Jugendstrafrecht – bei Heranwachsenden

9. November 2018 | Strafrecht
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Gemäß § 105 Abs. 1 Nr. 1 JGG ist auf einen Heranwachsenden Jugendstrafrecht anzuwenden, wenn die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters bei Berücksichtigung auch der Umweltbedingungen ergibt, dass er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand.

Einem Jugendlichen gleichzustellen ist der noch ungefestigte und prägbare Heranwachsende, bei dem Entwicklungskräfte noch in größerem Umfang wirksam sind.

Ist das nicht der Fall und stehen Reiferückstände nicht im Vordergrund, hat der Täter vielmehr die einen jungen Erwachsenen kennzeichnende Ausformung erfahren, ist auf ihn allgemeines Strafrecht anzuwenden1.

Ob dies der Fall ist, ist aufgrund einer Gesamtwürdigung seiner Persönlichkeit und unter Berücksichtigung der sozialen Lebensbedingungen und Umweltbedingungen zu beurteilen. Dem Tatrichter steht hierbei ein weiter Beurteilungsspielraum zu2.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 11. September 2018 – 1 StR 193/18

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteile vom 23.10.1958 – 4 StR 327/58, BGHSt 12, 116, 118; vom 16.01.1968 – 1 StR 604/67, BGHSt 22, 41, 42; vom 06.12 1988 – 1 StR 620/88, BGHSt 36, 37, 39; vom 20.05.2002 – 2 StR 2/02, BGHR JGG § 105 Abs. 1 Nr. 1 Entwicklungsstand 8; und vom 20.05.2014 – 1 StR 610/13, NStZ 2015, 230 f.
  2. BGH, Urteile vom 06.12 1988 – 1 StR 620/88, BGHSt 36, 37 f. mwN; vom 11.03.2003 – 1 StR 507/02, NStZ-RR 2003, 186 ff.; und vom 20.05.2014 – 1 StR 610/13, NStZ 2015, 230 f.; Beschluss vom 14.08.2012 – 5 StR 318/12, NStZ 2013, 289 f.

 
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