Heim­tü­cke – und der Über­ra­schungs­an­griff

Heim­tü­ckisch han­delt, wer in feind­se­li­ger Wil­lens­rich­tung die Arg- und Wehr­lo­sig­keit des Tat­op­fers bewusst zur Tötung aus­nutzt. Wesent­lich ist, dass der Mör­der sein Opfer, das kei­nen Angriff erwar­tet, also arg­los ist, in einer hilf­lo­sen Lage über­rascht und dadurch dar­an hin­dert, dem Anschlag auf sein Leben zu begeg­nen oder ihn wenigs­tens zu erschwe­ren. Maß­ge­bend für die Beur­tei­lung ist die Lage bei Beginn des ers­ten mit Tötungs­vor­satz geführ­ten Angriffs [1].

Heim­tü­cke – und der Über­ra­schungs­an­griff

Für das bewuss­te Aus­nut­zen von Arg- und Wehr­lo­sig­keit ist es erfor­der­lich, dass der Täter die­se in ihrer Bedeu­tung für die hilf­lo­se Lage des Ange­grif­fe­nen und die Aus­füh­rung der Tat in dem Sin­ne erfasst, dass er sich bewusst ist, einen durch sei­ne Ahnungs­lo­sig­keit gegen­über einem Angriff schutz­lo­sen Men­schen zu über­ra­schen [2].

Die Recht­spre­chung hat den Grund­satz, dass Heim­tü­cke Arg­lo­sig­keit des Ange­grif­fe­nen bei Tat­be­ginn vor­aus­setzt, für ein­zel­ne typi­sche Aus­nah­me­fäl­le modi­fi­ziert [3]. Ein sol­cher Aus­nah­me­fall liegt etwa vor, wenn der Täter das Opfer mit Tötungs­vor­satz plan­mä­ßig in einen Hin­ter­halt lockt, um eine güns­ti­ge Gele­gen­heit zur Tötung zu schaf­fen, und die ent­spre­chen­den Vor­keh­run­gen und Maß­nah­men bei Aus­füh­rung der Tat noch fort­wir­ken [4].

Auch in den Fäl­len, in denen der Täter das Opfer in eine Fal­le lockt, hat die Recht­spre­chung stets dar­an fest­ge­hal­ten, dass der Täter bereits in die­sem Moment mit Tötungs­vor­satz han­delt [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Novem­ber 2014 – 4 StR 416/​14

  1. st. Rspr.; vgl. u.a. BGH, Urteil vom 27.06.2006 – 1 StR 113/​06, NStZ 2006, 502 mwN[]
  2. vgl. hier­zu zuletzt BGH, Urteil vom 31.07.2014 – 4 StR 147/​14[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 17.01.1968 – 2 StR 523/​67, BGHSt 22, 77, 79 f.; und vom 04.07.1984 – 3 StR 199/​84, BGHSt 32, 382, 385 f.; Beschluss vom 04.06.2013 – 4 StR 180/​13[]
  4. BGH, Urteil vom 17.01.1968, aaO; Beschluss vom 07.04.1989 – 3 StR 83/​89, NStZ 1989, 364; Urtei­le vom 14.06.1960 – 1 StR 73/​60; und vom 09.12 1980 – 1 StR 620/​80[]
  5. BGH, Urtei­le vom 04.07.1984 – 3 StR 199/​84, BGHSt 32, 382, 384; vom 11.03.2003 – 1 StR 507/​02 [Rn. 32]; und vom 10.02.2010 – 2 StR 503/​09, NStZ 2010, 450[]