Heimtücke – und die latente Angst des Opfers

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs steht eine auf früheren Aggressionen und einer feindseligen Atmosphäre beruhende latente Angst des Opfers der Annahme von Arglosigkeit nicht entgegen; es kommt vielmehr darauf an, ob das Opfer gerade im Tatzeitpunkt mit Angriffen auf sein Leben gerechnet hat1.

Heimtücke – und die latente Angst des Opfers

Ferner kann bei einem zunächst in Körperverletzungsabsicht geführten Angriff Arglosigkeit bejaht werden, wenn der ursprüngliche Verletzungswille des Täters so schnell in einen Tötungsvorsatz umschlägt, dass der Überraschungseffekt bei Beginn der eigentlichen Tötungshandlung noch andauert2.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 11. November 2015 – 5 StR 259/15

  1. vgl. etwa BGH, Urteile vom 20.10.1993 – 5 StR 473/93, BGHSt 39, 353, 368 f.; vom 23.08.2000 – 3 StR 234/00, NStZ-RR 2001, 14; vom 09.09.2003 – 5 StR 126/03, NStZ-RR 2004, 14, 15 f.; vom 30.08.2012 – 4 StR 84/12, NStZ 2013, 337, 338[]
  2. st. Rspr., vgl. etwa BGH, Urteil vom 27.06.2006 – 1 StR 113/06, NStZ 2006, 502, 503 mwN[]