Heimtücke – und die Augenblickstat

Für das im Rahmen des Heimtückemerkmals des § 211 Abs. 2 StGB erforderliche bewusste Ausnutzen der Arg- und Wehrlosigkeit genügt es, dass der Täter diese in ihrer Bedeutung für die Lage des Angegriffenen und die Ausführung der Tat in dem Sinne erfasst, dass er sich bewusst ist, einen durch seine Ahnungslosigkeit gegenüber einem Angriff schutzlosen Menschen zu überraschen1.

Heimtücke – und die Augenblickstat

Das gilt in objektiv klaren Fällen bei einem psychisch normal disponierten Täter selbst dann, wenn er die Tat einer raschen Eingebung folgend begangen hat2.

Anders kann es jedoch bei „Augenblickstaten“, insbesondere bei affektiven Durchbrüchen oder sonstigen heftigen Gemütsbewegungen sein3; auch kann die Spontanität des Tatentschlusses im Zusammenhang mit der Vorgeschichte der Tat und dem psychischen Zustand des Täters ein Beweisanzeichen dafür sein, dass ihm das Ausnutzungsbewusstsein gefehlt hat4.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 29. Januar 2015 – 4 StR 433/14

  1. BGH, Urteile vom 31.07.2014 – 4 StR 147/14, NStZ 2015, 30, 31; vom 12.02.2009 – 4 StR 529/08, NStZ 2009, 264; vom 11.12 2012 – 5 StR 438/12, NStZ 2013, 232, 233[↩]
  2. BGH, Urteil vom 31.07.2014 – 4 StR 147/14, NStZ 2015, 30, 31 mwN[↩]
  3. BGH, Urteile vom 31.07.2014, aaO; vom 17.09.2008 – 5 StR 189/08, NStZ 2009, 30, 31[↩]
  4. BGH, Urteil vom 31.07.2014, aaO; Urteil vom 11.12 2012 – 5 StR 438/12, NStZ 2013, 232, 233 mwN[↩]