Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen­ent­schei­dun­gen – und die Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht lei­ten­der Finanz­be­am­ten

Der Bun­des­ge­richts­hof hat den Frei­spruch zwei­er lei­ten­der Finanz­be­am­ter trotz unbe­rech­tig­ter Aus­zah­lung von Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen bestä­tigt.

Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen­ent­schei­dun­gen – und die Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht lei­ten­der Finanz­be­am­ten

Die Staats­an­walt­schaft hat den bei­den Ange­klag­ten, die in den Jah­ren 2003 bis 2005 als lei­ten­de Finanz­be­am­te im Finanz­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern unter ande­rem mit Fra­gen der Gewäh­rung von Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen für för­de­rungs­wür­di­ge Bau­vor­ha­ben befasst waren, Untreue­hand­lun­gen zur Last gelegt. Sie sol­len durch die Ertei­lung von Wei­sun­gen an ihnen nach­ge­ord­ne­te Finanz­be­am­te zur unbe­rech­tig­ten Aus­zah­lung von Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen bei­getra­gen haben.

Von die­sen Vor­wür­fen hat das Land­ge­richt Schwe­rin die Ange­klag­ten frei­ge­spro­chen 1. Dage­gen rich­ten sich die Revi­sio­nen der Staats­an­walt­schaft, die der Bun­des­ge­richts­hof nun ver­wor­fen hat:

Der Straf­tat­be­stand der Untreue (§ 266 Abs. 1 StGB) setzt die Ver­let­zung einer Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht vor­aus, an der es hier nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs fehlt.

Zwar obliegt dem Finanz­be­am­ten eine Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht für das Fis­kal­ver­mö­gen. Soweit der Gesetz­ge­ber jedoch die Prü­fung außer­steu­er­li­cher Vor­aus­set­zun­gen auf ande­re Behör­den über­tra­gen hat, ist der Finanz­be­am­te an deren Ent­schei­dung gebun­den. Im vor­lie­gen­den Fall waren die Finanz­be­am­ten nach dem Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen­ge­setz 1999 neben der Prü­fung der steu­er­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nur zur Prü­fung von Exis­tenz und Wirk­sam­keit der von den Gemein­den aus­ge­stell­ten Beschei­ni­gun­gen zur Bele­gen­heit des Grund­stücks ver­pflich­tet, nicht aber zur Prü­fung ihrer Recht­mä­ßig­keit.

Soweit den Finanz­be­am­ten durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen vor­ge­ge­ben war, in Zwei­fels­fäl­len die aus­stel­len­de Behör­de zu einer Über­prü­fung ihrer Ent­schei­dung zu ver­an­las­sen, han­del­te es sich nicht um eine straf­be­wehr­te Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Sep­tem­ber 2017 – 2 StR 24/​16

  1. LG Schwe­rin, Urteil vom 09.03.2015 – 364 Js 16 530/​06 – 31 KLs 1/​10 – 1 Ss 101/​15[]