Kei­ne Sitz­plät­ze in Mün­chen – und kei­ne Ersatz­be­stel­lung via Karls­ru­he

Die Pos­se um die Ver­ga­be fes­ter Sitz­plät­ze für Jour­na­lis­ten für das NSU-Straf­ver­fah­ren beim Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen ist um zwei Karls­ru­her Kapi­tel rei­cher:

Kei­ne Sitz­plät­ze in Mün­chen – und kei­ne Ersatz­be­stel­lung via Karls­ru­he

Der Online-Jour­na­list

Am 1. Mai (kein Witz, dass Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat offen­sicht­lich am Tag der Arbeit gear­bei­tet) schei­ter­te ein Online-Jour­na­list mit sei­nem Wunsch für einen Sitz­platz, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt lehn­te sei­nen Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung mit dem Ziel der Zutei­lung eines Sitz­plat­zes bzw. der Video­über­tra­gung in einen wei­te­ren Saal ab.

Der Antrag­stel­ler ist frei­er Jour­na­list und Online-Jour­na­list und wen­det sich im Wesent­li­chen des­halb gegen die neue Ver­fü­gung des Vor­sit­zen­den des 6. Straf­se­nats des Ober­lan­des­ge­richts Mün­chen vom 19. April 2013, weil das neue Ver­fah­ren kei­ne Kon­tin­gen­te für freie und Online-Jour­na­lis­ten vor­ge­se­hen habe. Hilfs­wei­se bean­tragt er die Video­über­tra­gung des Pro­zes­ses.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt lehn­te den Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung ab. Eine Ver­let­zung des Rechts des Beschwer­de­füh­rers auf Gleich­be­hand­lung im publi­zis­ti­schen Wett­be­werb gemäß Art. 3 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ist, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, nach sei­nem Vor­brin­gen offen­sicht­lich nicht gege­ben. Bei der Ver­tei­lung knap­per Sitz­plät­ze hat der Vor­sit­zen­de des jewei­li­gen Spruch­kör­pers einen erheb­li­chen Ermes­sens­spiel­raum. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über­prüft des­sen Anord­nun­gen nur dahin­ge­hend, ob sie Ver­fas­sungs­recht ver­let­zen und ins­be­son­de­re, ob sie auf einer grund­sätz­lich unrich­ti­gen Anschau­ung von der Bedeu­tung eines Grund­rechts beru­hen. Es ist dage­gen nicht Sache des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, eine Ver­tei­lungs­ent­schei­dung des Vor­sit­zen­den umfas­send und im Ein­zel­nen dar­auf zu über­prü­fen, ob die bes­te Ver­teil­mo­da­li­tät gewählt wor­den war. Ein Anspruch auf Bild- und Ton­über­tra­gung der Ver­hand­lung in einen ande­ren Saal des Gerichts lässt sich aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG nicht her­lei­ten.

Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Streit­fall einen Zustand durch einst­wei­li­ge Anord­nung vor­läu­fig regeln, wenn dies zur Abwehr schwe­rer Nach­tei­le, zur Ver­hin­de­rung dro­hen­der Gewalt oder aus einem ande­ren wich­ti­gen Grund zum gemei­nen Wohl drin­gend gebo­ten ist. Dabei haben die Grün­de, die für die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des ange­grif­fe­nen Hoheits­ak­tes vor­ge­tra­gen wer­den, grund­sätz­lich außer Betracht zu blei­ben. Der Antrag auf Eil­rechts­schutz hat jedoch kei­nen Erfolg, wenn eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de unzu­läs­sig oder offen­sicht­lich unbe­grün­det wäre [1].

Eine Ver­let­zung des Rechts des Beschwer­de­füh­rers auf Gleich­be­hand­lung im publi­zis­ti­schen Wett­be­werb gemäß Art. 3 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ist nach sei­nem Vor­brin­gen offen­sicht­lich nicht gege­ben. Bei der Ver­tei­lung knap­per Sitz­plät­ze hat der Vor­sit­zen­de des jewei­li­gen Spruch­kör­pers einen erheb­li­chen Ermes­sens­spiel­raum. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über­prüft des­sen Anord­nun­gen nur dahin­ge­hend, ob sie Ver­fas­sungs­recht ver­let­zen und ins­be­son­de­re, ob sie auf einer grund­sätz­lich unrich­ti­gen Anschau­ung von der Bedeu­tung eines Grund­rechts beru­hen [2]. Es ist dage­gen nicht Sache des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, eine Ver­tei­lungs­ent­schei­dung des Vor­sit­zen­den umfas­send und im Ein­zel­nen dar­auf zu über­prü­fen, ob die bes­te Ver­teil­mo­da­li­tät gewählt wor­den war [3]. Ein Anspruch auf Bild- und Ton­über­tra­gung der Ver­hand­lung in einen ande­ren Saal des Gerichts lässt sich aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG nicht her­lei­ten [4].

Der Pech­vo­gel

Här­ter traf es den frei­en Jour­na­lis­ten in der zwei­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de, die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am 2. Mai nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men wur­de:

Hier hat­te ein frei­er Jour­na­list eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein­ge­reicht und den Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung bean­tragt, der im ers­ten Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren des Ober­lan­des­ge­richts Mün­chen einen fes­ten Sitz­platz erlangt hat­te, im zwei­ten Durch­gang im Los­ver­fah­ren aber leer aus­ge­gan­gen war. Er wand­te sich dar­auf­hin mit sei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de und sei­nem Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung ins­be­son­de­re aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes gegen die neue Ver­fü­gung des Vor­sit­zen­den des 6. Straf­se­nats des Ober­lan­des­ge­richts Mün­chen vom 19. April 2013.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men. Sie ist nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts unbe­grün­det, weil Grund­rech­te des Beschwer­de­füh­rers nicht ver­letzt sind. Mit der Nicht­an­nah­me der Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat sich zugleich der Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung erle­digt.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 1. Mai 2013 – 1 BvQ 13/​13
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 2. Mai 2013 – 1 BvR 1236/​13

  1. vgl. BVerfGE 71, 158, 161; 111, 147, 152 f.; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 18, 85, 97 f.[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss der 1. Kam­mer des Ers­ten Senats vom 18.03.2008 – 1 BvR 282/​01 -, NJW-RR 2008, S. 1069[]
  4. BVerfGE 87, 331, 333[]