Kon­kur­ren­zen bei der Ver­ab­re­dung meh­re­rer Ver­bre­chen

Die Beur­tei­lung des Kon­kur­renz­ver­hält­nis­ses rich­tet sich auch bei der Ver­ab­re­dung meh­re­rer Ver­bre­chen für jeden Tat­be­tei­lig­ten allein nach des­sen Tathandlung(en) im Sin­ne des § 30 Abs. 2 StGB und nicht danach, in wel­chem kon­kur­renz­recht­li­chen Ver­hält­nis die ver­ab­re­de­ten Taten im Fal­le ihrer Ver­wirk­li­chung gestan­den hät­ten.

Kon­kur­ren­zen bei der Ver­ab­re­dung meh­re­rer Ver­bre­chen

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall haben die Ange­klag­ten die Vor­aus­set­zun­gen der Ver­ab­re­dung der gewerbs- und ban­den­mä­ßi­gen Fäl­schung von Zah­lungs­kar­ten mit Garan­tie­funk­ti­on nach § 30 Abs. 2, § 152a Abs. 1 Nr. 1, § 152b Abs. 1, 2 und 4 StGB ver­wirk­licht, indem sie eine von ihrem ernst­li­chen Wil­len getra­ge­ne Ver­ein­ba­rung tra­fen, an der Ver­wirk­li­chung bestimm­ter Ver­bre­chen mit­tä­ter­schaft­lich mit­zu­wir­ken.

Dabei liegt hier eine Ver­ab­re­dung der gewerbs- und ban­den­mä­ßi­gen Fäl­schung von Zah­lungs­kar­ten mit Garan­tie­funk­ti­on in drei tat­ein­heit­li­chen Fäl­len vor; denn die Ange­klag­ten haben nach den Fest­stel­lun­gen ledig­lich eine Ver­ab­re­dung getrof­fen, mit­hin nur eine Tat­hand­lung began­gen. Dem­ge­gen­über kommt es in die­sem Zusam­men­hang nicht dar­auf an, dass die­se Ver­ab­re­dung sich auf die Bege­hung meh­re­rer – im Fal­le ihrer Ver­wirk­li­chung in Tat­mehr­heit ste­hen­der – Ver­bre­chen bezog. Die Beur­tei­lung des Kon­kur­renz­ver­hält­nis­ses zwi­schen ver­schie­de­nen Straf­ta­ten rich­tet sich – auch bei der Mit­wir­kung meh­re­rer Tat­be­tei­lig­ter – für jeden Betei­lig­ten allein danach, wel­che Tat­hand­lun­gen er im Hin­blick auf die jewei­li­ge Tat vor­ge­nom­men hat; dies gilt unab­hän­gig davon, ob die ein­zel­ne Tat nur ver­ab­re­det, ver­sucht oder voll­endet wor­den ist, und in wel­cher Form der jewei­li­ge Tat­be­tei­lig­te an ihr mit­ge­wirkt hat.

So ist im Fal­le der Mit­tä­ter­schaft der Umfang des Tat­bei­trags bzw. der Tat­bei­trä­ge jedes Mit­tä­ters maß­geb­lich. Erbringt er im Vor­feld oder wäh­rend des Laufs einer Delikts­se­rie Tat­bei­trä­ge, durch die alle oder je meh­re­re Ein­zel­de­lik­te sei­ner Tat­ge­nos­sen gleich­zei­tig geför­dert wer­den, so sind ihm die je gleich­zei­tig geför­der­ten ein­zel­nen Straf­ta­ten als tat­ein­heit­lich began­gen zuzu­rech­nen, da sie in sei­ner Per­son durch den ein­heit­li­chen Tat­bei­trag zu einer Hand­lung im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB ver­knüpft wer­den 1. För­dert der Gehil­fe durch eine Bei­hil­fe­hand­lung meh­re­re recht­lich selbst­stän­di­ge Haupt­ta­ten eines oder meh­re­rer Haupt­tä­ter, so ist nur eine Bei­hil­fe im Rechts­sin­ne gege­ben 2. Auch bei der Anstif­tung kommt es für die Fra­ge der Kon­kur­renz auf die Ein­heit­lich­keit der Hand­lung des Anstif­ters an; des­halb ist die Anstif­tung meh­re­rer Per­so­nen zu jeweils selbst­stän­di­gen Delik­ten als tat­ein­heit­lich zu wer­ten, wenn sie durch die­sel­be Hand­lung began­gen wird 3.

Es besteht kein Anlass, von die­sen Grund­sät­zen bei der Ver­ab­re­dung von Ver­bre­chen nach § 30 Abs. 2 StGB abzu­wei­chen. Dadurch, dass die Ange­klag­ten durch die in der Ver­ab­re­dung lie­gen­de ein­heit­li­che Hand­lung die Bege­hung meh­re­rer – nach den Fest­stel­lun­gen jeden­falls drei­er – Ver­bre­chen ver­ein­bart haben, haben sie das Delikt nach § 30 Abs. 2 StGB in gleich­ar­ti­ger Ide­al­kon­kur­renz ver­wirk­licht.

Der Senat ist an die­ser Ent­schei­dung nicht durch die Recht­spre­chung des 2. Straf­se­nats gehin­dert. Zwar soll sich nach des­sen Ansicht bei der Ver­ab­re­dung von Ver­bre­chen nach § 30 Abs. 2 StGB die Beur­tei­lung der Kon­kur­ren­zen nach dem Ver­hält­nis der ver­ein­bar­ten und spä­ter zu bege­hen­den Taten, hier dem­nach der Ver­bre­chen der gewerbs- und ban­den­mä­ßi­gen Fäl­schung von Zah­lungs­kar­ten mit Garan­tie­funk­ti­on, rich­ten 4. Die­se Rechts­auf­fas­sung trägt indes das genann­te Urteil nicht; denn der 2. Straf­se­nat ist im kon­kre­ten Fall nach dem Grund­satz in dubio pro reo eben­falls von einer tat­ein­heit­li­chen Bege­hung der in Aus­sicht genom­me­nen Ver­bre­chen nach § 152b Abs. 2 StGB aus­ge­gan­gen und damit zu dem­sel­ben Ergeb­nis gelangt, das sich erge­ben hät­te, wenn er auf die Ein­heit­lich­keit der Ver­ab­re­dung und damit der Tat­hand­lung abge­stellt hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Febru­ar 2011 – 3 StR 419/​10

  1. BGH, Urteil vom 17.06.2004 – 3 StR 344/​03, NJW 2004, 2840, 2841; Beschlüs­se vom 29.04.2008 – 4 StR 125/​08, NStZ-RR 2008, 275; vom 19.08.2010 – 3 StR 221/​10[]
  2. BGH, Beschluss vom 04.03.2008 – 5 StR 594/​07, NStZ-RR 2008, 168, 169[]
  3. Fischer, StGB, 58. Aufl., § 26 Rn. 19[]
  4. BGH, Urteil vom 13.01.2010 – 2 StR 439/​09, NJW 2010, 623, 624; zwei­felnd Fischer aaO § 30 Rn. 16[]