HSH Nord­bank: Untreue­vor­wür­fe gegen ehe­ma­li­ge Vor­stands­mit­glie­der

Zwar haben die Vor­stän­de der HSH Nord­bank AG ihre Vor­stand­pflich­ten unter ande­rem durch die Geneh­mi­gung der Finanz­trans­ak­ti­on „Ome­ga 55“ ver­letzt, aber die­se Pflicht­ver­let­zun­gen sind nicht so evi­dent bzw. schwer­wie­gend gewe­sen, dass sie nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts eine Ver­ur­tei­lung wegen Untreue recht­fer­ti­gen.

HSH Nord­bank: Untreue­vor­wür­fe gegen ehe­ma­li­ge Vor­stands­mit­glie­der

So hat das Land­ge­richt Ham­burg in dem hier vor­lie­gen­den Straf­ver­fah­ren gegen ehe­ma­li­ge Vor­stands­mit­glie­der der HSH-Nord­bank ent­schie­den und die Ange­klag­ten frei­ge­spro­chen. Die Staats­an­walt­schaft hat­te den sechs ehe­ma­li­gen Vor­stands­mit­glie­dern der HSH-Nord­bank Untreue in einem beson­ders schwe­ren Fall vor­ge­wor­fen (§ 266 StGB).

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Land­ge­richt Ham­burg auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hin­ge­wie­sen, das in einer rich­tungs­wei­sen­den Ent­schei­dung aus dem Jahr 2010 aus­ge­führt hat, dass die Anwen­dung des Untreu­e­tat­be­stands auf Fäl­le kla­rer und deut­li­cher (evi­den­ter) Fäl­le pflicht­wid­ri­gen Han­delns beschränkt wer­den müs­se. Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te im Anschluss dar­an in meh­re­ren Ent­schei­dun­gen die Ver­ur­tei­lung wegen Untreue auf Fäl­le "gra­vie­ren­der" Pflicht­ver­let­zun­gen ein­ge­schränkt.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Ham­burg haben die Ange­klag­ten zwar ihre Vor­stand­pflich­ten unter ande­rem dadurch ver­letzt, dass sie sich kei­ne hin­rei­chen­de Gewiss­heit dar­über ver­schaff­ten, ob das mit der Trans­ak­ti­on "Ome­ga 55" ver­bun­de­ne Haupt­ziel, eine Ver­bes­se­rung der auf­sichts­recht­li­chen Eigen­ka­pi­tal­kenn­zif­fern der HSH Nord­bank zu errei­chen, durch die kom­pli­zier­te Trans­ak­ti­on gewähr­leis­tet wur­de. Tat­säch­lich wur­de die­ses Ziel ver­fehlt. Die dem Vor­stand bei Geneh­mi­gung des Geschäfts vor­lie­gen­den Unter­la­gen ent­hiel­ten nur unge­fäh­re Anga­ben zu den wirt­schaft­li­chen Kos­ten und Erträ­gen aus dem Geschäft. Gleich­wohl war die Infor­ma­ti­ons­la­ge des Vor­stan­des aber nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts nicht der­art lücken­haft, dass sich die Geneh­mi­gung des Geschäfts als "gra­vie­ren­de" oder "evi­den­te" Pflicht­ver­let­zung dar­stell­te.

Der hohe Scha­den, der durch das Geschäft bei sei­ner spä­te­ren Auf­lö­sung im Jahr 2010 ver­ur­sacht wur­de, beruh­te auf der sog. "Finanz­kri­se" in den Jah­ren 2008 bis 2010, die nach den Bekun­dun­gen meh­re­rer Sach­ver­stän­di­ger in der Haupt­ver­hand­lung für die Ange­klag­ten im Zeit­punkt der Ent­schei­dung über die Trans­ak­ti­on "Ome­ga 55" noch nicht vor­her­seh­bar war.

Zwei der Ange­klag­ten wur­den auch von dem wei­te­ren Vor­wurf der unrich­ti­gen Dar­stel­lung der Ver­hält­nis­se der Bank (§ 400 Abs. 1 Nr. 1 AktG) frei­ge­spro­chen. Zwar hät­ten der Quar­tals­zwi­schen­be­richt für den HSH Nord­bank Kon­zern vom 31.3.2008 und eine dar­auf bezo­ge­ne Pres­se­mit­tei­lung vom 20.6.2008 einen falsch berech­ne­ten Über­schuss in Höhe von 81 Mio. EUR anstel­le eines Ver­lus­tes von 31 Mio. EUR aus­ge­wie­sen. Die Abwei­chung habe sich aber ange­sichts des Gesamt­um­fangs der von der HSH Nord­bank betrie­be­nen Geschäf­te mit einem Volu­men von etwa 2,5 Mrd. EUR als von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung erwie­sen. Da für eine Ver­ur­tei­lung im Sin­ne des § 400 Abs. 1 Nr. 1 AktG eine erheb­li­che Abwei­chung der feh­ler­haf­ten Dar­stel­lung von den zutref­fen­den Ver­hält­nis­sen erfor­der­lich ist, wur­den die betrof­fe­nen Ange­klag­ten auch inso­weit frei­ge­spro­chen.

Land­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 9. Juli 2014 – 608 KLs 12/​11 , 5550 Js 4/​09