Heim­tü­cke – offen und feind­se­lig gegen­über­ge­tre­ten

Heim­tü­ckisch han­delt, wer in feind­li­cher Wil­lens­rich­tung die Arg- und Wehr­lo­sig­keit des Tat­op­fers bewusst zur Tötung aus­nutzt. Wesent­lich ist, dass der Mör­der sein Opfer, das kei­nen Angriff erwar­tet, also arg­los ist, in einer hilf­lo­sen Lage über­rascht und dadurch dar­an hin­dert, dem Anschlag auf sein Leben zu begeg­nen oder ihn wenigs­tens zu erschwe­ren [1].

Heim­tü­cke – offen und feind­se­lig gegen­über­ge­tre­ten

Heim­tü­cki­sches Han­deln erfor­dert jedoch kein „heim­li­ches“ Vor­ge­hen.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann das Opfer auch dann arg­los sein, wenn der Täter ihm zwar offen feind­se­lig ent­ge­gen­tritt, die Zeit­span­ne zwi­schen dem Erken­nen der Gefahr und dem unmit­tel­ba­ren Angriff aber so kurz ist, dass kei­ne Mög­lich­keit bleibt, dem Angriff irgend­wie zu begeg­nen [2].

Maß­ge­bend für die Beur­tei­lung ist die Lage bei Beginn des ers­ten mit Tötungs­vor­satz geführ­ten Angriffs. Abwehr­ver­su­che, die das durch einen über­ra­schen­den Angriff in sei­nen Ver­tei­di­gungs­mög­lich­kei­ten behin­der­te Opfer im letz­ten Moment unter­nom­men hat, ste­hen der Heim­tü­cke daher nicht ent­ge­gen [3].

Nach die­sen Maß­stä­ben kann zur Ver­nei­nung der Heim­tü­cke nicht allein dar­auf abge­stellt wer­den, dass die Täter dem spä­ter Getö­te­ten offen und feind­se­lig gegen­über­ge­tre­ten sind.

Viel­mehr ist zu prü­fen, ob der spä­ter Getö­te­te, als er auf die Täter zuging und danach mit ihnen zusam­men­traf, die Gefahr so recht­zei­tig erkann­te, dass er noch Zeit gehabt hät­te, sie abzu­weh­ren oder sich ihrer zu ent­zie­hen.

Dar­über hin­aus reicht für das Ver­nei­nen eines Aus­nut­zungs­be­wusst­seins, weil die Täter nicht davon aus­ge­gan­gen sei­en, mit ihrem von Tötungs­vor­satz getra­ge­nen Angriff einen arg­lo­sen Men­schen zu über­ra­schen, die Fest­stel­lung nicht aus, dass die Täter dem spä­ter Getö­te­ten offen gegen­über­tra­ten. Um ein Aus­nut­zungs­be­wusst­sein zu ver­nei­nen, bedarf es noch der wei­te­ren Fest­stel­lung, dass sie eine mög­li­che hilf­lo­se Lage ihres Opfers nicht erkann­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Sep­tem­ber 2015 – 3 StR 242/​15

  1. st. Rspr.; BGH, Urtei­le vom 04.07.1984 – 3 StR 199/​84, BGHSt 32, 382, 383 f.; vom 20.10.1993 – 5 StR 473/​93, BGHSt 39, 353, 368; Beschluss vom 30.10.1996 – 2 StR 405/​96, StV 1998, 544[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 13.07.2005 – 2 StR 236/​05, NStZ-RR 2005, 309; vom 27.06.2006 – 1 StR 113/​06, NStZ 2006, 502, 503; vom 16.02.2012 – 3 StR 346/​11, NStZ 2012, 245 nur []
  3. BGH, Urtei­le vom 03.09.2002 – 5 StR 139/​02, NStZ 2003, 146, 147; vom 22.08.1995 – 1 StR 393/​95, NJW 1996, 471; vom 21.01.1970 – 3 StR 182/​69 6[]