Ille­ga­le Par­tei­en­fi­nan­zie­rung durch die Frak­tio­nen – und ihre straf­recht­li­chen Fol­gen

Wer­den Gel­der, die einer Frak­ti­on des Land­tags von Rhein­land-Pfalz aus dem Lan­des­haus­halt zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben zuge­wen­det wor­den sind, gesetz­wid­rig für Zwe­cke der die Frak­ti­on tra­gen­den Par­tei aus­ge­ge­ben, so ste­hen der Wür­di­gung die­ses Vor­gangs als Untreue im Sin­ne des § 266 StGB zum Nach­teil der Frak­ti­on nicht die Bestim­mun­gen des Frak­ti­ons­ge­set­zes Rhein­land-Pfalz über die Fol­gen einer gesetz­wid­ri­gen Ver­wen­dung von Frak­ti­ons­gel­dern ent­ge­gen.

Ille­ga­le Par­tei­en­fi­nan­zie­rung durch die Frak­tio­nen – und ihre straf­recht­li­chen Fol­gen

Dem Vor­sit­zen­den einer Par­la­ments­frak­ti­on kann die­ser gegen­über eine Pflicht im Sin­ne des § 266 StGB zur Betreu­ung deren Ver­mö­gens oblie­gen, die er ver­letzt, wenn er ver­an­lasst, dass das Frak­ti­ons­ver­mö­gen geset­zes­wid­rig ver­wen­det wird.

Nimmt eine Par­tei geld­wer­te Leis­tun­gen aus dem Ver­mö­gen einer von ihr getra­ge­nen Par­la­ments­frak­ti­on ent­ge­gen, ohne die­se als Spen­de dem Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges anzu­zei­gen und deren Wert an die­sen wei­ter­zu­lei­ten, so ste­hen der Wür­di­gung die­ses Vor­gangs als Untreue im Sin­ne des § 266 StGB zum Nach­teil der Par­tei nicht die Bestim­mun­gen des Par­tei­en­geset­zes, ins­be­son­de­re des­sen § 31c Abs. 1 Satz 1 und § 31d PartG, ent­ge­gen.

Dem Vor­sit­zen­den einer Par­tei kann die­ser gegen­über eine Pflicht im Sin­ne des § 266 StGB zur Betreu­ung deren Ver­mö­gens oblie­gen, die er ver­letzt, wenn er eine rechts­wid­ri­ge Spen­de annimmt und sie nicht gegen­über dem Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges anzeigt und an die­sen wei­ter­lei­tet.

In die­sem Fall wird der not­wen­di­ge Zusam­men­hang zwi­schen der Ver­let­zung der Treue­pflicht und dem Ver­mö­gens­nach­teil im Sin­ne des § 266 StGB nicht dadurch aus­ge­schlos­sen, dass die unrecht­mä­ßi­ge Par­tei­spen­de zunächst noch ent­deckt wer­den muss und die Zah­lungs­pflicht der Par­tei auf­grund der gesetz­li­chen Sank­ti­on des § 31c PartG noch einen fest­stel­len­den Ver­wal­tungs­akt des Bun­des­tags­prä­si­den­ten erfor­dert.

Der anschlie­ßen­de Ver­stoß gegen § 31d PartG schließt eine Straf­bar­keit wegen Untreue gemäß § 266 StGB nicht aus.

Untreue – und die Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht des Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den[↑]

Der Untreu­e­tat­be­stand des § 266 StGB ist auf Sach­ver­hal­te der vor­lie­gen­den Art anwend­bar, die im Wesent­li­chen durch eine zweck­wid­ri­ge Ver­wen­dung von Frak­ti­ons­gel­dern geprägt sind. Die Anwend­bar­keit der Norm wird in die­sem Zusam­men­hang ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on nicht durch das Rege­lungs­ge­fü­ge des Frak­ti­ons­ge­set­zes Rhein­land-Pfalz, ins­be­son­de­re nicht durch § 6 FraktG RP berührt, wonach eine Land­tags­frak­ti­on die ihr aus dem Lan­des­haus­halt zur Finan­zie­rung ihrer Tätig­keit zuge­wen­de­ten Geld­mit­tel nach den Bestim­mun­gen des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches über die Her­aus­ga­be einer unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung rück­zu­er­stat­ten hat, wenn sie die Mit­tel zweck­wid­rig ver­wen­det 1. Für eine der­ar­ti­ge Ein­schrän­kung eines bun­des­recht­li­chen Straf­ge­set­zes fehlt es bereits an der Kom­pe­tenz des Lan­des­ge­setz­ge­bers (Art. 31, 72 Abs. 1, 74 Abs. 1 Nr. 1 GG). § 6 FraktG RP betrifft außer­dem in der Sache allein die finan­zi­el­len Bezie­hun­gen zwi­schen Frak­ti­on und Land­tag. Die Norm ent­hält dem­ge­gen­über kei­ne Ein­schrän­kung des objek­ti­ven Tat­be­stands des § 266 StGB, der im hier rele­van­ten Kon­text aus­schließ­lich die Ver­mö­gens­in­ter­es­sen der Frak­ti­on im Ver­hält­nis zu den­je­ni­gen Per­so­nen straf­recht­lich schützt, die bezüg­lich die­ses Ver­mö­gens ver­fü­gungs­be­fugt oder sonst betreu­ungs­pflich­tig sind. Soweit die Revi­si­on wei­ter auf in der genann­ten Ent­schei­dung des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs Rhein­land-Pfalz ent­hal­te­ne Aus­füh­run­gen zur Aus­le­gung der Tat­be­stands­merk­ma­le des § 266 Abs. 1 StGB abstellt, sind die inso­weit in ers­ter Linie zur Ent­schei­dung beru­fe­nen Fach­ge­rich­te nicht an die dort geäu­ßer­ten Rechts­an­sich­ten gebun­den.

Der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de hat auf­grund sei­ner Stel­lung eine Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht im Sin­ne des § 266 StGB gegen­über der CDU-Land­tags­frak­ti­on.

Eine sol­che Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht ist gege­ben, wenn der Täter in einer Bezie­hung zum (poten­ti­ell) Geschä­dig­ten steht, die eine beson­de­re, über die für jeder­mann gel­ten­den Pflich­ten zur Wah­rung der Rechts­sphä­re ande­rer hin­aus­ge­hen­de Ver­ant­wor­tung für des­sen mate­ri­el­le Güter mit sich bringt. Den Täter muss eine inhalt­lich beson­ders her­aus­ge­ho­be­ne Pflicht zur Wahr­neh­mung frem­der Ver­mö­gens­in­ter­es­sen tref­fen. Hier­bei ist in ers­ter Linie von Bedeu­tung, ob sich die fremd­nüt­zi­ge Ver­mö­gens­für­sor­ge als Haupt­pflicht, mit­hin als zumin­dest mit­be­stim­men­de und nicht nur bei­läu­fi­ge Ver­pflich­tung dar­stellt. Die­se beson­ders qua­li­fi­zier­te Pflich­ten­stel­lung in Bezug auf das frem­de Ver­mö­gen muss über all­ge­mei­ne ver­trag­li­che Sorg­falts- und Rück­sicht­nah­me­pflich­ten eben­so hin­aus­ge­hen wie über eine rein tat­säch­li­che Ein­wir­kungs­mög­lich­keit. Es muss hin­zu­kom­men, dass dem Täter die ihm über­tra­ge­ne Tätig­keit nicht durch ins Ein­zel­ne gehen­de Wei­sun­gen vor­ge­zeich­net ist, son­dern ihm Raum für eigen­ver­ant­wort­li­che Ent­schei­dun­gen und eine gewis­se Selb­stän­dig­keit belas­sen wird. Hier­bei ist nicht nur auf die Wei­te des dem Täter ein­ge­räum­ten Spiel­raums abzu­stel­len, son­dern auch auf das Feh­len von Kon­trol­le, also auf sei­ne tat­säch­li­chen Mög­lich­kei­ten, ohne eine gleich­zei­ti­ge Steue­rung und Über­wa­chung durch den Treu­ge­ber auf des­sen Ver­mö­gen zuzu­grei­fen 2. Das Treue­ver­hält­nis kann auf Gesetz, behörd­li­chem Auf­trag oder Rechts­ge­schäft beru­hen 3.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier vor 4. Der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de war befugt, über das Ver­mö­gen der Frak­ti­on zu ver­fü­gen. Er ver­trat die Frak­ti­on nach innen und außen (§ 21 Abs. 1 der Sat­zung für die CDU-Frak­ti­on des Land­tags von Rhein­land-Pfalz) und war gegen­über dem Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­rer und den Frak­ti­ons­mit­ar­bei­tern wei­sungs­be­fugt (§ 25 Abs. 2, § 26 Abs. 1 Satz 2 der Sat­zung für die CDU-Frak­ti­on des Land­tags von Rhein­land-Pfalz). Er ent­schied als Mit­glied des Frak­ti­ons­vor­stan­des über den Haus­halts­plan (§ 18 Nr. 4, § 19 Abs. 1, § 28 Abs. 1 der Sat­zung für die CDU-Frak­ti­on des Land­tags von Rhein­land-Pfalz). Nach den Fest­stel­lun­gen hat­te er auch tat­säch­li­chen Zugriff auf die Finan­zen der Frak­ti­on, weil er die gemäß § 28 Abs. 2 der Sat­zung für die CDU-Frak­ti­on des Land­tags von Rhein­land-Pfalz bei Zah­lungs­an­wei­sun­gen not­wen­di­ge Unter­schrift des Par­la­men­ta­ri­schen Geschäfts­füh­rers und/​oder des Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­rers erset­zen konn­te und mit die­sen glei­cher­ma­ßen zeich­nungs­be­rech­tigt war.

