Kau­sa­li­tät – und das wei­te­re Täter­han­deln

Ursäch­lich für den Ein­tritt eines tat­be­stands­mä­ßi­gen Erfolgs ist jede Bedin­gung, die den Erfolg her­bei­ge­führt hat. Dabei ist gleich­gül­tig, ob neben der Tat­hand­lung noch ande­re Umstän­de, Ereig­nis­se oder Gesche­hens­ab­läu­fe zur Her­bei­füh­rung des Erfolgs bei­getra­gen haben 1.

Kau­sa­li­tät – und das wei­te­re Täter­han­deln

Ein Kau­sal­zu­sam­men­hang ist nur dann zu ver­nei­nen, wenn ein spä­te­res Ereig­nis die Fort­wir­kung der ursprüng­li­chen Bedin­gung besei­tigt und sei­ner­seits allein unter Eröff­nung einer neu­en Ursa­chen­rei­he den Erfolg her­bei­ge­führt hat 2.

Ein Kau­sal­zu­sam­men­hang ist nur dann zu ver­nei­nen, wenn ein spä­te­res Ereig­nis die Fort­wir­kung der ursprüng­li­chen Bedin­gung besei­tigt und sei­ner­seits allein unter Eröff­nung einer neu­en Ursa­chen­rei­he den Erfolg her­bei­ge­führt hat 2.

Ob es sich bei dem mit­wir­ken­den Ver­hal­ten um ein sol­ches des Opfers oder um delik­ti­sches oder unde­lik­ti­sches Ver­hal­ten eines Drit­ten 3 oder des Täters selbst han­delt 4, ist dabei ohne Bedeu­tung.

Danach waren im vor­lie­gen­den Fall nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs die mit Tötungs­ab­sicht geführ­ten Schlä­ge mit der Metall­stan­ge unbe­scha­det des Umstands, dass das Tat­op­fer unmit­tel­bar an den Fol­gen der spä­te­ren Mes­ser­schnit­te ver­starb, für den Tod des Opfers ursäch­lich. Denn der Ein­satz des Mes­sers gegen das bewusst­lo­se, bereits töd­lich ver­letz­te Opfer, um es end­gül­tig zu töten, knüpf­te an das vor­aus­ge­gan­ge­ne Gesche­hen an und wäre ohne die durch die Schlä­ge mit der Metall­stan­ge geschaf­fe­ne Lage nicht mög­lich gewe­sen.

Der Tod des Opfers als Fol­ge der mit der Metall­stan­ge geführ­ten Schlä­ge ist dem Ange­klag­ten auch sub­jek­tiv als von dem die Aus­füh­rung der Schlä­ge tra­gen­den Vor­satz mit­um­fasst zuzu­rech­nen. Der Vor­satz des Täters muss sich auf den zum Ein­tritt des tat­be­stand­li­chen Erfolgs füh­ren­den Gesche­hens­ab­lauf erstre­cken 5. Da die­ser indes kaum je in allen Ein­zel­hei­ten zu erfas­sen ist, wird der Vor­satz durch unwe­sent­li­che Abwei­chun­gen des vor­ge­stell­ten vom tat­säch­li­chen Gesche­hens­ab­lauf nicht in Fra­ge gestellt. Eine Abwei­chung vom vor­ge­stell­ten Kau­sal­ver­lauf ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs als unwe­sent­lich anzu­se­hen, wenn sie sich inner­halb der Gren­zen des nach all­ge­mei­ner Lebens­er­fah­rung Vor­her­seh­ba­ren hält und kei­ne ande­re Bewer­tung der Tat recht­fer­tigt 6. Unter Zugrun­de­le­gung die­ses Maß­stabs ist in Fäl­len, in denen bei Angrif­fen gegen das Leben der Tod des Opfers nicht unmit­tel­bar durch die Angriffs­hand­lung son­dern durch vor­sätz­li­ches Han­deln eines Drit­ten oder eine nicht mehr vom Tötungs­vor­satz getra­ge­ne Ver­de­ckungs­hand­lung des Täters her­bei­ge­führt wur­de, von der Recht­spre­chung eine wesent­li­che Abwei­chung vom Kau­sal­ver­lauf ver­neint wor­den 7.

