ba­sis Dro­gen bei sei­nem Lie­fe­ran­ten in den Nie­der­lan­den beschafft hat, wobei er die Bezah­lung der vor­an­ge­gan­ge­nen Lie­fe­rung aus Mit­teln sei­nes Ver­kaufs­er­lö­ses mit der Abho­lung der nächs­ten Lie­fe­rung ver­bun­den hat. Der 4. Straf­se­nat sieht dar­in eine ein­heit­li­che Hand­lung des Han­del­trei­bens in Tat­ein­heit mit Ein­fuhr und fragt beim 3. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs an, ob er an ihrer ent­ge­gen­ste­hen­den Recht­spre­chung 1 fest­hal­te. Der 2. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat nun an die­ser Sicht­wei­se des 4. Straf­se­nats Beden­ken ange­mel­det:

Der Anfra­ge­be­schluss des 4. Straf­se­nats

Der 4. Straf­se­nat beab­sich­tigt zu ent­schei­den, dass eine – infol­ge tat­ein­heit­li­cher Ver­knüp­fung meh­re­rer Bewer­tungs­ein­hei­ten – ein­heit­li­che Tat des uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge meh­re­re zu deren Ver­wirk­li­chung vor­ge­nom­me­ne Ein­fuh­ren von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge zu einer Tat der uner­laub­ten Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge ver­bin­det.

Die Annah­me von Tat­ein­heit kommt in Betracht, wenn meh­re­re Tat­be­stands­ver­wirk­li­chun­gen der­ge­stalt objek­tiv zusam­men­tref­fen, dass die Aus­füh­rungs­hand­lun­gen in einem für sämt­li­che Tat­be­stands­ver­wirk­li­chun­gen not­wen­di­gen Teil zumin­dest teil­wei­se iden­tisch sind. Dage­gen rei­chen ein ein­heit­li­ches Motiv, die Gleich­zei­tig­keit von Gesche­hens­ab­läu­fen, die Ver­fol­gung eines End­zwecks, eine Mit­tel­Zweck­Ver­knüp­fung oder eine Grund­Fol­ge­Be­zie­hung nicht aus, Tat­ein­heit zu begrün­den 2. Eine Tei­li­den­ti­tät der Tat­be­stands­ver­wirk­li­chun­gen ist hier gege­ben, weil die objek­ti­ven Aus­füh­rungs­hand­lun­gen der unmit­tel­bar auf­ein­an­der

fol­gen­den Umsatz­ge­schäf­te sich in den Beschaf­fungs­fahr­ten des Ange­klag­ten nach R. am 31.05.und 11.06.2012 teil­wei­se über­schnei­den.

Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln im Sin­ne des § 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BtMG ist jede eigen­nüt­zi­ge auf den Umsatz von Betäu­bungs­mit­teln gerich­te­te Tätig­keit 3, wobei ver­schie­de­ne Betä­ti­gun­gen, die auf die För­de­rung ein und des­sel­ben Güter­um­sat­zes abzie­len, eine tat­be­stand­li­che Bewer­tungs­ein­heit bil­den 4. Eine sol­che auf den gewinn­ori­en­tier­ten Umsatz von Betäu­bungs­mit­teln aus­ge­rich­te­te Tätig­keit liegt auch dar­in, dass sich der Zwi­schen­händ­ler zu der Ört­lich­keit begibt, an wel­cher er von sei­nem Lie­fe­ran­ten eine zuvor abge­spro­che­ne, zur gewinn­brin­gen­den Wei­ter­ver­äu­ße­rung bestimm­te Betäu­bungs­mit­tel­lie­fe­rung ver­ein­ba­rungs­ge­mäß über­neh­men soll 5. Das Auf­su­chen des Lie­fe­ran­ten zur Abho­lung einer bereits zuvor ver­ab­re­de­ten Lie­fe­rung zur Wei­ter­ver­äu­ße­rung vor­ge­se­he­ner Betäu­bungs­mit­tel ver­wirk­licht daher den Tat­be­stand des uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln.

Dem – weit aus­zu­le­gen­den 6 – Begriff des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln unter­fal­len aber nicht nur Hand­lun­gen, die unmit­tel­bar der Beschaf­fung und der Über­tra­gung von Betäu­bungs­mit­teln an Abneh­mer die­nen. Tat­be­stand­lich erfasst wer­den nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs viel­mehr auch dem eigent­li­chen Betäu­bungs­mit­tel­um­satz nach­fol­gen­de Zah­lungs­vor­gän­ge, ohne dass danach dif­fe­ren­ziert wird, ob der Han­deln­de auf

Sei­ten des Abneh­mers oder des Lie­fe­ran­ten tätig gewor­den ist 7. So hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits mehr­fach ent­schie­den, dass die Über­mitt­lung des für eine Betäu­bungs­mit­tel­lie­fe­rung zu ent­rich­ten­den Geld­be­tra­ges vom Abneh­mer zum Lie­fe­ran­ten zum Han­del gehört und den Tat­be­stand des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln erfüllt 8.

