Haupt­ver­hand­lung – und die Urkunds­be­am­tin

Eine Jus­tiz­an­ge­stell­te kann mit den Auf­ga­ben einer Urkunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le im Sin­ne des § 153 Abs. 5 Satz 1 GVG betraut wer­den.

Haupt­ver­hand­lung – und die Urkunds­be­am­tin

Eine sol­che kann wirk­sam auch form­los erfol­gen, ins­be­son­de­re münd­lich aus­ge­spro­chen wer­den.

Bei § 9 Abs. 1 Satz 2 der Geschäfts­ord­nungs­vor­schrif­ten Nie­der­sach­sen, wonach die Ent­schei­dung über den Ein­satz von Ange­stell­ten schrift­lich zu tref­fen ist, han­delt es sich ledig­lich um eine der Rechts­klar­heit die­nen­de Ord­nungs­vor­schrift 1.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall war die Jus­tiz­an­ge­stell­te H. seit ihrem Wech­sel zum Land­ge­richt Göt­tin­gen im Juni 2014 in einer Ser­vice­ein­heit für Straf­sa­chen ein­ge­setzt wor­den. Zuvor war ihr bei ihrem Dienst­an­tritt von der Geschäfts­lei­te­rin in einem per­sön­li­chen Gespräch mit­ge­teilt wor­den, dass zu ihrem Auf­ga­ben­ge­biet auch die Pro­to­koll­füh­rung in Haupt­ver­hand­lun­gen gehö­re. Dem­entspre­chend wur­de die Jus­tiz­an­ge­stell­te H. , die zuvor schon an einem Amts­ge­richt als Urkunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le Pro­to­koll in Straf­sa­chen geführt hat­te und deren Befä­hi­gung und Kom­pe­tenz auf die­sem Auf­ga­ben­ge­biet für die Geschäfts­lei­te­rin kei­nem Zwei­fel unter­la­gen, nach­fol­gend in die Beson­der­hei­ten der Pro­to­koll­füh­rung in Straf­ver­fah­ren beim Land­ge­richt ein­ge­führt.

Da die Jus­tiz­an­ge­stell­te H. mit ihrer durch die Geschäfts­lei­te­rin erfolg­ten münd­li­chen Über­tra­gung des Sach­ge­biets der Pro­to­koll­füh­rung inso­weit bereits mit den Auf­ga­ben einer Urkunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le betraut wor­den war, bedurf­te die Wirk­sam­keit die­ses Wil­lens­ak­tes der Gerichts­ver­wal­tung kei­ner wei­te­ren schrift­förm­li­chen Erklä­rung oder Bekräf­ti­gung mehr. Für die wirk­sa­me Über­tra­gung der Auf­ga­ben einer Urkunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le spiel­te es des­halb kei­ne Rol­le, ob – wie die Geschäfts­lei­te­rin des Land­ge­richts mein­te – eine schrift­li­che Ver­fü­gung aus dem Jah­re 2007, mit der die Jus­tiz­an­ge­stell­te H. ursprüng­lich beim Sozi­al­ge­richt Hil­des­heim für Sit­zun­gen der dor­ti­gen Kam­mern zur Pro­to­koll­füh­re­rin bestellt und inso­weit mit den Auf­ga­ben einer Urkunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le betraut wor­den war, in förm­li­cher Hin­sicht auch für die ordent­li­che Gerichts­bar­keit fort­gel­ten wür­de. Die nach­träg­lich mit Schrei­ben der Geschäfts­lei­te­rin vom 06.10.2016 "vor­sorg­lich (…) noch ein­mal aus­drück­lich" erklär­te Über­tra­gung der Auf­ga­ben einer Urkunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le hat­te mit­hin nur dekla­ra­to­ri­sche Bedeu­tung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Janu­ar 2017 – 5 StR 535/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 10.12 2014 – 3 StR 489/​14, NStZ 2015, 473, 474 mwN[]