Kom­pen­sa­ti­ons­ent­schei­dung bei über­lan­ger Ver­fah­rens­dau­er – und die Dau­er der Unter­su­chungs­haft

Bei der Kom­pen­sa­ti­ons­ent­schei­dung wegen rechts­staats­wid­ri­gen Ver­fah­rens­ver­zö­ge­run­gen ist unab­hän­gig von der Dau­er der anre­chen­ba­ren Unter­su­chungs­haft.

Kom­pen­sa­ti­ons­ent­schei­dung bei über­lan­ger Ver­fah­rens­dau­er – und die Dau­er der Unter­su­chungs­haft

So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall:

Der Kom­pen­sa­ti­ons­ent­schei­dung leg­te das Land­ge­richt rechts­feh­ler­frei zugrun­de, dass es in den ein­zel­nen Ver­fah­rens­ab­schnit­ten ins­ge­samt zu einer rechts­staats­wid­ri­gen Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung von vier Jah­ren gekom­men ist [1]. Neben zutref­fen­den Erwä­gun­gen zur Bemes­sung der Höhe der Kom­pen­sa­ti­on stell­te die Wirt­schafts­straf­kam­mer jedoch rechts­feh­ler­haft in ihre Begrün­dung ein, dass die Höhe der Kom­pen­sa­ti­on nur aus­nahms­wei­se bei deut­lich gra­vie­ren­den indi­vi­du­el­len Belas­tun­gen die Dau­er der anre­chen­ba­ren Unter­su­chungs­haft (vor­lie­gend vier Mona­te und 20 Tage) errei­chen oder über­schrei­ten darf. Um wei­te­re Ver­fah­rens­ver­zö­ge­run­gen zu ver­mei­den, bestimm­te der Bun­des­ge­richts­hof [2], dass ins­ge­samt sechs Mona­te der ver­häng­ten Gesamt­frei­heits­stra­fe als voll­streckt gel­ten. Eine noch wei­ter­ge­hen­de Kom­pen­sa­ti­on war vor­lie­gend nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht gebo­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. August 2020 – 1 StR 216/​20

  1. LG Augs­burg, Urteil vom 19.02.2020 – 506 Js 116175/​09 15 KLs[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 19.08.2015 – 1 StR 308/​15[]