Jugend­stra­fe – Schwe­re der Schuld vs. erzie­he­ri­sche Wir­kung

Auch bei einer wegen der Schwe­re der Schuld ver­häng­ten Jugend­stra­fe ist gemäß § 18 Abs. 2 JGG die Höhe der Stra­fe so zu bemes­sen, dass die erfor­der­li­che erzie­he­ri­sche Ein­wir­kung mög­lich ist1.

Jugend­stra­fe – Schwe­re der Schuld vs. erzie­he­ri­sche Wir­kung

Grund­sätz­lich ist zwar die in den gesetz­li­chen Rege­lun­gen des all­ge­mei­nen Straf­rechts zum Aus­druck gelan­gen­de Bewer­tung des Aus­ma­ßes des in einer Straf­tat her­vor­ge­tre­te­nen Unrechts auch bei der Bestim­mung der Höhe der Jugend­stra­fe zu berück­sich­ti­gen.

Kei­nes­falls darf aber die Begrün­dung wesent­lich oder gar aus­schließ­lich nach sol­chen Zumes­sungs­er­wä­gun­gen vor­ge­nom­men wer­den, die auch bei Erwach­se­nen in Betracht kom­men.

Die Bemes­sung der Jugend­stra­fe erfor­dert viel­mehr von der Jugend­kam­mer, das Gewicht des Tat­un­rechts gegen die Fol­gen der Stra­fe für die wei­te­re Ent­wick­lung des Her­an­wach­sen­den abzu­wä­gen2. Denn auch bei einer wegen der Schwe­re der Schuld ver­häng­ten Jugend­stra­fe bemisst sich ihre Höhe vor­ran­gig nach erzie­he­ri­schen Gesichts­punk­ten. Die Urteils­grün­de müs­sen daher in jedem Fall erken­nen las­sen, dass dem Erzie­hungs­ge­dan­ken die ihm zukom­men­de Beach­tung geschenkt wor­den ist3.

Erfor­der­lich ist dar­über hin­aus eine Abwä­gung zwi­schen dem Tat­un­recht und den Fol­gen der Ver­bü­ßung der ver­häng­ten Jugend­stra­fe für die wei­te­re Ent­wick­lung des Ange­klag­ten4.

Des Wei­te­ren bedarf es der Erör­te­rung, wel­che erzie­he­ri­schen Wir­kun­gen die voll­zo­ge­ne Unter­su­chungs­haft auf den bis dahin nicht vor­be­straf­ten Ange­klag­ten gehabt hat5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. April 2016 – 1 StR 95/​16

  1. BGH, Beschlüs­se vom 21.07.1995 – 2 StR 309/​95, BGHR JGG § 18 Abs. 2 Erzie­hung 10; und vom 18.08.1992 – 4 StR 313/​92, BGHR JGG § 18 Abs. 2 Erzie­hung 8
  2. BGH, Beschluss vom 18.08.1992 – 4 StR 313/​92, BGHR JGG § 18 Abs. 2 Erzie­hung 8; Eisen­berg JGG 18. Aufl., § 18 Rn. 42
  3. BGH, Beschluss vom 22.04.2015 – 2 StR 503/​14, NStZ 2016, 105
  4. st. Rspr.; BGH, Urteil vom 19.02.2014 – 2 StR 413/​13, NStZ 2014, 407; BGH, Beschlüs­se vom 28.02.2012 – 3 StR 15/​12, NStZ-RR 2012, 186, 187; vom 11.04.1989 – 1 StR 108/​89, BGHR JGG § 18 Abs. 2 Erzie­hung 3; und vom 14.01.1992 – 5 StR 657/​91, BGHR JGG § 18 Abs. 2 Erzie­hung 7; 18.08.1992 – 4 StR 313/​92, BGHR JGG § 18 Abs. 2 Erzie­hung 8; und vom 14.07.1994 – 4 StR 367/​94, BGHR JGG § 18 Abs. 2 Erzie­hung 9
  5. BGH, Beschluss vom 10.09.1985 – 1 StR 416/​85, StV 1986, 68
  6. vgl. BVerfGE 111, 307, 317