Jugend­stra­fe – und die Schwe­re der Schuld

Maß­geb­li­cher Anknüp­fungs­punkt für die nach jugend­spe­zi­fi­schen Kri­te­ri­en 1 zu bestim­men­de Schwe­re der Schuld nach § 17 Abs. 2 JGG ist die inne­re Tat­sei­te.

Jugend­stra­fe – und die Schwe­re der Schuld

Dem äuße­ren Unrechts­ge­halt der Tat kommt nur inso­fern Bedeu­tung zu, als hier­aus Schlüs­se auf die Per­sön­lich­keit des Täters und das Maß der per­sön­li­chen Schuld gezo­gen wer­den kön­nen.

Ent­schei­dend ist, inwie­weit sich die cha­rak­ter­li­che Hal­tung, die Per­sön­lich­keit und die Tat­mo­ti­va­ti­on des jugend­li­chen oder her­an­wach­sen­den Täters in der Tat in vor­werf­ba­rer Schuld nie­der­ge­schla­gen haben 2.

Der das Jugend­straf­recht als Straf­zweck beherr­schen­de Erzie­hungs­ge­dan­ke ist auch dann vor­ran­gig zu berück­sich­ti­gen, wenn eine Jugend­stra­fe aus­schließ­lich wegen Schwe­re der Schuld ver­hängt wird. Das bedeu­tet aller­dings nicht, dass die Erzie­hungs­wirk­sam­keit als ein­zi­ger Gesichts­punkt bei der Straf­zu­mes­sung her­an­zu­zie­hen ist. Viel­mehr sind dane­ben auch ande­re Straf­zwe­cke, bei Kapi­tal­ver­bre­chen und ande­ren schwer­wie­gen­den Straf­ta­ten nament­lich der Süh­ne­ge­dan­ke und das Erfor­der­nis eines gerech­ten Schuld­aus­gleichs zu beach­ten. Erzie­hungs­ge­dan­ke und Schuld­aus­gleich ste­hen dabei in der Regel mit­ein­an­der in Ein­klang, da die cha­rak­ter­li­che Hal­tung und das Per­sön­lich­keits­bild, wie sie in der Tat zum Aus­druck gekom­men sind, nicht nur für das Erzie­hungs­be­dürf­nis, son­dern auch für die Bewer­tung der Schuld von Bedeu­tung sind 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. August 2016 – 4 StR 142/​16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 20.04.2016 – 2 StR 320/​15 NJW 2016, 2050, 2051; Rad­tke in Münch­Komm, 2. Aufl., § 17 JGG Rn. 58, 70[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 20.04.2016 – 2 StR 320/​15 aaO mwN; Beschluss vom 14.08.2012 – 5 StR 318/​12, NStZ 2013, 289, 290; Urtei­le vom 29.09.1961 – 4 StR 301/​61, BGHSt 16, 261, 263; vom 11.11.1960 – 4 StR 387/​60, BGHSt 15, 224, 226[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 06.05.2013 – 1 StR 178/​13, NStZ 2013, 658, 659; Urtei­le vom 23.03.2010 – 5 StR 556/​09, NStZ-RR 2010, 290 f.; vom 31.10.1995 – 5 StR 470/​95, NStZ-RR 1996, 120; vom 16.11.1993 – 4 StR 591/​93, StV 1994, 598, 599[]