Bei der Pflicht zur Wah­rung der Ver­mö­gens­in­ter­es­sen der Frak­ti­on han­del­te es sich – auch mit Blick auf die weit dar­über hin­aus­ge­hen­den Auf­ga­ben eines Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den – um eine Haupt­pflicht in dem umschrie­be­nen Sin­ne 5. Den Ange­klag­ten traf mit Blick auf die gro­ße Bedeu­tung der wirt­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten einer Frak­ti­on für deren par­la­men­ta­ri­sche Arbeit nicht nur bei­läu­fig die Ver­pflich­tung, bei finan­zi­el­len Trans­ak­tio­nen, die das Frak­ti­ons­ver­mö­gen betra­fen, die Belan­ge der Frak­ti­on zu wah­ren und ins­be­son­de­re dar­auf zu ach­ten, dass Frak­ti­ons­gel­der nicht ent­ge­gen den gesetz­li­chen Vor­ga­ben aus­ge­ge­ben wur­den.

Der Ange­klag­te hat die­se Haupt­pflicht durch die Ver­an­las­sung der Zah­lun­gen an C. in kla­rer, evi­den­ter und schwer wie­gen­der Wei­se 6 ver­letzt. Die an C. gezahl­ten Gel­der dien­ten der Bezah­lung der Erar­bei­tung des Kon­zepts "Wahl­sieg 2006", bei dem es sich – wie bereits der Gene­ral­bun­des­an­walt zutref­fend dar­ge­legt hat – nach den rechts­feh­ler­frei getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts um ein Stra­te­gie­kon­zept für den CDU-Lan­des­ver­band Rhein­land-Pfalz im Hin­blick auf die Land­tags­wahl 2006 han­del­te, das kei­nen Bezug zur par­la­men­ta­ri­schen Arbeit der Frak­ti­on auf­wies. Gemäß § 2 Abs. 1 Satz 2 FraktG RP ist eine Ver­wen­dung der Mit­tel, wel­che die Frak­ti­on zur Wahr­neh­mung ihrer Auf­ga­ben erhal­ten hat, für Par­tei­auf­ga­ben aus­drück­lich unter­sagt. Die­se ein­deu­ti­ge gesetz­li­che Rege­lung setzt die dies­be­züg­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben um. Frak­tio­nen sind als Glie­de­run­gen des Par­la­ments der orga­ni­sier­ten Staat­lich­keit ein­ge­fügt. Die­se Zuord­nung recht­fer­tigt es, ihnen zur Deckung ihrer im Rah­men der par­la­men­ta­ri­schen Arbeit ent­ste­hen­den Auf­wen­dun­gen Zuschüs­se aus öffent­li­chen Mit­teln zu gewäh­ren 7. Staat­li­che finan­zi­el­le Mit­tel, die den Frak­tio­nen über sol­che Zuschüs­se zuflie­ßen, wer­den grund­sätz­lich von allen Staats­bür­gern ohne Anse­hung ihrer poli­ti­schen Anschau­un­gen oder Zuge­hö­rig­kei­ten erbracht und sind dem Staat zur Ver­wen­dung für das gemei­ne Wohl anver­traut. Die­se Zweck­bin­dung schließt es aus, dass bei einem so ent­schei­dend auf das Staats­gan­ze bezo­ge­nen Vor­gang wie der Wahl der Volks­ver­tre­tung die von der All­ge­mein­heit erbrach­ten und getra­ge­nen finan­zi­el­len Mit­tel des Staa­tes zu Guns­ten oder zu Las­ten von poli­ti­schen Par­tei­en oder Bewer­bern in par­tei­er­grei­fen­der Wei­se ein­ge­setzt wer­den 8. Hier­aus folgt, dass es einer Par­la­ments­frak­ti­on ver­fas­sungs­recht­lich ver­wehrt ist, ihr als Teil eines Staats­or­gans aus öffent­li­chen Mit­teln zur Ver­fü­gung gestell­te Zuschüs­se zur Finan­zie­rung des Wahl­kamp­fes einer Par­tei zu ver­wen­den. Tut sie dies den­noch, so wird damit zugleich das Recht der übri­gen Par­tei­en und Wahl­be­wer­ber auf glei­che Wett­be­werbs­chan­cen ver­letzt. Die­ser Grund­satz gilt auch für die Wahl­vor­be­rei­tung und erstreckt sich in die­sem Rah­men auf die Wahl­wer­bung 9. Vor die­sem ver­fas­sungs­recht­li­chen und ein­fach­ge­setz­li­chen Hin­ter­grund stellt der Ein­satz von Frak­ti­ons­gel­dern zu Par­tei­z­we­cken im Vor­feld einer Land­tags­wahl einen beson­ders gra­vie­ren­den Pflich­ten­ver­stoß dar. Der vor­lie­gen­de Fall liegt auch nicht in einem Grenz­be­reich, in dem die Abgren­zung zwi­schen Frak­ti­ons- und Par­tei­auf­ga­ben schwie­rig sein kann 10. Viel­mehr dien­te die Finan­zie­rung der Wahl­kampf­ak­ti­vi­tä­ten ein­deu­tig allein den Inter­es­sen des CDU-Lan­des­ver­ban­des Rhein­land-Pfalz und des­sen Spit­zen­kan­di­da­ten, nicht aber der Par­la­ments­ar­beit der CDU-Frak­ti­on; sie stellt des­halb einen kla­ren Fall einer unzu­läs­si­gen ver­deck­ten Par­tei­en­fi­nan­zie­rung dar 11, die auch durch die ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes gera­de ver­hin­dert wer­den soll (vgl. § 27 Abs. 1 Satz 3 und 4, § 26 Abs. 1 Satz 2, § 25 Abs. 2 Nr. 1 PartG).

Im vor­lie­gen­den Fall ist es des­halb zum einen ohne ent­schei­den­de Bedeu­tung, ob die in dem genann­ten Sin­ne vor­ge­nom­me­ne Gewich­tung der Pflicht­ver­let­zung über­haupt ein nach der ratio legis sinn­vol­les Kri­te­ri­um zur Ein­schrän­kung des objek­ti­ven Tat­be­stan­des des § 266 StGB dar­stellt 12. Zum ande­ren kommt es nicht dar­auf an, ob – wovon das Land­ge­richt aus­ge­gan­gen ist – die Vor­aus­set­zun­gen des Miss­brauchs­tat­be­stan­des (§ 266 Abs. 1 Alt. 1 StGB) vor­lie­gen, oder – wie es der Gene­ral­bun­des­an­walt ver­tritt – die­je­ni­gen des Treu­bruch­tat­be­stan­des (§ 266 Abs. 1 Alt. 2 StGB) gege­ben sind 13.

