Indi­vi­dua­li­sie­rung der Tat­hand­lun­gen in der Ankla­ge

Zeit und Ort einer Tat sind in aller Regel unver­zicht­ba­re Anga­ben zu ihrer Indi­vi­dua­li­sie­rung in der Ankla­ge. Trotz­dem kön­nen die­se Anga­ben ent­behr­lich sein, falls eine ange­klag­te Tat durch ande­re Ein­zel­hei­ten unver­wech­sel­bar beschrie­ben und von ande­ren Hand­lun­gen unter­scheid­bar ist.

Indi­vi­dua­li­sie­rung der Tat­hand­lun­gen in der Ankla­ge

Die Ankla­ge hat die dem Ange­klag­ten zur Last geleg­te Tat sowie Zeit und Ort ihrer Bege­hung so genau zu bezeich­nen, dass die Iden­ti­tät des geschicht­li­chen Vor­gangs klar­ge­stellt und erkenn­bar wird, wel­che Tat gemeint ist; sie muss sich von ande­ren gleich­ar­ti­gen straf­ba­ren Hand­lun­gen des­sel­ben Täters unter­schei­den las­sen 1. Es darf nicht unklar blei­ben, über wel­chen Sach­ver­halt das Gericht nach dem Wil­len der Staats­an­walt­schaft urtei­len soll 2. Auf­ga­be der Ankla­ge­schrift ist dem­nach in ers­ter Linie die Umrei­ßung des geschicht­li­chen Vor­gan­ges, über den das Gericht nach dem Wil­len der Staats­an­walt­schaft urtei­len soll 3.

Zeit und Ort der Bege­hung der Tat, die in § 200 Abs. 1 Satz 1 StPO beson­ders her­vor­ge­ho­ben wer­den, sind zwar wich­ti­ge Indi­vi­dua­li­sie­rungs­merk­ma­le, sie sind aber nicht uner­läss­lich, wenn sie nicht exakt fest­stell­bar sind. Ist die Tat durch ande­re Tat­um­stän­de unver­wech­sel­bar bestimmt, kann die Anga­be von Zeit und Ort sogar ver­zicht­bar sein oder sich auf einen mög­lichst kurz zu bemes­sen­den Zeit­raum beschrän­ken 4. So liegt es hier, weil kei­ne Serie gleich gela­ger­ter Straf­ta­ten, son­dern aus­schließ­lich zwei unter­scheid­ba­re Hand­lun­gen geschil­dert wer­den.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le – Beschluss vom 06. Novem­ber 2013 – 2 Ws 322/​13

  1. BGH st. Rspr., vgl. BGHR StPO § 200 Abs. 1 Satz 1 Tat 3[]
  2. BGHSt 40, 44, 45[]
  3. BGHSt 40, 44 f. m.w.N.[]
  4. LR-Stu­cken­berg, StPO, 26. Aufl., § 200, Rz.19[]