Kör­per­ver­let­zungs­vor­satz oder beding­ter Tötungs­vor­satz?

Die objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung ist nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auf der Grund­la­ge der dem Täter bekann­ten Umstän­de zu bestim­men und wesent­li­cher Indi­ka­tor sowohl für das Wis­sens- als auch für das Wil­lens­ele­ment des beding­ten Tötungs­vor­sat­zes [1].

Kör­per­ver­let­zungs­vor­satz oder beding­ter Tötungs­vor­satz?

Dabei kann der indu­bio-Grund­satz nicht bereits auf die ein­zel­nen Indi­zi­en ange­wen­det wer­den [2]. So spricht etwa nicht gegen einen Tötungs­vor­satz das Nacht­at­ge­sche­hen, im hier ent­schie­de­nen Fall also der Sui­zid­ver­such der Ange­klag­ten, fer­ner, dass sie sich die Tat nicht zunut­ze gemacht habe und ein Tötungs­mo­tiv nicht ersicht­lich sei. All dies schließt indes einen beding­ten Tötungs­vor­satz nicht aus, zumal mit ihm han­deln­de Täter kein Tötungs­mo­tiv haben, son­dern einem ande­ren Hand­lungs­an­trieb nach­ge­hen [3]. Der Zwei­fels­satz bedeu­tet auch nicht, dass von der dem Ange­klag­ten je- weils (denk­bar) güns­tigs­ten Fall­ge­stal­tung auch dann aus­zu­ge­hen ist, wenn hier­für kei­ne Anhalts­punk­te bestehen. Unter­stel­lun­gen zuguns­ten des Täters sind viel­mehr nur dann rechts­feh­ler­frei, wenn der Tatrich­ter hier­für rea­le Anknüp­fungs­punk­te hat [4].

Für den Kör­per­ver­let­zungs­vor­satz im Sin­ne von § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB ist neben dem zumin­dest beding­ten Ver­let­zungs­vor­satz erfor­der­lich, aber auch aus­rei­chend, dass der Täter die Umstän­de erkennt, aus denen sich die all­ge­mei­ne Gefähr­lich­keit des Tuns in der kon­kre­ten Situa­ti­on für das Leben des Opfers ergibt, auch wenn er sie nicht als sol­che bewer­tet [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. März 2015 – 4 StR 442/​14

  1. vgl. nur BGH, Urteil vom 23.02.2012 – 4 StR 608/​11, NStZ 2012, 443, 444; BGH, Urteil vom 04.04.2013 – 3 StR 37/​13, BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vor­satz, beding­ter 64[]
  2. vgl. dazu Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 57. Aufl., § 261 Rn. 26 mwN[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 23.02.2012 – 4 StR 608/​11, NStZ 2012, 443, 445[]
  4. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 13.12 2012 – 4 StR 177/​12, NStZ-RR 2013, 117, 118; BGH, Urteil vom 20.05.2009 – 2 StR 576/​08, NStZ 2009, 630[]
  5. BGH, Urteil vom 04.11.1988 – 1 StR 262/​88, BGHSt 36, 1, 15[]