Der Pflicht­wid­rig­keit des Han­delns des Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den steht nicht eine "mut­maß­li­che Ein­wil­li­gung" der Frak­ti­on in die Zah­lung an C. ent­ge­gen. Da der Untreu­e­tat­be­stand den Zweck hat, das dem Treu­pflich­ti­gen anver­trau­te frem­de Ver­mö­gen zu schüt­zen, ist die Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht des § 266 Abs. 1 StGB zwar in der Regel nicht ver­letzt, wenn der Ver­mö­gens­in­ha­ber sein Ein­ver­ständ­nis mit der ver­mö­gens­schä­di­gen­den Pflicht­ver­let­zung erklärt hat; eine nach­träg­li­che Geneh­mi­gung genügt dage­gen nicht 14. Ein sol­ches zum Zeit­punkt der Pflicht­ver­let­zung vor­lie­gen­des Ein­ver­ständ­nis wird jedoch durch die Fest­stel­lun­gen des ange­foch­te­nen Urteils nicht belegt. Dort wird inso­weit ledig­lich aus­ge­führt, die Frak­ti­ons­ver­samm­lung habe dem Ange­klag­ten und den wei­te­ren han­deln­den Per­so­nen am 12.07.2006 – und damit im Nach­hin­ein – eine Ent­las­tung für die Geschäfts­jah­re 2005 und 2006 erteilt. Die­se Ent­schei­dung beruh­te zudem ledig­lich auf dem Bericht zwei­er ehren­amt­li­cher Rech­nungs­prü­fer, wel­che die betref­fen­den Finanz­un­ter­la­gen nicht inhalt­lich, son­dern nur stich­punkt­ar­tig z.B. dar­auf durch­ge­se­hen hat­ten, ob über­haupt eine Rech­nung für beleg­te Aus­ga­ben vor­lag. Die Art der Tätig­keit von C. wur­de auf der Ver­samm­lung nicht the­ma­ti­siert, Nach­fra­gen zur Höhe der an C. gezahl­ten Gel­der beant­wor­te­te der Mit­an­ge­klag­te H. unter Hin­weis auf die hohen Kos­ten der "Bau­stel­len­ver­an­stal­tun­gen". Hin­zu kommt, dass das Ein­ver­ständ­nis der Frak­ti­on gegen die ein­deu­ti­gen gesetz­li­chen und ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben ver­sto­ßen hät­te und des­halb kei­ne tat­be­stands­aus­schlie­ßen­de Wir­kung hät­te ent­fal­ten kön­nen 15; selbst die Gesamt­heit der Frak­ti­ons­mit­glie­der hät­te ihre finan­zi­el­len Mit­tel mit Blick auf § 2 Abs. 1 Satz 2 FraktG RP nicht in recht­lich zuläs­si­ger Wei­se für Par­tei­z­we­cke ein­set­zen kön­nen.

Durch die Über­wei­sung der ins­ge­samt 59.912 € aus dem Ver­mö­gen der CDU-Frak­ti­on an C. ent­stand der Frak­ti­on ein ent­spre­chen­der wirt­schaft­li­cher Nach­teil. Da die Leis­tung der Agen­tur aus­schließ­lich der Par­tei zu Gute kam, nicht aber der Erfül­lung von Auf­ga­ben der Frak­ti­on dien­te, ergibt der Ver­gleich der Ver­mö­gens­la­ge der Frak­ti­on vor und nach der treu­wid­ri­gen Hand­lung einen Min­der­wert in der genann­ten Höhe.

Der durch die Pflicht­ver­let­zung her­vor­ge­ru­fe­nen Ver­mö­gens­min­de­rung stand kein Ver­mö­gens­vor­teil gegen­über, wel­cher den Nach­teil voll­stän­dig oder auch nur teil­wei­se hät­te aus­glei­chen kön­nen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on ist ein sol­cher Vor­teil nicht des­we­gen anzu­neh­men, weil der Frak­ti­on in Höhe der geleis­te­ten Zah­lun­gen ein Erstat­tungs­an­spruch gegen die Par­tei erwach­sen sei. Zwar trifft es im Aus­gangs­punkt zu, dass nach stän­di­ger Recht­spre­chung der Ver­mö­gens­nach­teil im Sin­ne des § 266 StGB nach dem Prin­zip der Gesamt­sal­die­rung fest­zu­stel­len ist, so dass es an einem Nach­teil im Fal­le einer scha­dens­aus­schlie­ßen­den Kom­pen­sa­ti­on fehlt. Eine sol­che liegt vor, wenn und soweit der durch die Tat­hand­lung ver­ur­sach­te Nach­teil durch zugleich bzw. unmit­tel­bar ein­tre­ten­de wirt­schaft­li­che Vor­tei­le aus­ge­gli­chen wird 16. Ein der­ar­ti­ger Vor­teil ist aller­dings nur dann als wirt­schaft­lich voll­wer­tig und kom­pen­sa­ti­ons­fä­hig anzu­se­hen, wenn sei­ne Rea­li­sie­rung jeder­zeit ohne nen­nens­wer­te Schwie­rig­kei­ten, etwa ohne beson­de­ren Zeit- und Kos­ten­auf­wand und ohne Mit­wir­kung des Schuld­ners, zu erwar­ten ist 17. Des­halb kann letzt­lich offen blei­ben, ob – wofür vie­les spricht – mit dem Gene­ral­bun­des­an­walt anzu­neh­men ist, dass zivil­recht­lich betrach­tet auf­grund des kol­lu­si­ven Zusam­men­wir­kens des Ange­klag­ten und C. ohne­hin ledig­lich ein nicht in die Bewer­tung des Ver­mö­gens­nach­teils ein­zu­be­zie­hen­der Berei­che­rungs­an­spruch der CDU-Frak­ti­on gegen C. , nicht aber ein Erstat­tungs­an­spruch der Frak­ti­on gegen den CDU-Lan­des­ver­band Rhein­land-Pfalz ent­stand. Denn bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung brach­te die Zah­lung an C. für die CDU-Frak­ti­on kei­nen den Ver­lust auch nur teil­wei­se auf­wie­gen­den Ver­mö­gens­zu­wachs. Das Vor­ge­hen des Ange­klag­ten dien­te nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts viel­mehr gera­de dazu, dem CDU-Lan­des­ver­band Rhein­land-Pfalz Leis­tun­gen zukom­men zu las­sen, die die­ser selbst auf­grund sei­ner damals aktu­el­len wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on nicht – jeden­falls nicht ohne Wei­te­res – finan­zie­ren konn­te. Danach ist bereits frag­lich, ob eine zivil­recht­li­che For­de­rung der Frak­ti­on gegen die Par­tei – ihr Bestehen unter­stellt – aus­rei­chend wert­hal­tig gewe­sen wäre. Maß­ge­bend kommt hin­zu, dass es von dem Ange­klag­ten und den übri­gen han­deln­den Per­so­nen gera­de nicht inten­diert war, den CDU-Lan­des­ver­band Rhein­land-Pfalz nach den Zah­lun­gen durch die CDU-Frak­ti­on in Anspruch zu neh­men und so das Ver­mö­gen der Frak­ti­on wie­der zu meh­ren; viel­mehr soll­te die Frak­ti­on die Ansprü­che von C. dau­er­haft befrie­di­gen, weil auf ande­re Wei­se die Leis­tun­gen der Agen­tur für den Land­tags­wahl­kampf, auf die es der Ange­klag­te abge­se­hen hat­te, nicht zu erlan­gen waren. Damit war das Ver­mö­gen der CDU-Frak­ti­on auf Dau­er in Höhe der geleis­te­ten Zah­lun­gen gemin­dert; die ent­spre­chen­den Gel­der stan­den zur Erfül­lung der Frak­ti­ons­auf­ga­ben nicht mehr zur Ver­fü­gung.

Die Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts bele­gen den Vor­satz des Ange­klag­ten. Die Straf­kam­mer hat im Rah­men ihrer recht­li­chen Wür­di­gung inso­weit alle wesent­li­chen Gesichts­punk­te abge­han­delt und ins­be­son­de­re rechts­feh­ler­frei u.a. dar­auf abge­stellt, dass dem Ange­klag­ten die Not­wen­dig­keit der Tren­nung der Finan­zie­rung von Par­tei- und Frak­ti­ons­auf­ga­ben auf­grund frü­he­rer, eige­ne Hand­lun­gen des Ange­klag­ten betref­fen­de Gerichts­ent­schei­dun­gen, etwa der­je­ni­gen des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs Rhein­land-Pfalz vom 19.08.2002 18, bewusst war.

