Her­an­zie­hung eines Hilfs­schöf­fen – und die Beset­zungs­rü­ge

Nicht jeder Feh­ler bei der Her­an­zie­hung von Hilfs­schöf­fen kann mit der Beset­zungs­rü­ge erfolg­reich gel­tend gemacht wer­den. Es muss sich viel­mehr um einen gra­vie­ren­den, die Gren­zen des Hin­nehm­ba­ren über­schrei­ten­den Feh­ler han­deln, also nicht nur um einen blo­ßen Ver­fah­rens­feh­ler 1.

Her­an­zie­hung eines Hilfs­schöf­fen – und die Beset­zungs­rü­ge

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bean­stan­det die feh­ler­haf­te Aus­le­gung von Zustän­dig­keits­nor­men nur, wenn sie bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung der das Grund­ge­setz bestim­men­den Gedan­ken nicht mehr ver­ständ­lich und offen­sicht­lich unhalt­bar ist 2.

Die hier gerüg­te Pra­xis der Schöf­fen­ge­schäfts­stel­le des Land­ge­richts Ber­lin beruh­te nicht auf einer das Recht auf den gesetz­li­chen Rich­ter nach Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ver­let­zen­den Rege­lung. Viel­mehr waren ent­spre­chend der Stel­lung­nah­me des Prä­si­den­ten des Land­ge­richts die Mit­ar­bei­te­rin­nen der Schöf­fen­ge­schäfts­stel­le auch nach der damals gül­ti­gen Dienst­an­wei­sung zur Doku­men­tie­rung des tat­säch­li­chen Ein­gangs von Befrei­ungs­an­ord­nun­gen ver­pflich­tet. Tat­sa­chen, die einen Orga­ni­sa­ti­ons­man­gel bele­gen könn­ten, sind indes nicht vor­ge­tra­gen wor­den.

Es ist dem­nach von einem die Aus­le­gung und Anwen­dung des § 49 Abs. 3 Satz 2 GVG betref­fen­den Feh­ler der Schöf­fen­ge­schäfts­stel­le aus­zu­ge­hen, weil sie die Bear­bei­tungs­zeit und nicht den Ein­gangs­zeit­punkt doku­men­tiert hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Okto­ber 2015 – 5 StR 273/​15

  1. Git­ter­mann in Löwe/​Rosenberg, StPO, 26. Aufl., § 49 GVG Rn. 11[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 16.02.2005 – 2 BvR 581/​03, NJW 2005, 2689, 2690; BGH, Urteil vom 22.11.2013 – 3 StR 162/​13, BGHSt 59, 75, 79 f.[]