Im vor­lie­gen­den Fall ist nach den fest­ge­stell­ten Tat­um­stän­den eine ledig­lich unwe­sent­li­che Abwei­chung des tat­säch­li­chen vom vor­ge­stell­ten Kau­sal­ver­lauf gege­ben. Der Umstand, dass der Tod des durch die Schlä­ge mit der Metall­stan­ge bereits töd­lich ver­letz­ten Tat­op­fers unmit­tel­bar durch die im Zuge der Bemü­hun­gen um eine Tat­ver­schleie­rung mit glei­cher Angriffs­rich­tung gegen das wider Erwar­ten noch nicht ver­stor­be­ne Opfer geführ­ten Mes­ser­sti­che bewirkt wur­de, bewegt sich nicht außer­halb jeder Wahr­schein­lich­keit und recht­fer­tigt kei­ne ande­re Bewer­tung der Tat.

Der Ange­klag­te hat sich durch die mit der Metall­stan­ge geführ­ten Schlä­ge gegen das Tat­op­fer damit eines voll­ende­ten Mor­des in der Tat­be­stand­s­al­ter­na­ti­ve der heim­tü­cki­schen Tötung schul­dig gemacht. Der durch die Mes­ser­schnit­te nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts gleich­falls ver­wirk­lich­te Tot­schlag nach § 212 Abs. 1 StGB tritt, da die Her­bei­füh­rung des Todes­er­folgs dem Ange­klag­ten straf­recht­lich nur ein­mal ange­las­tet wer­den kann, kon­kur­renz­recht­lich hin­ter den Mord zurück 8.

Die Ent­schei­dung des 5. Straf­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs vom 12.06.2001 9 steht der hier getrof­fe­nen Ent­schei­dung nicht ent­ge­gen, weil dem Urteil des 5. Straf­se­nats nicht zu ent­neh­men ist, ob die dort vor­ge­nom­me­ne recht­li­che Wür­di­gung auf einer abwei­chen­den Rechts­an­sicht oder einer ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Bewer­tung fest­ge­stell­ter Tat­um­stän­de beruht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Dezem­ber 2015 – – 4 StR 223/​15

  1. BGH, Urteil vom 30.08.2000 – 2 StR 204/​00, NStZ 2001, 29, 30[]
  2. BGH, Urteil vom 10.01.2008 – 3 StR 463/​07 Rn. 21[][]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 10.01.2008 – 3 StR 463/​07 aaO; vom 30.08.2000 – 2 StR 204/​00 aaO; vom 12.09.1984 – 3 StR 245/​84, StV 1985, 100; vom 18.06.1957 – 5 StR 164/​57, BGHSt 10, 291, 293 f.; vom 06.07.1956 – 5 StR 434/​55, bei Dal­lin­ger, MDR 1956, 526[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 30.03.1993 – 5 StR 720/​92, BGHSt 39, 195, 198; vom 14.03.1989 – 1 StR 25/​89, NJW 1989, 2479 f.; vom 26.04.1960 – 5 StR 77/​60, BGHSt 14, 193, 194; vom 23.10.1951 – 1 StR 348/​51, bei Dal­lin­ger, MDR 1952, 16; RGSt 67, 258 f.[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 09.10.1969 – 2 StR 376/​69, BGHSt 23, 133, 135; vom 21.04.1955 – 4 StR 552/​54, BGHSt 7, 325, 329[]
  6. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 15.02.2011 – 1 StR 676/​10, BGHSt 56, 162, 166; Urteil vom 30.08.2000 – 2 StR 204/​00 aaO; Beschluss vom 11.07.1991 – 1 StR 357/​91, BGHSt 38, 32, 34; Vogel in LK-StPO, 12. Aufl., § 16 Rn. 56 ff. mwN[]
  7. vgl. BGH, Urtei­le vom 30.08.2000 – 2 StR 204/​00 aaO; vom 26.04.1960 – 5 StR 77/​60 aaO; vom 06.07.1956 – 5 StR 434/​55, aaO[]
  8. vgl. Rogall, JZ 1993, 1066, 1068[]
  9. BGH, Urteil vom 12.06.2001 – 5 StR 432/​00, NStZ 2002, 253[]