Der Ange­klag­te ist jeden­falls nicht dadurch beschwert, dass das Land­ge­richt die zwei Zah­lun­gen an C. zu einer Tat im mate­ri­ell­recht­li­chen Sin­ne zusam­men­ge­fasst hat; denn das Land­ge­richt hat auch die Untreue zum Nach­teil des Lan­des­ver­ban­des der CDU als hier­zu in Tat­ein­heit ste­hend ange­se­hen, so dass schon des­we­gen der Straf­rah­men der § 266 Abs. 2, § 263 Abs. 3 Satz 1 und 2 Nr. 2 StGB eröff­net war.

Untreue auch zulas­ten der Par­tei[↑]

Der Bun­des­ge­richts­hof bejaht auch eine Untreue zum Nach­teil des CDU-Lan­des­ver­ban­des Rhein­land-Pfalz: Die Vor­aus­set­zun­gen des auch inso­weit anwend­ba­ren § 266 StGB sind gege­ben, weil der Ange­klag­te die Zah­lung der Frak­ti­on an C. und damit eine Spen­de im Sin­ne des Par­tei­en­geset­zes für die Par­tei annahm, nicht in dem Rechen­schafts­be­richt des Lan­des­ver­ban­des auf­führ­te und auch nicht ver­an­lass­te, dass sie unver­züg­lich an den Prä­si­den­ten des Bun­des­ta­ges wei­ter­ge­lei­tet wur­de, was zu einer Sank­ti­on nach § 31c Abs. 1 Satz 1 PartG führ­te 19. Im Ein­zel­nen:

§ 266 StGB ist auch bezüg­lich der Untreue zum Nach­teil des CDU-Lan­des­ver­ban­des Rhein­land-Pfalz, mit­hin der Par­tei, anwend­bar.

Der am 1.07.2002 in Kraft getre­te­ne § 31d PartG ist im Ver­hält­nis zu § 266 StGB kein spe­zi­el­les, eine abschlie­ßen­de Rege­lung ent­hal­ten­des und die Anwend­bar­keit des § 266 StGB aus­schlie­ßen­des Gesetz 20. Bereits die Geset­zes­ma­te­ria­li­en spre­chen in deut­li­cher Wei­se für die unein­ge­schränk­te Anwend­bar­keit des all­ge­mei­nen Straf­rechts. Danach soll­ten mit der Schaf­fung des § 31d PartG Straf­bar­keits­lü­cken geschlos­sen wer­den, die sich dar­aus erga­ben, dass eine ange­mes­se­ne Auf­klä­rung von uner­laub­ten Hand­lun­gen im Rah­men staat­li­cher Par­tei­en­fi­nan­zie­rung nicht immer mög­lich war 21. Bei die­ser Vor­schrift han­delt es sich auch nach ihrem Sinn und Zweck nicht um eine gemäß § 2 Abs. 3 StGB zu beach­ten­de Pri­vi­le­gie­rung gegen­über den Straf­tat­be­stän­den der Untreue und des Betru­ges (§ 263 StGB). Viel­mehr schützt die­se Straf­norm ande­re Rechts­gü­ter; sie tritt des­halb neben die genann­ten Rege­lun­gen. § 31d PartG hat das Ver­trau­en der Öffent­lich­keit in die Rich­tig­keit der Rech­nungs­le­gung nach Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG im Blick 22; dem­ge­gen­über die­nen die §§ 266, 263 StGB dem Schutz des Ver­mö­gens.

§ 31c PartG, der für rechts­wid­rig erlang­te Spen­den unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen eine Zah­lungs­pflicht der betref­fen­den Par­tei in Höhe des Drei­fa­chen des rechts­wid­rig erlang­ten Betra­ges nor­miert, lässt trotz sei­nes sank­ti­ons­ähn­li­chen Cha­rak­ters die mög­li­che straf­recht­li­che Ver­ant­wort­lich­keit der ver­mö­gens­schä­di­gend han­deln­den treue­pflich­ti­gen Per­so­nen nach § 266 StGB unbe­rührt. Dies folgt schon dar­aus, dass die Zah­lungs­pflicht nach § 31c PartG die Par­tei trifft, der die Spen­de zuge­flos­sen ist, nicht aber die pflicht­wid­rig han­deln­de Per­son 23. Im Übri­gen schließt etwa das Erfor­der­nis zumin­dest bedingt vor­sätz­li­chen Han­delns im Rah­men des sub­jek­ti­ven Tat­be­stan­des die Straf­bar­keit wegen Untreue aus, wenn Par­tei- und Frak­ti­ons­auf­ga­ben – anders als im vor­lie­gen­den Fall – ledig­lich in fahr­läs­si­ger Wei­se ver­mischt wer­den. Es ist somit auch nicht mit Blick dar­auf, dass der hier fest­ge­stell­te Sach­ver­halt in gewis­ser Wei­se im (partei)politischen Raum zu ver­or­ten ist und die Abgren­zung von Par­tei- und Frak­ti­ons­auf­ga­ben nicht immer ein­fach vor­ge­nom­men wer­den kann, ange­zeigt oder gar gebo­ten, den straf­recht­li­chen Anwen­dungs­be­reich des § 266 StGB über die ansons­ten all­ge­mein gel­ten­den Gren­zen hin­aus wei­ter ein­zu­schrän­ken und auf die­se Wei­se gewis­se Täter­grup­pen pri­vi­le­gie­ren­de Straf­bar­keits­lü­cken zu schaf­fen.

Als Vor­sit­zen­der des CDU-Lan­des­ver­ban­des Rhein­land-Pfalz hat­te der Ange­klag­te eine Betreu­ungs­pflicht in dem umschrie­be­nen Sin­ne für das Ver­mö­gen sowohl die­ses Lan­des­ver­ban­des als auch des CDU-Bun­des­ver­ban­des; denn ihn traf vor dem Hin­ter­grund der ihm ein­ge­räum­ten; vom Land­ge­richt im Ein­zel­nen dar­ge­leg­ten, auch für das Ver­mö­gen der Par­tei­or­ga­ni­sa­tio­nen bedeut­sa­men Befug­nis­se die her­aus­ge­ho­be­ne Ver­pflich­tung, die jewei­li­gen Ver­mö­gens­in­ter­es­sen zu wah­ren 24.

Hier­in inbe­grif­fen war auch die Pflicht zur Beach­tung der Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes zum Umgang mit Par­tei­spen­den, um die jewei­li­ge Par­tei­glie­de­rung vor der finan­zi­el­len Belas­tung durch Straf­zah­lun­gen wegen der gesetz­wid­ri­gen Behand­lung von Par­tei­spen­den zu bewah­ren. Dies ergibt sich zwar nicht bereits allein aus den ein­schlä­gi­gen Nor­men des Par­tei­en­geset­zes; denn die­se die­nen vor­nehm­lich nicht dem Schutz des Par­tei­ver­mö­gens, son­dern der Siche­rung der Trans­pa­renz der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung. Die Beach­tung der Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes war hier im Ver­hält­nis der Par­tei zu dem Ange­klag­ten gleich­wohl Gegen­stand einer selbst­stän­di­gen Haupt­pflicht zum Schut­ze des Par­tei­ver­mö­gens; denn die Par­tei­en kön­nen etwa durch ihre Sat­zun­gen bestim­men, dass die Befol­gung die­ser Vor­schrif­ten für die Funk­ti­ons­trä­ger der Par­tei eine selbst­stän­di­ge, das Par­tei­ver­mö­gen schüt­zen­de Haupt­pflicht im Sin­ne von § 266 Abs. 1 StGB dar­stellt. Hier­an besteht mit Blick auf die bei Ver­stö­ßen gegen das Par­tei­en­gesetz im Raum ste­hen­den erheb­li­chen Fol­gen ein aner­ken­nens­wer­tes Inter­es­se der Par­tei­en; der hin­rei­chen­de funk­tio­na­le Zusam­men­hang zwi­schen den Auf­ga­ben der Ver­pflich­te­ten und dem zu schüt­zen­den Par­tei­ver­mö­gen ist gege­ben 25.

