Heimtücke – offen und feindselig gegenübergetreten

Heimtückisch handelt, wer in feindlicher Willensrichtung die Arg- und Wehrlosigkeit des Tatopfers bewusst zur Tötung ausnutzt. Wesentlich ist, dass der Mörder sein Opfer, das keinen Angriff erwartet, also arglos ist, in einer hilflosen Lage überrascht und dadurch daran hindert, dem Anschlag auf sein Leben zu begegnen oder ihn wenigstens zu erschweren1.

Heimtücke – offen und feindselig gegenübergetreten

Heimtückisches Handeln erfordert jedoch kein „heimliches“ Vorgehen.

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann das Opfer auch dann arglos sein, wenn der Täter ihm zwar offen feindselig entgegentritt, die Zeitspanne zwischen dem Erkennen der Gefahr und dem unmittelbaren Angriff aber so kurz ist, dass keine Möglichkeit bleibt, dem Angriff irgendwie zu begegnen2.

Maßgebend für die Beurteilung ist die Lage bei Beginn des ersten mit Tötungsvorsatz geführten Angriffs. Abwehrversuche, die das durch einen überraschenden Angriff in seinen Verteidigungsmöglichkeiten behinderte Opfer im letzten Moment unternommen hat, stehen der Heimtücke daher nicht entgegen3.

Nach diesen Maßstäben kann zur Verneinung der Heimtücke nicht allein darauf abgestellt werden, dass die Täter dem später Getöteten offen und feindselig gegenübergetreten sind.

Vielmehr ist zu prüfen, ob der später Getötete, als er auf die Täter zuging und danach mit ihnen zusammentraf, die Gefahr so rechtzeitig erkannte, dass er noch Zeit gehabt hätte, sie abzuwehren oder sich ihrer zu entziehen.

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Darüber hinaus reicht für das Verneinen eines Ausnutzungsbewusstseins, weil die Täter nicht davon ausgegangen seien, mit ihrem von Tötungsvorsatz getragenen Angriff einen arglosen Menschen zu überraschen, die Feststellung nicht aus, dass die Täter dem später Getöteten offen gegenübertraten. Um ein Ausnutzungsbewusstsein zu verneinen, bedarf es noch der weiteren Feststellung, dass sie eine mögliche hilflose Lage ihres Opfers nicht erkannten.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 3. September 2015 – 3 StR 242/15

  1. st. Rspr.; BGH, Urteile vom 04.07.1984 – 3 StR 199/84, BGHSt 32, 382, 383 f.; vom 20.10.1993 – 5 StR 473/93, BGHSt 39, 353, 368; Beschluss vom 30.10.1996 – 2 StR 405/96, StV 1998, 544[]
  2. BGH, Beschlüsse vom 13.07.2005 – 2 StR 236/05, NStZ-RR 2005, 309; vom 27.06.2006 – 1 StR 113/06, NStZ 2006, 502, 503; vom 16.02.2012 – 3 StR 346/11, NStZ 2012, 245 nur []
  3. BGH, Urteile vom 03.09.2002 – 5 StR 139/02, NStZ 2003, 146, 147; vom 22.08.1995 – 1 StR 393/95, NJW 1996, 471; vom 21.01.1970 – 3 StR 182/69 6[]