Kein Geld fürs Por­to – und kei­ne Wie­der­ein­set­zung

Kein Geld um das Brief­por­to zu zah­len – das ist eine schlech­te Aus­re­de bei einer ver­säum­ten Frist, wie eine Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs zeigt:

Kein Geld fürs Por­to – und kei­ne Wie­der­ein­set­zung

Das Land­ge­richt hat den Ange­klag­ten am 25.11.2015 frei­ge­spro­chen und sei­ne Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus ange­ord­net. Mit Schrei­ben vom 06. und 7.12 2015, beim Land­ge­richt ein­ge­gan­gen am 9.12 2015, leg­te der Ange­klag­te gegen das in sei­ner Anwe­sen­heit ver­kün­de­te Urteil Revi­si­on ein. Mit Schrei­ben vom 20.12 2015, beim Land­ge­richt ein­ge­gan­gen am 24.12 2015 bean­trag­te der Ange­klag­te, ihm Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Rechts­mit­tel­frist zu gewäh­ren und trug vor, er habe die Frist schuld­los ver­säumt; er habe nach sei­ner Ver­le­gung in die Maß­re­gel­ein­rich­tung auf "sein Geld" gewar­tet und habe frü­her nicht über das für das Brief­por­to erfor­der­li­che Geld ver­fügt.

Der Bun­des­ge­richts­hof lehn­te eine Wie­der­ein­set­zung ab und ver­warf die Revi­si­on wegen ver­spä­te­ter Ein­le­gung als unzu­läs­sig:

Der Wie­der­ein­set­zungs­an­trag ist bereits unzu­läs­sig, weil der Ange­klag­te nicht mit­ge­teilt hat, wann das der Fris­tein­hal­tung ent­ge­gen­ste­hen­de Hin­der­nis weg­ge­fal­len ist.

Dar­über hin­aus legt sein Vor­brin­gen eine schuld­lo­se Frist­ver­säu­mung nicht nahe. Soweit der Ange­klag­te ange­ge­ben hat, nicht über die für das Brief­por­to erfor­der­li­chen Geld­mit­tel ver­fügt zu haben, kann sei­nem Vor­brin­gen weder ent­nom­men wer­den, ob die­ses Hin­der­nis tat­säch­lich bestand noch ob dies eine recht­zei­ti­ge Rechts­mit­tel­ein­le­gung tat­säch­lich hin­der­te.

Der Ange­klag­te hat nicht dar­ge­tan, ob die Maß­re­gel­ein­rich­tung die Beför­de­rung der Rechts­mit­tel­schrift unfran­kiert abge­lehnt hat; dies liegt in Anse­hung des Umstands, dass Anspruch auf die kos­ten­freie Beför­de­rung einer Rechts­mit­tel­schrift besteht, eher fern.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juni 2016 – 2 StR 82/​16