Von die­ser Mög­lich­keit hat­te der CDU-Lan­des­ver­band Rhein­land-Pfalz Gebrauch gemacht und durch sei­ne Sat­zung gegen­über sei­nen mit Finan­zen befass­ten Funk­ti­ons­trä­gern die Pflicht, kei­ne Spen­den von Frak­tio­nen anzu­neh­men, unzu­läs­si­ge Spen­den dem Prä­si­den­ten des Bun­des­ta­ges unver­züg­lich anzu­zei­gen und ord­nungs­ge­mä­ße Rechen­schafts­be­rich­te abzu­ge­ben, als Haupt­pflicht aus­ge­stal­tet. Bestand­teil der Lan­des­sat­zung ist gemäß Abschnitt – VI Bemer­kung (5) auch die Finanz- und Bei­trags­ord­nung (im Fol­gen­den: FBO) der CDU Deutsch­lands. § 5 Abs. 2 FBO berech­tigt die Par­tei grund­sätz­lich zur Annah­me von Spen­den. Hier­von aus­drück­lich aus­ge­nom­men sind nach § 5 Abs. 3 Nr. 1 FBO jedoch Spen­den von Par­la­ments­frak­tio­nen. Nach § 3 FBO ist ein ord­nungs­ge­mä­ßer Rechen­schafts­be­richt zu erstel­len; nach § 6 Abs. 2 FBO sind alle Spen­den unter Beach­tung der gesetz­li­chen Bestim­mun­gen ein­zu­neh­men und öffent­lich zu ver­zeich­nen. Die Ein­hal­tung der Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes wird in § 6 Abs. 2 FBO aus­drück­lich vor­ge­schrie­ben. Die beson­de­re Bedeu­tung die­ser Ver­pflich­tung wird auch dadurch betont, dass den jewei­li­gen Rechen­schafts­be­rich­ten des Lan­des­ver­ban­des eine geson­dert zu unter­schrei­ben­de Erklä­rung bei­zu­fü­gen ist, in der die Nicht­an­nah­me von unzu­läs­si­gen Spen­den, etwa von Par­la­ments­frak­tio­nen, aus­drück­lich ver­si­chert wird. Bei die­sem Rege­lungs­ge­fü­ge han­delt es sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on nicht um eine blo­ße inhalt­lich nichts­sa­gen­de Wie­der­ho­lung der gesetz­li­chen Vor­schrif­ten; es macht viel­mehr vor dem Hin­ter­grund der bei einem Ver­stoß gegen das Par­tei­en­gesetz für das Par­tei­ver­mö­gen dro­hen­den Sank­tio­nen die gro­ße Bedeu­tung des geset­zes­kon­for­men Umgangs mit den Finan­zen der Par­tei deut­lich.

Gegen die ihm somit auf­er­leg­te Haupt­pflicht, die Finan­zen der Par­tei in geset­zes­kon­for­mer Wei­se zu betreu­en, ver­stieß der Ange­klag­te, indem er die Finan­zie­rung der Leis­tun­gen von C. an die Par­tei durch die Frak­ti­on für die Par­tei als Spen­de annahm, sie nicht im Rechen­schafts­be­richt des Lan­des­ver­ban­des als sol­che auf­führ­te und nicht ver­an­lass­te, dass die­se Spen­de unver­züg­lich an den Prä­si­den­ten des Bun­des­ta­ges wei­ter­ge­lei­tet wur­de (§ 25 Abs. 4 PartG).

Die Finan­zie­rung der Leis­tun­gen von C. stellt eine Spen­de der Frak­ti­on an die Par­tei dar.

Par­tei­spen­den sind nach § 27 Abs. 1 Satz 3 und 4 PartG alle frei­wil­li­gen und unent­gelt­li­chen Zah­lun­gen sowie sons­ti­ge geld­wer­te Zuwen­dun­gen aller Art, die über Mit­glieds- und Man­dats­trä­ger­bei­trä­ge hin­aus­ge­hen. Der Begriff ist weit aus­zu­le­gen und umfasst sämt­li­che Vor­gän­ge, die für die Par­tei einen wirt­schaft­li­chen, in Geld mess­ba­ren Vor­teil begrün­den. Abzu­stel­len ist dabei auf eine rein wirt­schaft­li­che Betrach­tungs­wei­se, wel­che die tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten erfasst; nicht maß­ge­bend ist dem­ge­gen­über die zivil­recht­li­che Wirk­sam­keit der vor­ge­nom­me­nen Rechts­ge­schäf­te. Eine geld­wer­te Zuwen­dung kann auch in Form selbst erbrach­ter oder ein­ge­kauf­ter Dienst­leis­tun­gen der Frak­ti­on an die hin­ter ihr ste­hen­de Par­tei geleis­tet wer­den 26.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind erfüllt. Die geld­wer­ten (Dienst)Leistungen von C. kamen aus­schließ­lich der Par­tei zu Gute. Ihre Finan­zie­rung durch die Frak­ti­on begrün­de­te somit einen wirt­schaft­li­chen Vor­teil für die Par­tei in Höhe der an C. gezahl­ten Ver­gü­tung. Die Zah­lun­gen durch die Frak­ti­on wur­den frei­wil­lig geleis­tet; eine Gegen­leis­tung der Par­tei an die Frak­ti­on war gera­de nicht vor­ge­se­hen und wur­de auch tat­säch­lich nicht erbracht.

Spen­den von Frak­tio­nen sind nach § 25 Abs. 2 Nr. 1 PartG von der Befug­nis der Par­tei­en, Spen­den anzu­neh­men, aus­ge­schlos­sen. Gemäß § 25 Abs. 4 PartG sind der­ar­ti­ge unzu­läs­si­ge Spen­den unver­züg­lich, spä­tes­tens mit Ein­rei­chung des Rechen­schafts­be­richts für das betref­fen­de Jahr an den Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges wei­ter­zu­lei­ten. Ent­ge­gen die­sen Vor­ga­ben nahm der Ange­klag­te als Lan­des­vor­sit­zen­der die Spen­de für den Lan­des­ver­band an, führ­te sie nicht im Rechen­schafts­be­richt des Lan­des­ver­ban­des auf und ver­an­lass­te nicht, dass sie an den Prä­si­den­ten des Bun­des­ta­ges wei­ter­ge­lei­tet wur­de.

Hier­durch ergab sich für den Lan­des­ver­band ein Ver­mö­gens­nach­teil in Höhe min­des­tens des Zwei­fa­chen des von der Par­tei rechts­wid­rig erlang­ten Betra­ges, weil die­se die Spen­de unter Ver­stoß gegen § 25 Abs. 2 PartG ange­nom­men und nicht gemäß § 25 Abs. 4 PartG an den Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges wei­ter­ge­lei­tet hat­te (§ 31c Abs. 1 Satz 1 PartG).

Soweit in der Recht­spre­chung ganz über­wie­gend gefor­dert wird, dass über die rei­ne Kau­sa­li­tät hin­aus­ge­hend der Ver­mö­gens­nach­teil unmit­tel­bar auf der Ver­let­zung der ver­mö­gens­be­zo­ge­nen Treue­pflicht beru­hen muss 27, ist auch die­se Vor­aus­set­zung erfüllt. Sie wird ins­be­son­de­re nicht dadurch aus­ge­schlos­sen,

dass die unrecht­mä­ßi­ge Par­tei­spen­de zunächst noch ent­deckt und die Zah­lungs­pflicht auf­grund der par­tei­en­gesetz­li­chen Sank­ti­on des § 31c PartG noch einen fest­stel­len­den Ver­wal­tungs­akt des Bun­des­tags­prä­si­den­ten erfor­dert. Das Erfor­der­nis der Unmit­tel­bar­keit führt zunächst nicht dazu, dass Pflicht­wid­rig­keit und Nach­teil in einem engen zeit­li­chen Ver­hält­nis zuein­an­der ste­hen müs­sen; denn unmit­tel­bar in die­sem Sin­ne bedeu­tet nicht zeit­gleich, sofort oder auch nur als­bald 28. In der Sache ist mit Blick auf die ratio legis sowie die Struk­tur des Tat­be­stands der Untreue nach § 266 StGB der Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen Pflicht­ver­let­zung und Nach­teils­ein­tritt auch nicht des­halb zu ver­nei­nen, weil die Sank­ti­on erst ver­hängt wird und damit der Voll­scha­den erst ein­tritt, nach­dem die Tat­hand­lung ent­deckt wor­den ist. Für die Beja­hung der Unmit­tel­bar­keit maß­ge­bend ist viel­mehr, dass der Scha­dens­ein­tritt nicht von einer Hand­lung eines Drit­ten abhängt, dem ein Beur­tei­lungs­spiel­raum oder Ermes­sen ein­ge­räumt ist. Der Anspruch auf eine Straf­zah­lung nach § 31c PartG tritt kraft Geset­zes ein; der Bun­des­tags­prä­si­dent hat bei Vor­lie­gen der gesetz­lich ein­deu­tig umschrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen die Ver­pflich­tung der Par­tei auf Zah­lung des Drei­fa­chen des rechts­wid­rig erlang­ten Betra­ges ledig­lich durch Ver­wal­tungs­akt fest­zu­stel­len 29. Die Sank­ti­on des § 31c Abs. 1 Satz 1 PartG ist sowohl bezüg­lich des "Ob" als auch bezüg­lich des "Wie" zwin­gend. Der Scha­dens­ein­tritt ist somit dem Grun­de und der Höhe nach eine in kei­ner Wei­se dis­po­ni­ble Fol­ge der ver­mö­gens­schä­di­gen­den Hand­lung, ohne dass inso­weit ein recht­lich bedeut­sa­mer Zwi­schen­schritt not­wen­dig ist; er voll­zieht sich trotz der Not­wen­dig­keit des Tätig­wer­dens des Bun­des­tags­prä­si­den­ten in der Sache mate­ri­ell qua­si von selbst 30.

