Kriminelle/​terroristische Ver­ei­ni­gun­gen – und die Hand­lungs­ein­heit

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wer­den mit­glied­schaft­li­che Betei­li­gungs­ak­te an einer kri­mi­nel­len oder ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung, die auch den Tat­be­stand einer ande­ren Straf­vor­schrift erfül­len und der Zweck­set­zung der Ver­ei­ni­gung oder sonst deren Inter­es­sen die­nen, nicht (mehr) zu einer tat­be­stand­li­chen Hand­lungs­ein­heit zusam­men­ge­fasst1.

Kriminelle/​terroristische Ver­ei­ni­gun­gen – und die Hand­lungs­ein­heit

Sol­che Hand­lun­gen ste­hen zwar gemäß § 52 Abs. 1 Alter­na­ti­ve 1 StGB in Tat­ein­heit mit der jeweils gleich­zei­tig ver­wirk­lich­ten mit­glied­schaft­li­chen Betei­li­gung, jedoch – soweit sich nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen nichts ande­res ergibt – sowohl unter­ein­an­der als auch zu der Gesamt­heit der sons­ti­gen mit­glied­schaft­li­chen Betei­li­gungs­ak­te in Tat­mehr­heit2.

Dies gilt auch für Akte, die sowohl eine mit­glied­schaft­li­che Betei­li­gungs­hand­lung als auch die Vor­be­rei­tung einer schwe­ren staats­ge­fähr­den­den Gewalt­tat dar­stel­len: Der Anwen­dungs­be­reich und der Straf­grund von § 89a Abs. 1, 2 StGB einer­seits und §§ 129a, 129b StGB ande­rer­seits sind nicht deckungs­gleich; Ver­stö­ße gegen die­se Vor­schrif­ten ste­hen des­halb zuein­an­der in Ide­al­kon­kur­renz3.

Da Hand­lun­gen, wie sie hier in Rede ste­hen – Absol­vie­rung einer mehr­wö­chi­gen Kampf- und Waf­fen­aus­bil­dung sowie die Ableis­tung mit einem Sturm­ge­wehr bewaff­ne­ter Wach­diens­te , in aller Regel jeden­falls die Schlag­kraft der Orga­ni­sa­ti­on erhö­hen, wei­sen sie als Betei­li­gungs­ak­te, die zugleich den Tat­be­stand des § 89a Abs. 1, 2 Nr. 1 und 2 StGB (und etwa den des § 22a Abs. 1 Nr. 2, 6 KWKG) erfül­len, nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs einen deut­lich erhöh­ten Unrechts- und Schuld­ge­halt auf und unter­fal­len des­halb nicht der tat­be­stand­li­chen Hand­lungs­ein­heit. Viel­mehr tre­ten sie – hier ide­al­kon­kur­rie­rend mit der eigen­stän­di­gen, iso­lier­ten Erfül­lung der §§ 129a, 129b StGB – neben die eine ver­blei­ben­de tat­be­stand­li­che Hand­lungs­ein­heit und ste­hen in Tat­mehr­heit zu die­ser4.

Die­se kon­kur­renz­recht­li­che Beur­tei­lung ändert sich nicht dadurch, dass die Straf­ver­fol­gung – wie hier gemäß § 154a Abs. 1, 2 StPO gesche­hen – auf Ver­stö­ße gegen § 129a Abs. 1 Nr. 1, § 129b Abs. 1 Sät­ze 1 und 2 StGB beschränkt wird5.

Zur Ver­ur­tei­lung wegen nur einer Tat der mit­glied­schaft­li­chen Betei­li­gung an einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung im Aus­land kann es in die­sen Fäl­len des­halb in aller Regel nur kom­men, wenn die zu der tat­be­stand­li­chen Hand­lungs­ein­heit gemäß § 53 Abs. 1 StGB in Real­kon­kur­renz ste­hen­den Taten zuvor nach § 154 Abs. 1 und 2 StPO ein­ge­stellt wor­den sind. Nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen kön­nen sie nach ent­spre­chen­dem Hin­weis gleich­wohl zu Las­ten des Ange­klag­ten ver­wer­tet wer­den6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Dezem­ber 2016 – 3 StR 355/​16

  1. BGH, Beschluss vom 09.07.2015 – 3 StR 537/​14, BGHSt 60, 308 []
  2. BGH aaO, S. 311 f. []
  3. BGH, Beschluss vom 09.08.2016 – 3 StR 466/​15 3 f. []
  4. BGH aaO, S. 319 f. []
  5. BGH, Beschluss vom 31.05.2016 – 3 StR 86/​16 17 []
  6. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 59. Aufl., § 154 Rn. 25 mwN []