Heim­tü­cke – und die Arg­lo­sig­keit des Opfers

Heim­tü­ckisch han­delt, wer in feind­li­cher Wil­lens­rich­tung bei Beginn des mit Tötungs­vor­satz geführ­ten Angriffs die Argund Wehr­lo­sig­keit des Tat­op­fers bewusst zur Tötung aus­nutzt 1.

Heim­tü­cke – und die Arg­lo­sig­keit des Opfers

Auch eine auf feind­se­li­ger Atmo­sphä­re beru­hen­de laten­te Angst des Opfers muss der Annah­me von Arg­lo­sig­keit nicht ent­ge­gen­ste­hen, da es dar­auf ankommt, ob es gera­de im Tat­zeit­punkt mit Angrif­fen auf sein Leben bzw. schwe­ren oder doch erheb­li­chen Angrif­fen gegen sei­ne kör­per­li­che Unver­sehrt­heit rech­net 2.

Im hier ent­schie­de­nen Fall kam noch hin­zu: Der Ableh­nung des Aus­nut­zungs­be­wusst­seins liegt eben­falls eine lücken­haf­te Beweis­wür­di­gung zugrun­de. Für ihre Annah­me, es habe sich um eine Spon­tan­tat gehan­delt, hat sich das Land­ge­richt ganz wesent­lich auf die Ein­las­sung des Ange­klag­ten gestützt, ohne die­se aller­dings aus­rei­chend zu wür­di­gen. Ent­las­ten­de Anga­ben des Ange­klag­ten, für deren Rich­tig­keit oder Unrich­tig­keit es kei­ne Bewei­se gibt, darf das Tat­ge­richt nicht ohne wei­te­res als unwi­der­legt hin­neh­men. Es muss sich viel­mehr auf der Grund­la­ge des gesam­ten Beweis­ergeb­nis­ses ent­schei­den, ob die­se Anga­ben geeig­net sind, sei­ne Über­zeu­gungs­bil­dung zu beein­flus­sen 3. Uner­ör­tert bleibt in die­sem Zusam­men­hang die auf der Hand lie­gen­de Fra­ge, wes­halb der Ange­klag­te über­haupt ein gro­ßes Küchen­mes­ser aus der Küche mit ins Schlaf­zim­mer genom­men hat und ob die­ser Umstand nicht sei­ner Ein­las­sung zu einer Spon­tan­tat ent­ge­gen­steht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. April 2019 – 5 StR 25/​19

  1. vgl. BGH, Urteil vom 15.11.2017 – 5 StR 338/​17, NStZ 2018, 97 mwN[]
  2. vgl. BGH, aaO; Urteil vom 11.11.2015 – 5 StR 259/​15, NStZ-RR 2016, 72, je mwN[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 24.10.2002 – 5 StR 600/​01, BGHSt 48, 52, 71; vom 28.01.2009 – 2 StR 531/​08, NStZ 2009, 285; und vom 16.12 2015 – 1 StR 423/​15[]