Bei der gebo­te­nen wirt­schaft­li­chen Betrach­tung ist damit das Ver­mö­gen der betrof­fe­nen Par­tei unmit­tel­bar um den sich aus § 31c Abs. 1 Satz 1 PartG erge­ben­den und damit bezif­fer­ba­ren Betrag ver­min­dert 31; der Scha­den ist hier auch end­gül­tig bei dem von der zunächst belas­te­ten Bun­des-CDU in Regress genom­me­nen Lan­des­ver­band der CDU Rhein­land-Pfalz ein­ge­tre­ten. Es kann dahin­ste­hen, ob der Revi­si­on dahin zu fol­gen ist, dass der aus § 31c Abs. 1 Satz 1 PartG fol­gen­de Betrag in Höhe des Drei­fa­chen der Spen­de, mit­hin 179.736 €, unter dem Gesichts­punkt der Scha­dens­kom­pen­sa­ti­on um die Höhe der Spen­de zu ver­min­dern ist. Hier­für könn­te die Rege­lung des § 31c Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 2 PartG spre­chen, nach der von der Par­tei bereits abge­führ­te Spen­den auf die Straf­zah­lung ange­rech­net wer­den. Ande­rer­seits ist es frag­lich, ob durch die Tat unmit­tel­bar bzw. gleich­zei­tig auch ein Vor­teil für die Par­tei begrün­det wird; denn die Sank­ti­on des § 31c Abs. 1 Satz 1 PartG wird nicht schon allein durch die Annah­me einer rechts­wid­ri­gen Spen­de aus­ge­löst. Maß­ge­ben­de, den Scha­den ver­ur­sa­chen­de und die Tat voll­enden­de Hand­lung ist viel­mehr das Nicht­wei­ter­lei­ten der Spen­de an den Bun­des­tags­prä­si­den­ten; denn nur unter die­ser Vor­aus­set­zung wird ein Ver­stoß gegen § 25 Abs. 4 PartG begrün­det, der wie­der­um Vor­aus­set­zung des Anspruchs nach § 31c Abs. 1 Satz 1 PartG ist 32. Jeden­falls wird durch die­se Fra­ge der Schuld­spruch nicht berührt. Es ist mit Blick auf die übri­gen Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen sowie den Umstand, dass der Unrechts- und Schuld­ge­halt der Tat hier auch wesent­lich durch die tat­ein­heit­lich began­ge­ne Untreue zum Nach­teil der Frak­ti­on bestimmt wird, im kon­kre­ten Fall auch aus­zu­schlie­ßen, dass das Land­ge­richt den sich aus § 266 Abs. 2, § 263 Abs. 3 Satz 1 und 2 Nr. 2 StGB erge­ben­den Straf­rah­men nicht ange­wen­det und bzw. oder eine noch gerin­ge­re Stra­fe ver­hängt hät­te, wenn es davon aus­ge­gan­gen wäre, dass die Höhe des Scha­dens der Par­tei nicht das Drei­fa­che, son­dern das Zwei­fa­che der Spen­de betrug.

Wei­te­re Untreue­hand­lun­gen[↑]

Die Ver­ur­tei­lung wegen Untreue zum Nach­teil der CDU-Frak­ti­on des Land­tags Rhein­land-Pfalz in Tat­ein­heit mit Untreue zum Nach­teil des CDU-Lan­des­ver­ban­des Rhein­land-Pfalz im Zusam­men­hang mit der Ver­gü­tung von C. mit der Umset­zung des Kon­zepts "Wahl­sieg 2006" begeg­net für den Bun­des­ge­richts­hof eben­falls kei­nen recht­li­chen Beden­ken:

Inso­weit wird zunächst auf die obi­gen Aus­füh­run­gen zu den im Zusam­men­hang mit der Erstel­lung des Kon­zepts "Wahl­sieg 2006" ver­wirk­lich­ten Delik­ten Bezug genom­men, die hier ent­spre­chend gel­ten. Ergän­zend ist aus­zu­füh­ren:

Der Straf­bar­keit des Ange­klag­ten wegen Untreue zum Nach­teil der CDU-Frak­ti­on des Land­tags Rhein­land-Pfalz steht nicht ent­ge­gen, dass den Fest­stel­lun­gen nicht ein­deu­tig ent­nom­men wer­den kann, ob der Ange­klag­te den Auf­trag an C. zur Umset­zung des genann­ten Kon­zepts wie bei der Erstel­lung des Kon­zepts im Namen der Par­tei oder abwei­chend hier­von im Namen der Frak­ti­on erteil­te. Eben­so sind die zivil­recht­li­che Wirk­sam­keit einer even­tu­el­len Ver­ein­ba­rung zwi­schen der Frak­ti­on und C. und die hier­mit zusam­men­hän­gen­de Fra­ge, ob die Miss­brauchs- oder die Treu­bruch­s­al­ter­na­ti­ve des § 266 Abs. 1 StGB gege­ben ist, nicht von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Maß­ge­bend ist viel­mehr, dass die Leis­tun­gen von C. in der Sache die Umset­zung des Wahl­kampf­kon­zepts und somit den Wir­kungs­kreis der Par­tei betra­fen; sie dien­ten dem­ge­mäß nicht der Erfül­lung von Auf­ga­ben der Frak­ti­on. Der Frak­ti­on war es mit­hin unter­sagt, sie mit den ihr zuge­wie­se­nen Mit­teln zu finan­zie­ren. Die­se Mit­tel stan­den der Frak­ti­on zur Erfül­lung der ihr eigent­lich im par­la­men­ta­ri­schen Sys­tem oblie­gen­den Auf­ga­ben nicht mehr zur Ver­fü­gung. Dem­nach ver­an­lass­te der Ange­klag­te ent­we­der, dass die Frak­ti­on ent­ge­gen den ver­fas­sungs­recht­li­chen und ein­fach­ge­setz­li­chen Vor­ga­ben eine Ver­pflich­tung gegen­über C. ein­ging und erfüll­te, oder sei­ne Hand­lun­gen bewirk­ten, dass die Frak­ti­on auf eine Ver­pflich­tung der Par­tei gegen­über C. für der Par­tei zugu­te gekom­me­ne Leis­tun­gen zahl­te. Der Ange­klag­te ver­letz­te somit durch sei­ne Hand­lun­gen in jeder in Betracht kom­men­den Alter­na­ti­ve die gegen­über der CDU-Frak­ti­on bestehen­de Treue­pflicht und füg­te die­ser einen Scha­den in Höhe der von ihm ver­an­lass­ten Zah­lun­gen von ins­ge­samt 326.006, 40 € zu.

Die Wer­tung des Land­ge­richts, die an C. gezahl­ten Gel­der sei­en letzt­lich voll­stän­dig dem CDU-Lan­des­ver­band Rhein­land-Pfalz zu Gute gekom­men, ist nicht zu bean­stan­den. Soweit die Revi­si­on inso­weit auf Bei­trä­ge des Ange­klag­ten F. in Stra­te­gie­krei­sen zu den "Bau­stel­len­ver­an­stal­tun­gen" abstellt, kam die­sen nach den Urteils­grün­den mit Blick auf die im Ein­zel­nen fest­ge­stell­ten umfang­rei­chen Wahl­wer­be­maß­nah­men, die C. als "Lead-Agen­tur" für die Par­tei und den Ange­klag­ten als deren Spit­zen­kan­di­da­ten leis­te­te, ledig­lich eine unter­ge­ord­ne­te, nicht ins Gewicht fal­len­de und von der Straf­kam­mer zutref­fend als "mit­tel­ba­rer Effekt" qua­li­fi­zier­te Bedeu­tung zu.