Im vor­lie­gen­den Fall dien­ten die Fahr­ten des Ange­klag­ten nach R. am 31.05.und 11.06.2012 jeweils sowohl der Über­mitt­lung des Gel­des für die vor­an­ge­gan­ge­ne als auch der Abho­lung der abge­spro­che­nen neu­er­li­chen Koka­in­lie­fe­rung. In die­sem Teil­akt über­schnei­den sich die objek­ti­ven Aus­füh­rungs­hand­lun­gen der jeweils unmit­tel­bar auf­ein­an­der fol­gen­den Umsatz­ge­schäf­te, was eine tat­ein­heit­li­che Ver­knüp­fung der drei auf die ein­zel­nen Han­dels­men­gen bezo­ge­nen tat­be­stand­li­chen Bewer­tungs­ein­hei­ten des Han­del­trei­bens im Wege der gleich­ar­ti­gen Ide­al­kon­kur­renz zu einer Tat des uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge zur Fol­ge hat 9.

Der 4. Straf­se­nat ist der Ansicht, dass die – infol­ge der tat­ein­heit­li­chen Ver­knüp­fung der drei Bewer­tungs­ein­hei­ten im Wege der gleich­ar­ti­gen Ide­al­kon­kur­renz – ein­heit­li­che Tat des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge die drei zu deren Ver­wirk­li­chung unter­nom­me­nen Ein­fuh­ren von Koka­in in nicht gerin­ger Men­ge zu einer Tat der uner­laub­ten Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge nach § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG ver­klam­mert.

Vor­aus­set­zung für die Annah­me von Tat­ein­heit durch Klam­mer­wir­kung ist, dass die Aus­füh­rungs­hand­lun­gen zwei­er an sich selb­stän­di­ger Delik­te zwar nicht mit­ein­an­der, wohl aber mit der Aus­füh­rungs­hand­lung eines drit­ten Tat­be­stan­des (teil)identisch sind und dass zwi­schen wenigs­tens einem der bei­den an sich selb­stän­di­gen Delik­te und dem sie ver­bin­den­den Delikt zumin­dest annä­hern­de Wert­gleich­heit besteht oder die ver­klam­mern­de Tat die schwers­te ist 10. Als Maß­stab hier­für dient die Abstu­fung der ein­zel­nen Delik­te nach ihrem Unrechts­ge­halt unter Ori­en­tie­rung an den Straf­rah­men, wobei der Wer­te­ver­gleich nicht nach einer abs­trakt­ge­ne­ra­li­sie­ren­den Betrach­tungs­wei­se, son­dern anhand der kon­kre­ten Gewich­tung der Taten vor­zu­neh­men ist 11.

Von die­sen Grund­sät­zen aus­ge­hend hat der Bun­des­ge­richts­hof – unbe­scha­det der Ein­stu­fung der Delik­te als Ver­ge­hen oder Ver­bre­chen – die­an­nä­hern­de Wert­gleich­heit eines beson­ders schwe­ren Falls des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln gemäß § 29 Abs. 3 Satz 2 Nr. 4 BtMG in der bis 21.09.1992 gel­ten­den alten Fas­sung mit einer Tat der uner­laub­ten Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge ange­nom­men 12. Auch der durch das Gesetz zur Bekämp­fung des ille­ga­len Rausch­gift­han­dels und ande­rer Erschei­nungs­for­men der orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät (Org­KG) vom 15.07.1992 13 geschaf­fe­ne Tat­be­stand des § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG ist im Ver­hält­nis zu § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG nicht als min­der schwe­re Tat ange­se­hen wor­den mit der Fol­ge, dass eine Ver­klam­me­rung meh­re­rer Ein­fuh­ren von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge durch eine jeweils tei­li­den­ti­sche Tat des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge bejaht wor­den ist 14.

