Kei­ne DNA-Pro­be zur Auf­ty­pi­sie­rung

Eine Anord­nung nach § 81g Abs. 1 S. 1 StPO ver­stößt bei einem Betrof­fe­nen, des­sen DNA-Mus­ter bereits mit acht Merk­mals­sys­te­men (frü­he­rer Stan­dard) gespei­chert ist, gegen das Gebot der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, wenn sie nur dazu dient, ein DNA-Mus­ter nach dem aktu­el­len EU-Stan­dard mit 13 oder 14 Merk­mal­sys­te­men zu erhe­ben (sog. Auf­ty­pi­sie­rung).

Kei­ne DNA-Pro­be zur Auf­ty­pi­sie­rung

Wie jede hoheit­li­che Maß­nah­me steht auch die Anord­nung der Ent­nah­me von Kör­per­zel­len zum Zwe­cke der Iden­ti­täts­fest­stel­lung in künf­ti­gen Straf­ver­fah­ren unter dem Gebot der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Dage­gen ver­stößt die Anord­nung, weil die Wie­der­ho­lung der Unter­su­chung zur Spei­che­rung eines DNA-Mus­ters mit 13 oder 14 Merk­mal­sys­te­men nach dem neu­en EU-Stan­dard (Auf­ty­pi­sie­rung) nach dem Zweck der DNA-Datei nicht erfor­der­lich ist [1]. Auch die bis­her gespei­cher­ten acht Merk­mals­sys­te­me des Betrof­fe­nen gewähr­leis­ten, dass der Betrof­fe­ne bei zukünf­ti­gen Straf­ta­ten als Spu­ren­le­ger ermit­telt oder aus­ge­schlos­sen wer­den kann. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass bei einem sog. DNA-Tref­fer selbst bei einer Spei­che­rung nach dem neu­en EU-Stan­dard regel­mä­ßig eine Veri­fi­zie­rung nötig wäre.

Aus den Bera­tun­gen im Rechts­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges zu § 81g Abs. 1 StPO ergibt sich im Übri­gen, dass der ehe­mals geplan­te Halb­satz "die Ent­nah­me von Kör­per­zel­len ist unzu­läs­sig, wenn bereits ein aus­rei­chen­des DNA-Iden­ti­fi­zie­rungs­mus­ter auf Grund einer Unter­su­chung nach § 81e StPO vor­liegt" wegen Ent­behr­lich­keit gestri­chen wur­de [2], was dafür spricht, dass es der Gesetz­ge­ber abge­lehnt hät­te, jedem Betrof­fe­nen erneut zwangs­wei­se Kör­per­zel­len abneh­men zu las­sen, wenn er sich mit der Mög­lich­keit der Ein­füh­rung eines neu­en Stan­dards zur Spei­che­rung der DNA-Mus­ter aus­ein­an­der gesetzt hät­te.

Land­ge­richt Ros­tock, Beschluss vom 28. Sep­tem­ber 2012 – 13 Qs 221/​12

  1. vgl. AG Ham­burg, Beschluss vom 21.06.2012, Az.: 166 Gs 553/​12 unter Ver­weis auf LG Ham­burg, Beschluss vom 12.03.2012, Az.: 616 Qs 2/​12[]
  2. BT-Drs. 13/​11116, Sei­te 7[]