Inter­na­tio­na­ler Dro­gen­ku­rier – und der Trans­port als Han­del­trei­ben

Unter den Begriff des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln fällt jede eigen­nüt­zi­ge Bemü­hung, die dar­auf gerich­tet ist, den Umsatz mit Betäu­bungs­mit­teln zu ermög­li­chen oder zu för­dern 1. Das weit aus­zu­le­gen­de Tat­be­stands­merk­mal "Han­del­trei­ben" wird im Hin­blick auf die "weit nach vor­ne" geleg­te Voll­endungs­schwel­le als (unech­tes) Unter­neh­mens­de­likt bezeich­net 2.

Inter­na­tio­na­ler Dro­gen­ku­rier – und der Trans­port als Han­del­trei­ben

Der vor­lie­gend erfolg­te Trans­port des Can­na­bis­öls dien­te dazu, den Umsatz des in den Nie­der­lan­den erwor­be­nen Öls aus eigen­nüt­zi­gen Grün­den zu för­dern. Der sol­cher­ma­ßen auf Absatz gerich­te­te Trans­port von Betäu­bungs­mit­teln ist daher bereits als Han­del­trei­ben im Sin­ne des § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG zu wer­ten 3.

Der Anwen­dungs­be­reich des natio­na­len Straf­rechts bestimmt sich nach den §§ 3 ff. StGB, denen zunächst das Ter­ri­to­ria­li­täts­prin­zip zu Grun­de liegt, wonach das deut­sche Straf­recht nur für sol­che Taten gilt, die im Inland sowie auf bestimm­ten Schif­fen oder Luft­fahr­zeu­gen began­gen wer­den (§§ 3, 4 StGB). Anknüp­fungs­punkt ist inso­weit der Bege­hungs­ort der Tat, so dass die natio­na­le Straf­ge­walt ihre Legi­ti­ma­ti­on in dem Bezug des geahn­de­ten Ver­hal­tens zum Staats­ge­biet fin­det. Die Fest­stel­lung des Tat­orts ent­schei­det von daher, ob über § 3 StGB ohne wei­te­res deut­sches Straf­recht anwend­bar ist. Wo wie­der­um der Bege­hungs­ort einer Tat liegt, rich­tet sich für den Täter nach § 9 Abs. 1 StGB. Began­gen ist danach eine Hand­lung an jedem Ort, an dem der Täter gehan­delt hat oder im Fal­le des Unter­las­sens hät­te han­deln müs­sen (Hand­lungs­ort) oder an dem der zum Tat­be­stand gehö­ren­de Erfolg ein­ge­tre­ten ist oder nach der Vor­stel­lung des Täters ein­tre­ten soll­te (Erfolgs­ort). § 9 Abs. 1 StGB bestimmt dem­ge­mäß, dass der Ort des Han­delns (§ 9 Abs. 1 Var. 1 und 2 StGB) und der Ort des Erfolgs­ein­tritts (§ 9 Abs. 1 Var. 3 und 4 StGB) glei­cher­ma­ßen Tat­or­te und damit Anknüp­fungs­punk­te für die Anwen­dung des Ter­ri­to­ri­al­grund­sat­zes dar­stel­len.

Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln ist ein Tätig­keits­de­likt. Für die Fra­ge, ob die Tat gemäß § 3 i.V.m. § 9 Abs. 1 StGB im Inland began­gen ist, ist des­halb allein auf den Hand­lungs­ort abzu­stel­len 4. Gemäß §§ 3, 9 Abs. 1 StGB ist der Täter dem deut­schem Straf­recht unter­wor­fen, wenn er im Inland eine zur Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung füh­ren­de Tätig­keit vor­nimmt und sich dadurch in Wider­spruch zur Rechts­ord­nung sei­nes Auf­ent­halts­or­tes setzt. Dem­ge­mäß ist eine Tat als an jedem Ort began­gen anzu­se­hen, an dem der Täter eine auf die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung gerich­te­te Tätig­keit ent­fal­tet oder ver­sucht hat 5. Beim Han­del­trei­ben ist daher ein Hand­lungs­ort über­all dort gege­ben, wo ein Teil­akt ver­wirk­licht wird 6, mit­hin auch dort, wo Betäu­bungs­mit­tel zum Zweck des Umsatz­ge­schäf­tes trans­por­tiert wer­den 7.

Da der Ange­klag­te mit dem Trans­port des Can­na­bis­öls durch die Bun­des­re­pu­blik eine auf die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung des § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG gerich­te­te Tätig­keit im Inland ent­fal­tet hat, ist das durch die­sen Teil­akt ver­wirk­lich­te ein­heit­li­che Han­del­trei­ben als Inland­s­tat anzu­se­hen 8. Dass der Wei­ter­ver­kauf des Can­na­bis­öls erst im Aus­land ein­tre­ten soll­te, ist für die Bestim­mung des Bege­hungs­or­tes eben­so uner­heb­lich wie der Umstand, dass es zu sei­ner Her­bei­füh­rung noch wei­te­rer Tätig­kei­ten des Ange­klag­ten bedurf­te.

Ob einer Straf­bar­keit wegen Han­del­trei­bens nach deut­schem Recht ent­ge­gen­ste­hen könn­te, wenn dies in Ser­bi­en straf­recht­lich nicht ver­folgt wür­de, kann vor­lie­gend schon des­halb dahin­ste­hen, weil gemäß Arti­kel 246 Abs. 1 des Straf­ge­setz­buchs der Repu­blik Ser­bi­en der Han­del mit Can­na­bis­öl auch dann straf­bar ist, wenn er zu Heil­zwe­cken erfolgt; die Mög­lich­keit eines Abse­hens bzw. Erlas­ses von Stra­fe ist für die­sen Fall gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Febru­ar 2016 – 2 StR 413/​15

  1. BVerfG, NJW 2007, 1193; BGH, Beschluss vom 26.10.2005 – GSSt 1/​05, BGHSt 50, 252, 256[]
  2. vgl. BGH, GSSt aaO, 262; BGH, Beschluss vom 24.10.2006 – 3 StR 392/​06, NStZ 2007, 531, 532[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 13.05.1986 – 5 StR 143/​86, NStZ 1986, 415; Beschluss vom 01.08.2006 – 3 StR 149/​06, NStZ 2007, 287[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 31.03.2011 – 3 StR 400/​10; vom 17.07.2002 – 2 ARs 164/​02, NStZ 2003, 269; vgl. auch Weber, BtMG, 4. Aufl., Vor §§ 29 ff. Rn. 83[]
  5. vgl. Schönke/​Schröder/​Eser, StGB, 29. Aufl., § 9 Rn. 3; LK-Wer­le/Jeß­ber­ger, 12. Aufl., § 9 Rn. 10[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 01.08.2006 – 3 StR 149/​06, NStZ 2007, 287; Körner/​Patzak/​Volkmer, BtMG, 8. Aufl., Vor §§ 29 Rn. 294[]
  7. vgl. Weber, BtMG, 4. Aufl., Vorb. §§ 29 ff. Rn. 105[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 13.05.1986 – 5 StR 143/​86, NStZ 1986, 415; NK/​Böse, StGB, 4. Aufl., § 9 Rn. 6[]