Heim­tü­cke­mord des Ex-Partners

Heim­tü­ckisch han­delt, wer in feind­li­cher Wil­lens­rich­tung bei Beginn des mit Tötungs­vor­satz geführ­ten Angriffs die Arg- und Wehr­lo­sig­keit des Tat­op­fers bewusst zur Tötung ausnutzt.

Heim­tü­cke­mord des Ex-Partners

Wesent­lich ist danach, dass der Täter das sich kei­nes erheb­li­chen Angriffs ver­se­hen­de, mit­hin arg­lo­se Opfer in einer hilf­lo­sen Lage über­rascht und es dadurch dar­an hin­dert, dem Anschlag auf sein Leben zu begeg­nen oder ihn wenigs­tens zu erschweren.

Bei einem offen feind­se­li­gen Angriff ist erfor­der­lich, dass dem Opfer wegen der kur­zen Zeit­span­ne zwi­schen Erken­nen der Gefahr und unmit­tel­ba­rem Angriff kei­ne Mög­lich­keit der Abwehr ver­blie­ben ist1.

Auf die zuvor bereits eska­lie­rend ver­lau­fe­nen Aus­ein­an­der­set­zun­gen seit der Tren­nung von Täter und Opfer abzu­stel­len, ist nach dem für die Prü­fung des Mord­merk­mals der Heim­tü­cke anzu­le­gen­den recht­li­chen Maß­stab kein ent­schei­den­der Gesichtspunkt:

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs steht eine auf frü­he­ren Aggres­sio­nen und einer feind­se­li­gen Atom­sphä­re beru­hen­de laten­te Angst des Opfers der Annah­me von Arg­lo­sig­keit nicht ent­ge­gen, da es dar­auf ankommt, ob das Opfer gera­de im Tat­zeit­punkt weder mit einem lebens­be­droh­li­chen noch mit einem (nur) gegen sei­ne kör­per­li­che Unver­sehrt­heit gerich­te­ten (erheb­li­chen) Angriff gerech­net hat2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. August 2018 – 4 StR 162/​18

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 04.07.1984 – 3 StR 199/​84, BGHSt 32, 382, 383 f.; vom 04.06.1991 – 5 StR 122/​91, BGHR StGB § 211 Abs. 2 Heim­tü­cke 15; vom 15.09.2011 – 3 StR 223/​11, NStZ 2012, 35; und vom 25.11.2015 – 1 StR 349/​15, NStZ-RR 2016, 43, 44 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 09.01.1991 – 3 StR 205/​90, NJW 1991, 1963; vom 20.10.1993 – 5 StR 473/​93, BGHSt 39, 353, 368 f.; vom 23.08.2000 – 3 StR 234/​00, NStZ-RR 2001, 14; vom 22.01.2004 – 4 StR 319/​03, NStZ-RR 2004, 234; vom 15.02.2007 – 4 StR 467/​06, NStZ-RR 2007, 174 f. [Ls]; vom 10.02.2010 – 2 StR 503/​09, NStZ 2010, 450 f.; vom 30.08.2012 – 4 StR 84/​12, NStZ 2013, 337, 338; vom 11.12 2012 – 5 StR 438/​12, NStZ 2013, 232, 233; vom 11.11.2015 – 5 StR 259/​15, NStZ-RR 2016, 72, 73; vom 15.11.2017 – 5 StR 338/​17, NStZ 2018, 97, 98; Beschluss vom 11.01.2011 – 1 StR 517/​10[]