Heimtücke – und der Überraschungsangriff

Heimtückisch handelt, wer in feindseliger Willensrichtung die Arg- und Wehrlosigkeit des Tatopfers bewusst zur Tötung ausnutzt. Wesentlich ist, dass der Mörder sein Opfer, das keinen Angriff erwartet, also arglos ist, in einer hilflosen Lage überrascht und dadurch daran hindert, dem Anschlag auf sein Leben zu begegnen oder ihn wenigstens zu erschweren. Maßgebend für die Beurteilung ist die Lage bei Beginn des ersten mit Tötungsvorsatz geführten Angriffs1.

Heimtücke – und der Überraschungsangriff

Für das bewusste Ausnutzen von Arg- und Wehrlosigkeit ist es erforderlich, dass der Täter diese in ihrer Bedeutung für die hilflose Lage des Angegriffenen und die Ausführung der Tat in dem Sinne erfasst, dass er sich bewusst ist, einen durch seine Ahnungslosigkeit gegenüber einem Angriff schutzlosen Menschen zu überraschen2.

Die Rechtsprechung hat den Grundsatz, dass Heimtücke Arglosigkeit des Angegriffenen bei Tatbeginn voraussetzt, für einzelne typische Ausnahmefälle modifiziert3. Ein solcher Ausnahmefall liegt etwa vor, wenn der Täter das Opfer mit Tötungsvorsatz planmäßig in einen Hinterhalt lockt, um eine günstige Gelegenheit zur Tötung zu schaffen, und die entsprechenden Vorkehrungen und Maßnahmen bei Ausführung der Tat noch fortwirken4.

Auch in den Fällen, in denen der Täter das Opfer in eine Falle lockt, hat die Rechtsprechung stets daran festgehalten, dass der Täter bereits in diesem Moment mit Tötungsvorsatz handelt5.

Weiterlesen:
Bedingter Tötungsvorsatz - und der anschließende Verdeckungsmord

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 6. November 2014 – 4 StR 416/14

  1. st. Rspr.; vgl. u.a. BGH, Urteil vom 27.06.2006 – 1 StR 113/06, NStZ 2006, 502 mwN[]
  2. vgl. hierzu zuletzt BGH, Urteil vom 31.07.2014 – 4 StR 147/14[]
  3. vgl. BGH, Urteile vom 17.01.1968 – 2 StR 523/67, BGHSt 22, 77, 79 f.; und vom 04.07.1984 – 3 StR 199/84, BGHSt 32, 382, 385 f.; Beschluss vom 04.06.2013 – 4 StR 180/13[]
  4. BGH, Urteil vom 17.01.1968, aaO; Beschluss vom 07.04.1989 – 3 StR 83/89, NStZ 1989, 364; Urteile vom 14.06.1960 – 1 StR 73/60; und vom 09.12 1980 – 1 StR 620/80[]
  5. BGH, Urteile vom 04.07.1984 – 3 StR 199/84, BGHSt 32, 382, 384; vom 11.03.2003 – 1 StR 507/02 [Rn. 32]; und vom 10.02.2010 – 2 StR 503/09, NStZ 2010, 450[]