Der 4. Straf­se­nat sieht kei­ne Ver­an­las­sung, von die­ser Recht­spre­chung abzu­wei­chen. Die Straf­tat­be­stän­de des § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG und des § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG wei­sen die glei­che Straf­rah­men­ober­gren­ze auf, die Straf­an­dro­hun­gen für min­der schwe­re Fäl­le gemäß § 29a Abs. 2, § 30 Abs. 2 BtMG sind iden­tisch. Die mit zwei Jah­ren gegen­über einem Jahr bei § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG höhe­re Min­dest­stra­fe des § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG hat zwar zur Fol­ge, dass die zum Zwe­cke des Han­del­trei­bens vor­ge­nom­me­ne uner­laub­te Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge – anders als im Rah­men des Grund­tat­be­stan­des des § 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BtMG bei Rausch­gift­men­gen unter dem Grenz­wert zur nicht gerin­gen Men­ge 15 – nicht als unselb­stän­di­ger Teil­akt im uner­laub­ten Han­del­trei­ben­mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge auf­geht, son­dern zu § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG in Tat­ein­heit steht 16. Durch die erhöh­te Min­dest­stra­fe wird aber – wie die zitier­te Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zeigt – die annä­hern­de Wert­gleich­heit im delik­ti­schen Unrechts­ge­halt der bei­den Tat­be­stän­de nicht in Fra­ge gestellt. Auch bei kon­kre­ter Betrach­tung erge­ben sich kei­ne Gesichts­punk­te dafür, dass der auf die gehan­del­te Gesamt­men­ge bezo­ge­ne Vor­wurf des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge sei­nem straf­recht­li­chen Unwert nach deut­lich hin­ter dem Unrechts­ge­halt der sich jeweils nur auf Teil­men­gen erstre­cken­den Ein­fuhr­ta­ten nach § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG zurück­bleibt. Da Bezugs­punkt für den Wer­te­ver­gleich die ein­heit­li­che Tat des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge in ihrer Gesamt­heit ist, kann das Ergeb­nis des Ver­gleichs schließ­lich nicht von den Umstän­den abhän­gen, die zu der tat­ein­heit­li­chen Ver­knüp­fung zu einer Tat des § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG geführt haben. Die­se Umstän­de sind für die hier in Rede ste­hen­de Ver­klam­me­rung viel­mehr ohne Bedeu­tung.

Der beab­sich­tig­ten Ent­schei­dung des 4. Straf­se­nats steht, soweit es die Ver­klam­me­rung der drei Ein­fuh­ren von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge durch die ein­heit­li­che Tat des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge zu einer Tat des § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG betrifft, der Beschluss des 3. Straf­se­nats vom 15.02.2011 17 ent­ge­gen. In die­ser Ent­schei­dung hat der 3. Straf­se­nat für den Fall einer tat­ein­heit­li­chen Ver­knüp­fung meh­re­rer Bewer­tungs­ein­hei­ten zu einer Tat des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge ohne nähe­re Aus­füh­run­gen ange­nom­men, dass das ein­heit­li­che Delikt des § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG nicht die Kraft hat, die nach Ansicht des 3. Straf­se­nats schwe­rer wie­gen­den Taten der uner­laub­ten Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge zu Tat­ein­heit zu ver­klam­mern.

Der 4. Straf­se­nat fragt daher gemäß § 132 Abs. 3 Satz 1 GVG bei dem 3. Straf­se­nat an, ob an der dem beschluss vom 15. Febru­ar 2011 18 inso­weit zugrun­de lie­gen­den Rechts­auf­fas­sung fest­ge­hal­ten wird.

Die Beden­ken des 2. Straf­se­nats

Der Annah­me des 2. Straf­se­nats steht die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des 4 Straf­se­nats, soweit ersicht­lich, nicht ent­ge­gen 19. Für den Fall des Zusam­men­tref­fens meh­re­rer Bei­hil­fe­hand­lun­gen zum Han­del­trei­ben mit ver­schie­de­nen Taten der Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln hat der Bun­des­ge­richts­hof durch Urteil vom 22.08.2012 – 2 StR 530/​11 20 ange­nom­men, dass dort kei­ne Ver­klam­me­rung der Ein­fuhr­de­lik­te durch fall­über­grei­fen­de Bei­hil­fe­hand­lun­gen zum Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln statt­fin­det. Ob das­sel­be auch bei einem Zusam­men­tref­fen von täter­schaft­li­chem Han­del­trei­ben mit Ein­fuhr mög­lich wäre, hat der Bun­des­ge­richts­hof offen gelas­sen.

Der 2. Straf­se­nat neigt zu der Ansicht, dass auf der Grund­la­ge des ohne­hin sehr weit aus­ge­leg­ten Begriffs des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln die Annah­me von Tat­ein­heit nicht noch wei­ter dahin aus­ge­dehnt wer­den soll­te, dass hier­durch auch meh­re­re selb­stän­di­ge Ein­fuhr­ak­te durch Annah­me eines ein­heit­li­chen Han­del­trei­bens ver­klam­mert wer­den.

