In dubio pro reo – bei BTM-Delik­ten

Nach der Ent­schei­dungs­re­gel "in dubio pro reo" hat das Tat­ge­richt, wenn es nach Aus­schöp­fung aller Beweis­mit­tel nicht die vol­le Über­zeu­gung vom Vor­lie­gen einer für den Schuld- oder Straf­aus­spruch ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­che gewon­nen hat, zuguns­ten des Ange­klag­ten die für ihn güns­tigs­te von meh­re­ren in Betracht kom­men­den Vari­an­ten sei­ner Ent­schei­dung zugrun­de zu legen 1.

In dubio pro reo – bei BTM-Delik­ten

Indem das Land­ge­richt die zum Eigen­be­darf vor­rä­tig gehal­te­ne Betäu­bungs­mit­tel­men­ge auf eine sol­che mit einem Wirk­stoff­ge­halt von höchs­tens 7, 49 Gramm THC geschätzt hat, hat es bei unkla­rer Sach­la­ge sei­ner Ent­schei­dung nicht die für den Ange­klag­ten güns­tigs­te Sach­ver­halts­va­ri­an­te ange­nom­men. Zwar führt die­se Bestim­mung des Eigen­kon­sum­an­teils dazu, dass der Ange­klag­te nicht auch gemäß § 29a Abs. 1 Nr. 2 Var. 4 BtMG wegen Besit­zes von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge zu ver­ur­tei­len war; dadurch ver­bleibt aber zugleich ein grö­ße­rer Anteil der Gesamt­men­ge, der für den gewinn­brin­gen­den Ver­kauf bestimmt war. Dies ist für den Ange­klag­ten vor­lie­gend in hohem Maße ungüns­tig, weil an das Merk­mal des Han­dels mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge der Tat­be­stand des bewaff­ne­ten Han­del­trei­bens gemäß § 30a Abs. 2 Nr. 2 BtMG anknüpft, der zu der deut­lich erhöh­ten Min­dest­stra­fe von fünf Jah­ren Frei­heits­stra­fe führt.

Es kann hier auch nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Ange­klag­te in jedem Fall eine nicht gerin­ge Men­ge der Betäu­bungs­mit­tel zum Han­del­trei­ben vor­rä­tig hielt, denn nach den Fest­stel­lun­gen hat­te das bei ihm sicher­ge­stell­te Haschisch unter­schied­li­che Wirk­stoff­ge­hal­te: Ein Teil wies ledig­lich 4, 6 % Wirk­stoff­ge­halt auf; eine Teil­men­ge der Betäu­bungs­mit­tel mit die­ser Qua­li­tät hät­te bei der für den Eigen­ver­brauch unter­stell­ten Wirk­stoff­men­ge von 7, 49 Gramm ein Gesamt­ge­wicht von ca. 163 Gramm gehabt. Die Straf­kam­mer hat es damit theo­re­tisch für mög­lich gehal­ten, dass der Ange­klag­te eine sol­che Men­ge Haschisch für den Eigen­ver­brauch vor­rä­tig hielt. Die­se Men­ge mit der ande­ren gemes­se­nen Wirk­stoff­kon­zen­tra­ti­on von 7, 7 % THC hät­te einen Wirk­stoff­an­teil von 12, 53 Gramm THC erge­ben; dann wären indes nur 7, 33 Gramm THC und damit gera­de kei­ne nicht gerin­ge Men­ge der Betäu­bungs­mit­tel zum gewinn­brin­gen­den Ver­kauf übrig geblie­ben.

Für die neue Ver­hand­lung weist der Bun­des­ge­richts­hof des­wei­te­ren noch dar­auf hin, dass die Annah­me des Land­ge­richts, bei dem Ange­klag­ten sei Geld in "sze­ne­ty­pi­scher Stü­cke­lung" auf­ge­fun­den wor­den, ange­sichts der kon­kret mit­ge­teil­ten Auf­tei­lung der Geld­schei­ne, die – gerichts­be­kann­ter­ma­ßen – so auch bei der Abhe­bung eines ent­spre­chen­den Geld­be­trags aus einem Geld­au­to­mat aus­ge­ge­ben wor­den sein könn­ten, einer nach­voll­zieh­ba­ren Grund­la­ge ent­behrt; jeden­falls ergibt sich aus der vor­ge­fun­de­nen Stü­cke­lung kein belast­ba­res Indiz dafür, dass das Geld aus Dro­gen­ge­schäf­ten stam­me.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Dezem­ber 2015 – 3 StR 384/​15

  1. KK-Ott, StPO, 7. Aufl., § 261 Rn. 56 mwN[]