Kin­der­por­no­gra­phie – Ver­brei­tung und Besitz

Der Tat- bestand der Ver­brei­tung kin­der­por­no­gra­phi­scher Schrif­ten (§ 184b Abs. 1 Nr. 2 StGB in der bis zum 26.01.2015 gül­ti­gen Fas­sung) und der­je­ni­ge des – suk­zes­si­ven – Besit­zes kin­der­por­no­gra­phi­scher Schrif­ten (§ 184b Abs. 4 Satz 2 StGB in der bis zum 26.01.2015 gül­ti­gen Fas­sung bzw. § 184b Abs. 3 Alter­na­ti­ve 2 StGB nF) ste­hen inso­weit im Ver­hält­nis der Tat­ein­heit zuein­an­der.

Kin­der­por­no­gra­phie – Ver­brei­tung und Besitz

Grund­sätz­lich ver­drängt zwar die Tat­hand­lungs­va­ri­an­te des Ver­brei­tens in Form des öffent­li­chen Zugäng­lich­ma­chens die­je­ni­ge des Besit­zes als sub­si­diä­ren Auf­fang­tat­be­stand 1. Dies betrifft jedoch aus­schließ­lich den Zeit­raum des Zugäng­lich­ma­chens, dage­gen nicht die Zeit danach. Hier über­dau­er­te die Spei­che­rung der Datei­en das über das File­sha­ring-Pro­gramm vor­ge­nom­me­ne Bereit­stel­len an Drit­te.

Für die Tat­hand­lungs­va­ri­an­te des Sich-Ver­schaf­fens gilt zwar, dass sie auch den nach­fol­gen­den Besitz als sub­si­diä­res Delikt ver­drängt 2.

Auf die Tat­hand­lungs­va­ri­an­te des Ver­brei­tens in der Form des öffent­li­chen Zugäng­lich­ma­chens lässt sich die­se kon­kur­renz­recht­li­che Bewer­tung aber nicht über­tra­gen; denn das Zugäng­lich­ma­chen dient nicht der Besitz­be­grün­dung.

Ande­rer­seits ist der der Ver­brei­tung nach­fol­gen­de Besitz nicht als eigen­stän­di­ge mate­ri­ell­recht­li­che Tat zu beur­tei­len; denn für die Fort­set­zung der Spei­che­rung bedurf­te es kei­nes neu­en Tatent­schlus­ses, auf­grund des­sen eine tat­mehr­heit­li­che Tat­be­ge­hung anzu­neh­men wäre.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Juni 2018 – 3 StR 180/​18

  1. vgl. LK/​Laufhütte/​Roggenbuck, StGB, 12. Aufl., § 184b Rn. 22; Münch­Komm-StG­B/­Hörn­le, 3. Aufl., § 184b Rn. 55[]
  2. s. BGH, Beschlüs­se vom 10.07.2008 – 3 StR 215/​08, NStZ 2009, 208; vom 03.09.2015 – 1 StR 255/​15, NStZ-RR 2016, 198[]