Kel­ten­kreuz – Ver­wen­dung straf­bar

Der für Staats­schutz­straf­sa­chen zustän­di­ge 3. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat­te im Rah­men eines Vor­la­ge­ver­fah­rens über die Fra­ge zu ent­schei­den, ob das öffent­li­che Ver­wen­den eines sti­li­sier­ten Kel­ten­kreu­zes – die Dar­stel­lung eines gleich­schenk­li­gen Bal­ken­kreu­zes, um des­sen Schnitt­punkt ein Ring gelegt ist -, das von der ver­bo­te­nen ver­fas­sungs­feind­li­chen „Volks­so­zia­lis­ti­schen Bewe­gung Deutschlands/​Par­tei der Arbeit“ (VSBD/​PdA) als Emblem benutzt wur­de, auch dann den Straf­tat­be­stand des Ver­wen­dens von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Orga­ni­sa­tio­nen (§ 86 a StGB) erfüllt, wenn das Sym­bol iso­liert, d. h. ohne kon­kre­ten Hin­weis auf die ver­bo­te­ne Orga­ni­sa­ti­on öffent­lich ver­wen­det wird. Der Senat hat die­se Fra­ge im Grund­satz bejaht.

Kel­ten­kreuz – Ver­wen­dung straf­bar

Der Mehr­deu­tig­keit des Kel­ten­kreu­zes, das nicht nur in sti­li­sier­ter Aus­ge­stal­tung Emblem der ver­bo­te­nen VSBD/​PdA war, son­dern auch als unver­fäng­li­ches Sym­bol, ins­be­son­de­re in kul­tur­his­to­ri­schen oder reli­giö­sen Zusam­men­hän­gen- wenn­gleich inso­weit eher sel­ten als sti­li­sier­tes Zei­chen – ver­wen­det wird, kann nach Auf­fas­sung des Senats nicht dadurch Rech­nung getra­gen wer­den, dass die Anwend­bar­keit des § 86 a StGB auf Fäl­le beschränkt wird, in denen das sti­li­sier­te Kel­ten­kreuz einen kon­kre­ten Bezug zur ver­bo­te­nen Orga­ni­sa­ti­on auf­weist. Eine sol­cher­ma­ßen vor­ge­nom­me­ne Ein­engung des Straf­tat­be­stands lie­fe dem weit gespann­ten Schutz­zweck der Norm zuwi­der und böte ins­be­son­de­re Anhän­gern der VSBD/​PdA viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, das sti­li­sier­te Kel­ten­kreuz straf­los wie­der als Sym­bol der ver­bo­te­nen Ver­ei­ni­gung im öffent­li­chen Leben zu eta­blie­ren. Die­ser Gefahr kann wirk­sam nur durch ein gene­rel­les Ver­bot der Ver­wen­dung des sti­li­sier­ten Kel­ten­kreu­zes in der Öffent­lich­keit begeg­net wer­den.

Aus­nah­men von die­sem Grund­satz gel­ten aller­dings in Fort­füh­rung der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung des § 86 a StGB dann, wenn die äuße­ren Umstän­de der Ver­wen­dung des Sym­bols ein­deu­tig erge­ben, dass der Schutz­zweck des § 86 a StGB nicht tan­giert, also das Sym­bol offen­kun­dig in einem unver­fäng­li­chen Zusam­men­hang gebraucht wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Okto­ber 2008 – 3 StR 164/​08