Kinderpornos – Sich-Verschaffen und Besitz

Hat sich der Täter die inkriminierten Bild- und Videodateien durch Herunterladen und Speichern auf verschiedenen internen oder externen Speichermedien selbst verschafft und dadurch den Tatbestand von § 184b Abs. 4 Satz 1 bzw. § 184c Abs. 4 Satz 1 Var. 1 StGB verwirklicht, tritt gegenüber dem Sich-Verschaffen gemäß § 184b Abs. 4 Satz 1 StGB der Besitztatbestand gemäß § 184b Abs. 4 Satz 2 StGB als subsidiärer Auffangtatbestand zurück1.

Kinderpornos – Sich-Verschaffen und Besitz

Für den in der tatbestandlichen Struktur und der Schutzrichtung weitgehend übereinstimmenden § 184c Abs. 4 Satz 1 StGB gilt im Verhältnis des Sich-Verschaffens (§ 184c Abs. 4 Satz 1 Var. 1 StGB) zu dem Besitz (§ 184c Abs. 4 Satz 1 Var. 2 StGB) jugendpornographischer Schriften (§ 11 Abs. 3 StGB) nichts anderes. Der Angeklagte ist daher jeweils wegen Sich-Verschaffens von kinder- bzw. jugendpornographischen Schriften zu verurteilen2.

Lädt der Täter im Verlaufe einer Internetsitzung jeweils mehrere Dateien mit kinderpornographischem Inhalt auf seinen Computer herunter, handelt es sich aufgrund natürlicher Handlungseinheit jeweils lediglich um eine Tat des Sich-Verschaffens im Sinne von § 184b Abs. 4 Satz 1 StGB3. Entsprechendes gilt für § 184c Abs. 4 Satz 1 Var. 1 StGB.

Soweit versucht wird, die Annahme jeweils einzelner Taten pro Bild- bzw. Videodatei mit jeweils „gesonderten Tatentschlüssen“ zu begründen, ist dies jedenfalls dann nicht tragfähig, wenn bei nahezu allen Sitzungen zwischen dem Herunterladen mehrerer Dateien jeweils lediglich Sekunden oder Minuten lagen. Das deutet nicht auf jeweils neue Tatentschlüsse hin.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 3. September 2015 – 1 StR 255/15

  1. st. Rspr.; BGH, Beschlüsse vom 10.07.2008 – 3 StR 215/08, NStZ 2009, 208; vom 04.08.2009 – 3 StR 174/09 Rn. 25, StV 2010, 294; vom 08.02.2012 – 4 StR 657/11 Rn. 3, StV 2012, 540[]
  2. zur Bezeichnung dieses verwirklichten Tatbestandes in der Entscheidungsformel siehe BGH, Beschluss vom 08.02.2012 – 4 StR 657/11 Rn. 4, StV 2012, 540[]
  3. BGH, Beschluss vom 10.07.2008 – 3 StR 215/08, NStZ 2009, 208; BGH, Urteil vom 10.10.2013 – 4 StR 258/13 Rn. 14; BGH, Beschluss vom 03.12 2014 – 4 StR 342/14 Rn. 8; siehe auch BGH, Beschluss vom 10.07.2014 – 2 StR 166/14 Rn. 4[]