Es bestehen bereits Beden­ken gegen die Annah­me, dass allein das zeit­li­che Zusam­men­tref­fen eines Bezah­lungs­vor­gangs in Bezug auf eine frü­he­re Dro­gen­be­schaf­fung mit der Abho­lung der nächs­ten Lie­fe­rung zu einer Bewer­tungs­ein­heit des Han­del­trei­bens führt 21.

Der 2. Straf­se­nat hat inso­weit bis­her vor allem dann Hand­lungs­ein­heit ange­nom­men, wenn ein ein­heit­li­cher Zah­lungs­vor­gang der Erbrin­gung einer Rest­zah­lung wegen der frü­he­ren Lie­fe­rung und zugleich der Teil­zah­lung des Prei­ses für die neue Lie­fe­rung dien­te, also zugleich ver­schie­de­ne Dro­gen­men­gen betraf 22, oder wenn ein (Rest) Kauf­preis mit neu­en Teil­men­gen von Dro­gen­lie­fe­run­gen "ver­rech­net" wur­de 23. Im Ein­zel­fall hat der 2. Straf­se­nat frei­lich aus dem zeit­li­chen Zusam­men­tref­fen der Zah­lung auf eine frü­he­re Dro­gen­lie­fe­rung mit der Über­nah­me der nächs­ten Lie­fe­rung auf Tat­ein­heit geschlos­sen 24.

Die Annah­me, dass Tat­ein­heit auch dann vor­lie­gen soll, wenn eine frü­he­re Dro­gen­lie­fe­rung bei der Abho­lung der nächs­ten Lie­fe­rung bezahlt wird, ist jedoch nicht zwin­gend. Nach der all­ge­mei­nen Regel, dass allein das zeit­li­che Zusam­men­tref­fen unter­scheid­ba­rer Tat­hand­lun­gen noch nicht zur Tat­ein­heit führt, son­dern erst die Tei­li­den­ti­tät der objek­ti­ven Aus­füh­rungs­hand­lun­gen 25, könn­te auch das auf einem selb­stän­di­gen Ent­schluss beru­hen­de Han­del­trei­ben mit ver­schie­de­nen Dro­gen­lie­fe­run­gen, von denen nur gleich­zei­tig eine bezahlt und eine ande­re ent­ge­gen­ge­nom­men wird, als Tat­mehr­heit bewer­tet wer­den. Dafür spricht zumin­dest ein Teil der Grün­de, die zur Auf­ga­be der Figur der fort­ge­setz­ten Hand­lung geführt haben 26.

Jeden­falls dann, wenn durch die Annah­me einer Bewer­tungs­ein­heit des Han­del­trei­bens auch eine Mehr­zahl von auf selb­stän­di­gen Tatent­schlüs­sen beru­hen­de Ein­fuhr­hand­lun­gen mit ver­schie­de­nen Dro­gen­men­gen ins­ge­samt zu einer Tat im Rechts­sinn ver­klam­mert wür­de, wür­de dies nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs zu einer zu weit gehen­den Ver­bin­dung selb­stän­di­ger Hand­lun­gen im straf­recht­li­chen Sinn füh­ren und den Begriff der Hand­lungs­ein­heit noch über den der frü­he­ren soge­nann­ten fort­ge­setz­ten Hand­lung hin­aus aus­deh­nen. Hier­für bestehen weder eine recht­li­che Grund­la­ge noch ein prak­ti­sches Bedürf­nis.

Bun­des­ge­richts­hof (4. Straf­se­nat), Beschluss vom 31. Juli 2013 – 4 StR 223/​13;
Bun­des­ge­richts­hof (2. Straf­se­nat), Beschluss vom 24. Okto­ber 2013 – 2 ARs 319/​13