Die Zah­lun­gen der Frak­ti­on an C. für Leis­tun­gen, die als Wahl­wer­be­maß­nah­men der Par­tei zu Gute kamen, stel­len eine nach § 25 Abs. 2 Nr. 1 PartG rechts­wid­ri­ge Spen­de der Frak­ti­on an die Par­tei dar. Da auch die übri­gen Vor­aus­set­zun­gen des § 31c Abs. 1 Satz 1 PartG fest­ge­stellt sind und der Bun­des­tags­prä­si­dent einen ent­spre­chen­den fest­stel­len­den Bescheid erließ, hat die Straf­kam­mer zutref­fend einen Scha­den der Par­tei ange­nom­men. Es kann auch in die­sem Fall dahin­ste­hen, ob die­ser in Höhe des Drei­fa­chen der Spen­de, mit­hin 978.019, 20 € ein­trat, oder ob inso­weit der Betrag der Spen­de in Abzug zu brin­gen ist; denn auch hier wird der Schuld­spruch durch die­se Fra­ge nicht berührt und ist u.a. mit Blick auf Ver­ur­tei­lung wegen tat­ein­heit­lich began­ge­ner Untreue zum Nach­teil der Frak­ti­on ein Beru­hen des Straf­aus­spruchs auf einem mög­li­chen Rechts­feh­ler zum Nach­teil des Ange­klag­ten aus­zu­schlie­ßen. Ins­be­son­de­re wäre auch bei einem Scha­den der Par­tei von "ledig­lich" 652.012, 80 € die von der Recht­spre­chung bei etwa 50.000 € gezo­ge­ne Gren­ze eines Ver­mö­gens­ver­lus­tes gro­ßen Aus­ma­ßes im Sin­ne der § 266 Abs. 2, § 263 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 StGB ent­spre­chend der Wer­tung der Straf­kam­mer weit über­trof­fen gewe­sen.

Fal­scher Rechen­schafts­be­richt, § 31d PartG[↑]

Die Ver­ur­tei­lung wegen Bewir­kens eines fal­schen Rechen­schafts­be­richts gemäß § 31d Abs. 1 Nr. 1 PartG ist für den Bun­des­ge­richts­hof eben­falls rechts­feh­ler­frei:

Der Ange­klag­te bewirk­te, indem er den Rechen­schafts­be­richt des CDU-Lan­des­ver­ban­des Rhein­land-Pfalz für das Jahr 2005 unter­schrieb und an die Bun­des-CDU wei­ter­lei­te­te, vor­sätz­lich und in Ver­schleie­rungs­ab­sicht, dass in dem anschlie­ßend beim Bun­des­tags­prä­si­den­ten ein­ge­reich­ten Rechen­schafts­be­richt der Par­tei unrich­ti­ge Anga­ben ent­hal­ten waren. In dem Rechen­schafts­be­richt des Lan­des­ver­ban­des waren die Zah­lun­gen der Frak­ti­on in Höhe von 59.912 € für das Kon­zept "Wahl­sieg 2006" und von eben­falls im Jah­re 2005 geleis­te­ten 256.406, 40 € für des­sen Umset­zung nicht als Ein­nah­men ver­bucht.

Da § 31d PartG das Ver­trau­en der Öffent­lich­keit in die Rich­tig­keit der Rech­nungs­le­gung nach Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG und somit ein ande­res Rechts­gut als der dem Ver­mö­gens­schutz die­nen­de § 266 StGB schützt, kommt dem Ver­stoß gegen die Norm ein eigen­stän­di­ger Unwert­ge­halt zu, so dass es sich im Ver­hält­nis zur Untreue nicht um eine straf­lo­se mit­be­straf­te Nach­tat han­delt 33 und der Grund­satz der Selbst­be­las­tungs­frei­heit der Ver­ur­tei­lung nicht ent­ge­gen steht 34.

Straf­bar­keit des Ver­trags­part­ners[↑]

Der Ver­trags­part­ner leis­te­te zu den Untreu­ta­ten des Par­tei- und Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Bei­hil­fe, indem er die Rech­nun­gen im Jah­re 2005 mit dem Text "Für die kon­zep­tio­nel­le Ent­wick­lung par­la­men­ta­ri­scher Initia­ti­ven berech­nen wir ver­ein­ba­rungs­ge­mäß …" aus­stell­te, um auf die­se Wei­se zu ver­ber­gen, dass die Leis­tun­gen von C. in Wahr­heit der Par­tei zu Gute kamen. Die Straf­kam­mer hat schließ­lich mit Blick auf das Gewicht der Tat­bei­trä­ge des Ange­klag­ten F. sowie sein gro­ßes Inter­es­se am Tat­er­folg rechts­feh­ler­frei ange­nom­men, dass die­ser nach all­ge­mei­nen Maß­stä­ben als Mit­tä­ter gemäß § 25 Abs. 2 StGB zu qua­li­fi­zie­ren gewe­sen wäre und nur des­halb gleich­wohl eine Bei­hil­fe ange­nom­men, weil den Ange­klag­ten im Ver­hält­nis zur Frak­ti­on kei­ne beson­de­re Treue­pflicht im Sin­ne des § 266 Abs. 1 StGB traf, ihm somit ein beson­de­res per­sön­li­ches Merk­mal im Sin­ne des § 28 Abs. 1 StGB fehl­te 35.

(Ver­such­ter) Betrug durch Dritt­mit­tel­be­rei­che­rung[↑]

Die Ange­klag­ten waren lang­jäh­ri­ge Mit­glie­der der CDU, der Ange­klag­te Dr. B. als Lan­des- und Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der in beson­ders her­aus­ge­ho­be­ner Funk­ti­on. Bereits vor die­sem Hin­ter­grund liegt es fern, dass die Ange­klag­ten bei ihren Anga­ben in dem Prü­fungs­ver­fah­ren des Lan­des­rech­nungs­hofs nicht die Mög­lich­keit im Blick hat­ten, dass von des­sen Aus­gang auch die Gel­tend­ma­chung eines Rück­for­de­rungs­an­spruchs gegen die Frak­ti­on durch die Land­tags­ver­wal­tung abhing und sie die­sen Aus­gang durch ihre Anga­ben maß­geb­lich beein­flus­sen konn­ten. Trag­fä­hi­ge Grün­de dafür, dass die Straf­kam­mer gleich­wohl den sub­jek­ti­ven Tat­be­stand des Betru­ges für nicht nach­weis­bar erach­tet hat, sind den Urteils­grün­den nicht zu ent­neh­men. Die Straf­kam­mer hat inso­weit in ers­ter Linie pau­schal auf die von den Ange­klag­ten anläss­lich des Prü­fungs­ver­fah­rens ver­fass­ten Schrei­ben abge­stellt, ohne deren Inhalt näher zu wür­di­gen. Dane­ben hat sie – eben­falls ledig­lich pau­schal – die dama­li­ge beruf­li­che Situa­ti­on der Ange­klag­ten benannt. Dem­ge­gen­über fin­det eine sub­stan­ti­ier­te Aus­ein­an­der­set­zung mit den sons­ti­gen kon­kre­ten Umstän­den des vor­lie­gen­den Fal­les, die für einen Vor­satz der Ange­klag­ten strei­ten, nicht statt. Ins­be­son­de­re hat das Land­ge­richt dem Umstand kei­ne Beach­tung geschenkt, dass die Ange­klag­ten den fest­ge­stell­ten End­zweck ihres Ver­hal­tens – die Ver­de­ckung des frü­he­ren Fehl­ver­hal­tens – nur errei­chen konn­ten, wenn die Prü­fung zu dem Ergeb­nis führ­te, dass Rück­for­de­rungs­an­sprü­che der Lan­des­ver­wal­tung nicht bestehen und der Land­tag infol­ge des­sen kei­nen Rück­zah­lungs­an­spruch gegen die Frak­ti­on nach § 6 FraktG RP gel­tend mach­te. Hin­zu kommt, dass das Land­ge­richt ledig­lich mit­ge­teilt hat, die Ange­klag­ten hät­ten die­sen Tat­vor­wurf bestrit­ten, ohne Ein­zel­hei­ten der Ein­las­sun­gen zu nen­nen. Auch dies wäre im vor­lie­gen­den Fall mit Blick auf die gesam­te Beweis­si­tua­ti­on erfor­der­lich gewe­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Dezem­ber 2014 – 3 StR 265/​14

