Die in der Haupt­ver­hand­lung auge­bau­ten Span­nun­gen zwi­schen Rich­ter und Ver­tei­di­ger

Span­nun­gen zwi­schen Rich­ter und Ver­tei­di­ger, die erst im Ver­fah­ren ent­stan­den sind, begrün­den in aller Regel nicht die Besorg­nis der Befan­gen­heit 1.

Die in der Haupt­ver­hand­lung auge­bau­ten Span­nun­gen zwi­schen Rich­ter und Ver­tei­di­ger

So lag es auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall: Wie das Land­ge­richt in dem das Befan­gen­heits­ge­such zurück­wei­sen­den Beschluss 2017 sach­lich und recht­lich zutref­fend aus­ge­führt hat, liegt die Besorg­nis einer Befan­gen­heit des Vor­sit­zen­den des Schwur­ge­richts nicht vor. Zwar hat der Vor­sit­zen­de dem Ver­tei­di­ger eine "selek­ti­ve Wahr­neh­mung" vor­ge­hal­ten und eine von ihm gestell­te Zwi­schen­fra­ge als "unver­schämt" bezeich­net. Vor dem Hin­ter­grund des jeweils vor­an­ge­gan­ge­nen, in dem Zurück­wei­sungs­be­schluss aus­führ­lich dar­ge­leg­ten Pro­zess­ver­hal­tens des Ver­tei­di­gers erwei­sen sich die­se Reak­tio­nen des Vor­sit­zen­den aber nicht als in hohem Maße rechts­feh­ler­haft, unan­ge­mes­sen oder sonst unsach­lich 2.

Die wie­der­hol­ten Ermah­nun­gen des Vor­sit­zen­den, der Ver­tei­di­ger möge bei der Aus­übung sei­nes Erklä­rungs­rechts nach § 257 Abs. 2 StPO den Schluss­vor­trag nicht vor­weg­neh­men, beru­hen auf Absatz 3 der Vor­schrift; sie waren zudem, wie das Land­ge­richt eben­falls zutref­fend dar­ge­legt hat, sach­lich berech­tigt. Auch in der Gesamt­schau liegt nach der tat­säch­li­chen Wür­di­gung des Bun­des­ge­richts­hofs 3 kein Grund vor, der vom Stand­punkt eines ver­nünf­ti­gen Ange­klag­ten die Besorg­nis begrün­den könn­te, der Vor­sit­zen­de neh­me ihm gegen­über eine vor­ein­ge­nom­me­ne Hal­tung ein.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. August 2018 – 4 StR 138/​18

  1. BGH, Beschluss vom 04.03.1993 – 1 StR 895/​92, StV 1993, 339; Urteil vom 05.04.1995 – 5 StR 681/​94, StV 1995, 396[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.08.2008 – 5 StR 336/​08; vom 12.02.2013 – 2 StR 536/​12; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 61. Aufl., § 24 Rn. 17 f. mwN[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 18.10.2012 – 3 StR 208/​12[]