  1. BGH, Beschluss vom 15.02.2011 – 3 StR 3/​11[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 25. Novem- ber 1997 – 5 StR 526/​96, BGHSt 43, 317, 319; Urteil vom 16.07.2009 – 3 StR 148/​09, NStZ 2011, 97; vgl. Ris­sing­van Saan in LK, 12. Aufl., § 52 Rn.20 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2005 – GSSt 1/​05, BGHSt 50, 252, 256 mwN[]
  4. vgl. Weber, BtMG, 4. Aufl., vor §§ 29 ff. Rn. 562 ff. mwN[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 16.09.1997 – 1 StR 472/​97; Urteil vom 20.08.1991 – 1 StR 273/​91, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 28; Weber, aaO, § 29 Rn. 442[]
  6. BGH, Beschluss vom 26.10.2005 – 1 GSSt 1/​05, aaO, 262[]
  7. vgl. Urtei­le vom 07.02.2008 – 5 StR 242/​07, NStZ 2008, 465; vom 17.07.1997 – 1 StR 791/​96, BGHSt 43, 158, 162; vgl. auch BGH, Beschlüs­se vom 02.10.2002 – 2 StR 294/​02; vom 23.05.2007 – 2 StR 569/​06, NStZ 2008, 42, 43; vom 27.06.2008 – 3 StR 212/​08, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Kon­kur­ren­zen 7[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 20.03.1985 – 2 StR 861/​84; Beschluss vom 05.11.1991 – 1 StR 361/​91, StV 1992, 161; Urteil vom 11.07.1995 – 1 StR 189/​95, StV 1995, 641; Beschlüs­se vom 17.05.1996 – 5 StR 119/​96, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 50; vom 21.05.1999 – 2 StR 154/​99, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 52; Urteil vom 07.02.2008 – 5 StR 242/​07, aaO[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 25.04.2013 – 4 StR 418/​12, Rn. 6; Beschluss vom 22.01.2010 – 2 StR 563/​09, NStZ 2011, 97; offen gelas­sen im Beschluss vom 15.02.2011 – 3 StR 3/​11[]
  10. st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 13.12 2012 – 4 StR 99/​12, NStZ-RR 2013, 147, 149 mwN; Beschluss vom 11.01.2012 – 1 StR 386/​11, wis­tra 2012, 310; Ris­sing­van Saan, aaO, § 52 Rn. 28 ff.[]
  11. vgl. BGH, Urteil vom 13.12 2012 – 4 StR 99/​12, aaO; Beschlüs­se vom 19.04.2011 – 3 StR 230/​10, NStZ 2011, 577, 578; vom 02.12 2008 – 3 StR 203/​08, NStZ 2009, 692, 693; Urteil vom 18.07.1984 – 2 StR 322/​84, BGHSt 33, 4, 6 ff.[]
  12. vgl. BGH, Urteil vom 18.07.1984 – 2 StR 322/​84, aaO[]
  13. BGBl. – I S. 1302[]
  14. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 05.11.1993 – 2 StR 534/​93, NStZ 1994, 135; vom 22.10.1996 – 1 StR 548/​96, StV 1997, 471; Urteil vom 13.12 2012 – 4 StR 99/​12, aaO[]
  15. vgl. BGH, Beschluss vom 10.05.2005 – 3 StR 133/​05, NStZ 2006, 172, 173; Weber, aaO, § 29 Rn. 984[]
  16. vgl. BGH, Beschluss vom 07.11.2007 – 1 StR 366/​07, NStZ-RR 2008, 88; Urteil vom 24.02.1994 – 4 StR 708/​93, BGHSt 40, 73, 74 f.[]
  17. BGH, Beschluss vom 15.032.2011 – 3 StR 3/​11[]
  18. BGH, Beschluss vom 15.02.2011 – 3 StR 3/​11[]
  19. vgl. zum Zusam­men­tref­fen von Han­del­trei­ben mit Ein­fuhr BGH, Urteil vom 18.07.1984 – 2 StR 322/​84, BGHSt 33, 4, 6, dort aller­dings noch unter Annah­me einer fort­ge­setz­ten Hand­lung des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln[]
  20. BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Kon­kur­ren­zen 13[]
  21. krit. auch BGH, Beschluss vom 15.02.2011 – 3 StR 3/​11; anders aber BGH, Urteil vom 25.04.2013 – 4 StR 418/​12, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Kon­kur­ren­zen 14[]
  22. vgl. BGH, Beschluss vom 02.10.2002 – 2 StR 294/​02, inso­weit in NStZ-RR 2003, 75, nicht abge­druckt, und Beschluss vom 17.10.2007 – 2 StR 376/​07[]
  23. vgl. BGH, Beschluss vom 11.08.2004 – 2 StR 184/​04[]
  24. vgl. BGH, Beschluss vom 22.01.2010 – 2 StR 563/​09, StV 2010, 684 f.[]
  25. vgl. LK/​Rissingvan Saan, StGB, 12. Aufl., § 52 Rn.20[]
  26. vgl. BGH, Beschluss vom 03.05.1994 – GSSt 2 und 3/​93, BGHSt 40, 138, 146 ff.[]