  1. inso­weit unklar VGH RP, Urteil vom 19.08.2002 – VGH O 3/​02, NVwZ 2003, 75, 80 f.[]
  2. st. Rspr.; vgl. etwa BVerfG, Beschluss vom 23.06.2010 – 2 BvR 2559/​08 u.a., BVerfGE 126, 170, 208 ff.; BGH, Beschlüs­se vom 01.04.2008 – 3 StR 493/​07, wis­tra 2008, 427, 428 mwN; vom 13.09.2010 – 1 StR 220/​09, BGHSt 55, 288, 297 f. mwN; Urteil vom 28.07.2011 – 4 StR 156/​11, NJW 2011, 2819; Beschluss vom 05.03.2013 – 3 StR 438/​12, BGHR StGB § 266 Abs. 1 Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht 52[]
  3. BGH, Urteil vom 13.04.2010 – 5 StR 428/​09, BGHR StGB § 266 Abs. 1 Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht 47[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 24.06.2010 – 3 StR 90/​10, wis­tra 2010, 445, 446 für den Vor­stand einer Stif­tung; Urteil vom 12.12 2013 – 3 StR 146/​13, wis­tra 2014, 186, 188 für den Vor­ste­her eines als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts orga­ni­sier­ten Was­ser­ver­ban­des[]
  5. vgl. schon BGH, Urteil vom 27.02.1975 – 4 StR 571/​74, NJW 1975, 1234 für einen Ver­eins­vor­sit­zen­den[]
  6. vgl. BVerfG, Beschluss vom 23.06.2010 – 2 BvR 2559/​08, u.a., BVerfGE 126, 170, 210; BGH, Urteil vom 06.12 2001 – 1 StR 215/​01, BGHSt 47, 187, 197; Beschluss vom 13.09.2010 – 1 StR 220/​09, BGHSt 55, 288, 300; Urteil vom 28.05.2013 – 5 StR 551/​11, NStZ 2013, 715[]
  7. BVerfG, Urteil vom 19.07.1966 – 2 BvF 1/​65, BVerfGE 20, 56, 104 f.; zu den Grund­la­gen der Frak­ti­ons­fi­nan­zie­rung vgl. auch Lesch, ZRP 2002, 159; Paeff­gen, in Fest­schrift Dahs, 143, 146 ff.[]
  8. vgl. BVerfG, Urteil vom 02.03.1977 – 2 BvE 1/​76, BVerfGE 44, 125, 143, 146[]
  9. BVerfG, Beschluss vom 19.05.1982 – 2 BvR 630/​81, NVwZ 1982, 613 mwN[]
  10. vgl. hier­zu etwa BT-Drs. 14/​6710, S. 45 f.[]
  11. so auch VGH RP aaO, NVwZ 2003, 75, 78 ff.[]
  12. vgl. hier­zu etwa BGH, Urtei­le vom 21.12 2005 – 3 StR 470/​04, BGHSt 50, 331, 336; vom 22.11.2005 – 1 StR 571/​04, NStZ 2006, 221, 222; vgl. auch Fischer, StGB, 62. Aufl., § 266 Rn. 66 mwN[]
  13. zum Ver­hält­nis der bei­den Tat­be­stand­s­al­ter­na­ti­ven vgl. BGH, Urteil vom 21.12 2005 – 3 StR 470/​04, BGHSt 50, 331, 342[]
  14. BGH, Urteil vom 21.12 2005 – 3 StR 470/​04, BGHSt 50, 331, 342 f.; S/​S‑Perron, 29. Aufl., § 266 Rn. 21[]
  15. vgl. BGH, Urtei­le vom 21.12 2005 – 3 StR 470/​04, BGHSt 50, 331, 342; vom 17.09.2009 – 5 StR 521/​08, BGHSt 54, 148, 158[]
  16. BGH, Beschluss vom 17.08.2006 – 4 StR 117/​06, NStZ-RR 2006, 378, 379; Urteil vom 23.05.2002 – 1 StR 372/​01, BGHSt 47, 295, 301 f.[]
  17. vgl. LK/​Tiedemann, StGB, 12. Aufl., § 263 Rn. 167 mwN[]
  18. VGH RP aaO[]
  19. vgl. Bosch in: Kersten/​Rixen, PartG, § 31d Rn. 99: "Par­tei­en­un­treue im enge­ren Sin­ne"[]
  20. BGH, Beschlüs­se vom 21.12 2006 – 3 StR 240/​06, NStZ-RR 2007, 176; vom 13.04.2011 – 1 StR 94/​10, BGHSt 56, 203, 222; Lam­pe in Erbs/​Kohlhaas, Straf­recht­li­che Neben­ge­set­ze, 180. ErgLfg.2010, PartG § 31d Rn. 43; Ipsen/​Saliger, Par­tei­enG, § 31d Rn. 134; Bosch in: Kersten/​Rixen, PartG, § 31d Rn. 98; Len­ski, Par­tei­en­gesetz, § 31d PartG Rn. 42; Sali­ger, Par­tei­en­gesetz und Straf­recht, S. 663 ff.; vgl. auch BVerfG, Beschluss vom 23.06.2010 – 2 BvR 2559/​08 u.a., BVerfGE 126, 170, 202[]
  21. BT-Drs. 14/​8778 S. 17[]
  22. vgl. BT-Drs. aaO; Lam­pe in Erbs/​Kohlhaas aaO, PartG § 31d Rn. 2[]
  23. vgl. Ipsen/​Koch, Par­tei­enG, § 31c Rn. 6[]
  24. BGH, Beschlüs­se vom 13.04.2011 – 1 StR 94/​10, BGHSt 56, 203, 210 f.; vom 05.09.2012 – 1 StR 297/​12, NJW 2012, 3797, 3798; s. auch Sali­ger, Par­tei­en­gesetz und Straf­recht, S. 37 ff.[]
  25. BGH, Beschluss vom 13.04.2011 – 1 StR 94/​10, BGHSt 56, 203, 211 f.[]
  26. vgl. VG Ber­lin, Urteil vom 26.11.2004 – 2 A 146/​03, NVwZ 2005, 1101, 1102; Ipsen/​Jochum, Par­tei­enG, § 27 Rn. 8 ff.; Kers­ten in: Kersten/​Rixen, PartG, § 27 Rn. 8 ff.; Lam­pe in Erbs/​Kohlhaas aaO, PartG § 27 Rn. 2 f.; Len­ski, Par­tei­en­gesetz, § 27 Rn. 5 ff.; Sali­ger, Par­tei­en­gesetz und Straf­recht, S. 78 ff.[]
  27. vgl. etwa BGH, Urteil vom 25.04.2006 – 1 StR 519/​05, BGHSt 51, 29, 33; Beschluss vom 27.03.2012 – 3 StR 447/​11 18[]
  28. BGH, Beschluss vom 13.04.2011 – 1 StR 94/​10, BGHSt 56, 203, 221[]
  29. Kers­ten in: Kersten/​Rixen, PartG, § 31c Rn. 8, 17; Len­ski, Par­tei­en­gesetz, § 31c Rn. 8; Sali­ger, Par­tei­en­gesetz und Straf­recht, S. 670[]
  30. vgl. SSW-Sali­ger, 2. Aufl., § 266 Rn. 75a; Sali­ger, Par­tei­en­gesetz und Straf­recht, S. 671 ff.[]
  31. BGH, Beschluss vom 13.04.2011 – 1 StR 94/​10, BGHSt 56, 213, 220[]
  32. Len­ski, Par­tei­en­gesetz, § 31c Rn. 3[]
  33. zu den dies­be­züg­li­chen Vor­aus­set­zun­gen vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2014 – 3 StR 178/​13, NStZ 2014, 579, 580[]
  34. BGH, Urteil vom 18.10.2006 – 2 StR 499/​05, BGHSt 51, 100, 116 f.[]
  35. vgl. BGH, Beschluss vom 25.10.2011 – 3 StR 309/​11, NStZ 2012, 630[]

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