Jugend­stra­fe für einen inzwi­schen 24jährigen

Dem Erzie­hungs­ge­dan­ken bei der Bestim­mung von Art und Dau­er der Sank­ti­on für die Tat des zum Zeit­punkt der Ver­kün­dung des erst­in­stanz­li­chen Urteils bereits 23 Jah­re und fast sie­ben Mona­te alten und damit im straf­recht­li­chen Sin­ne erwach­se­nen Ange­klag­ten kann bereits nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ein allen­falls gerin­ges Gewicht zukom­men [1].

Jugend­stra­fe für einen inzwi­schen 24jährigen

Schon die­ser Rechts­feh­ler führt dazu, dass der Straf­aus­spruch nicht bestehen blei­ben kann. Der 3. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs muß­te des­halb hier nicht ent­schei­den, ob er in vol­lem Umfang der neue­ren Auf­fas­sung des 1. Straf­se­nats zustim­men könn­te, der nun­mehr wei­ter gehend und der – soweit ersicht­lich – über­wie­gen­den Ansicht in der Lite­ra­tur [2] fol­gend dazu neigt, bei einer auf die Schwe­re der Schuld gestütz­ten Jugend­stra­fe die Erzie­hungs­fä­hig­keit und bedürf­tig­keit des jugend­li­chen oder her­an­wach­sen­den Straf­tä­ters gene­rell nicht zu berück­sich­ti­gen [3].

Er gibt aller­dings zu erwä­gen, dass ins­be­son­de­re auch ver­fas­sungs­recht­li­che Vor­ga­ben [4] Anlass dazu sein könn­ten, die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung dahin wei­ter zu ent­wi­ckeln, dass bei der Ver­hän­gung von Sank­tio­nen gegen Straf­tä­ter, die zum Zeit­punkt ihrer Ver­ur­tei­lung bereits das 21. Lebens­jahr voll­endet haben und somit im straf­recht­li­chen Sin­ne als erwach­sen gel­ten, der Erzie­hungs­ge­dan­ke nicht mehr nur von gerin­gem Gewicht sein kann, son­dern ins­ge­samt kein taug­li­ches Straf­zu­mes­sungs­kri­te­ri­um mehr ist.

Dies könn­te mit Blick auf § 89b Abs. 1 Satz 2 JGG jeden­falls für sol­che Täter gel­ten, die zu dem genann­ten Zeit­punkt das 24. Lebens­jahr voll­endet haben und deren Jugend­stra­fe des­halb regel­mä­ßig im Straf­voll­zug für Erwach­se­ne zu voll­zie­hen ist [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. August 2015 – 3 StR 214/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 17.03.2006 – 1 StR 577/​05, NStZ 2006, 587, 588; Urteil vom 31.08.2004 – 1 StR 213/​04 12[]
  2. vgl. etwa Brunner/​Dölling, JGG, 12. Aufl., § 17 Rn. 14b; Münch­Komm-StGB/­Rad­tke, JGG § 17 Rn. 60; HK-JGG/Laue, 2. Aufl., § 17 Rn. 28; aA etwa Eisen­berg, JGG, 17. Aufl., § 17 Rn. 34a[]
  3. BGH, Beschluss vom 06.05.2013 – 1 StR 178/​13, BGHR JGG § 17 Abs. 2 Schwe­re der Schuld 5 mit Anmer­kung Eisen­berg, NStZ 2013, 636[]
  4. vgl. Budel­mann, Jugend­straf­recht für Erwach­se­ne?, S. 80 ff.[]
  5. vgl. Eisen­berg NStZ 2013, 636, 637[]