Kla­ge­er­zwi­nungs­an­trag – und die For­ma­lia

Bei dem Antrag auf gericht­li­che Ent­schei­dung sind gemäß § 172 Abs. 2 StPO die Tat­sa­chen, wel­che die Erhe­bung der öffent­li­chen Kla­ge begrün­den sol­len, und die Beweis­mit­tel anzu­ge­ben.

Kla­ge­er­zwi­nungs­an­trag – und die For­ma­lia

Erfor­der­lich ist eine Dar­stel­lung, die das Ober­lan­des­ge­richt in die Lage ver­setzt, ohne Rück­griff auf die Ermitt­lungs­ak­ten eine Schlüs­sig­keits­prü­fung vor­zu­neh­men 1. Dazu gehört eine aus sich her­aus ver­ständ­li­che Dar­stel­lung des mate­ri­el­len Sach­ver­halts, der bei Unter­stel­lung sei­ner Rich­tig­keit im Sin­ne hin­rei­chen­den Tat­ver­dachts eine Ankla­ge­er­he­bung zu recht­fer­ti­gen ver­mag, eben­so wie eine Dar­stel­lung des Gangs des Ermitt­lungs­ver­fah­rens in gro­ben Zügen 2.

Da die Erfolgs­aus­sicht eines Kla­ge­er­zwin­gungs­an­tra­ges nicht allein davon abhängt, ob die einem Beschul­dig­ten zur Last geleg­te Straf­tat in einer Haupt­ver­hand­lung wahr­schein­lich nach­ge­wie­sen wer­den kann, son­dern auch davon, ob die for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen für eine Sach­ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts vor­lie­gen, müs­sen des Wei­te­ren Tat­sa­chen ange­ge­ben wer­den, denen das Ober­lan­des­ge­richt die Ein­hal­tung der zu beach­ten­den Fris­ten, ins­be­son­de­re der Frist zur Ein­le­gung der Vor­schalt­be­schwer­de nach § 172 Abs. 1 S. 1 StPO, ent­neh­men kann 3.

Außer­dem muss die Dar­stel­lung die wesent­li­chen Grün­de des Ein­stel­lungs­be­schei­des der Staats­an­walt­schaft sowie des Beschwer­de­be­schei­des der Gene­ral­staats­an­walt­schaft ein­schlie­ßen, wobei eine wört­li­che Wie­der­ga­be der Beschei­de nicht erfor­der­lich ist; die eben­falls erfor­der­li­che Dar­le­gung, aus wel­chen tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Grün­den die Erwä­gun­gen der Staats­an­walt­schaft nicht zutref­fen, gin­ge ins Lee­re, wenn die tra­gen­den Grün­de der Beschei­de nicht mit­ge­teilt wür­den 4.

Die erfor­der­li­che Schil­de­rung des mate­ri­el­len und des pro­zes­sua­len Sach­ver­hal­tes kann nicht durch eine Bezug­nah­me auf die Akten, frü­he­re Ein­ga­ben sowie sons­ti­ge Schrift­stü­cke ersetzt wer­den, auch wenn die­se der Antrags­schrift als Anla­gen bei­gefügt wer­den. Jeden­falls ist eine Bezug­nah­me unstatt­haft, wenn sie nicht der nähe­ren Erläu­te­rung des Antrags­vor­brin­gens dient, son­dern erst durch die Kennt­nis­nah­me von dem Schrift­stück die erfor­der­li­che geschlos­se­ne Sach­ver­halts­dar­stel­lung erreicht wür­de 5. Funk­ti­on der Antrags­schrift ist, aus sich selbst her­aus für die Schlüs­sig­keits­prü­fung ver­ständ­lich zu sein, ohne dass der ange­ru­fe­ne Ober­lan­des­ge­richt sich erst aus Anla­gen oder in Bezug genom­me­nen Schrift­stü­cken zusam­men­stel­len müss­te, was der Antrags­be­grün­dung die­nen könn­te.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 30. Juni 2014 – 2 Ws 108/​14 – 9 OBL 31/​14 – 2 Ws 108/​14 – 9 OBL 31/​14

  1. vgl. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt § 172 Rn. 27a[]
  2. Schmitt, a.a.O., m.w.N.[]
  3. vgl. Schmitt, a.a.O., Rn. 27b[]
  4. vgl. Schmitt, a.a.O., Rn 27a[]
  5. vgl. OLG Cel­le in NStZ 1997, 406; Schmitt, a.a.O., Rn. 30 m.w.N.[]