Legal Highs sind kei­ne Arz­nei­mit­tel

Der Ver­trieb von Kräu­ter­mi­schun­gen aus getrock­ne­tem Pflan­zen­ma­te­ri­al, dem ver­schie­de­ne, dem Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz zum dama­li­gen Zeit­punkt weit­ge­hend noch nicht unter­fal­len­de syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de zuge­setzt waren und deren Ver­kauf mit der Bestim­mung erfolg­te, dass die Mischun­gen von den Kun­den "durch Rau­chen (z.B. in Form von Joints)" zur Erzie­lung einer Rau­sch­wir­kung kon­su­miert wer­den soll­ten, kön­nen im Lich­te der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 1 nicht als Arz­nei­mit­tel im Sin­ne des § 2 Abs. 1 AMG ange­se­hen wer­den, weil sie in ihren Wir­kun­gen der mensch­li­chen Gesund­heit nicht zuträg­lich, son­dern im Gegen­teil gesund­heits­schäd­lich sind.

Legal Highs sind kei­ne Arz­nei­mit­tel

Der Bun­des­ge­richts­hof ist im Rah­men der richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung des Arz­nei­mit­tel­be­griffs nach § 2 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AMG an die im Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren durch den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung der Human­arz­nei­mit­tel-Richt­li­nie gebun­den 2. Danach ist sowohl der Arz­nei­mit­tel­be­griff in Art. 1 Nr. 2 Buchst. b der genann­ten Richt­li­nie als auch der nahe­zu wort­glei­che § 2 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AMG dahin aus­zu­le­gen, dass kei­ne Stof­fe erfasst wer­den, deren Wir­kun­gen sich – wie hier – auf eine schlich­te Beein­flus­sung der phy­sio­lo­gi­schen Funk­tio­nen beschrän­ken, ohne dass sie geeig­net wären, der mensch­li­chen Gesund­heit zuträg­lich zu sein, und die nur ihrer Rau­sch­wir­kung wegen kon­su­miert wer­den und dabei gar gesund­heits­schäd­lich sind 3.

Der Bun­des­ge­richts­hof sah sich im hier ent­schie­den Fall jedoch gleich­wohl an einem Frei­spruch des Ange­klag­ten gehin­dert:

Aus­weis­lich der – inso­weit unkla­ren – land­ge­richt­li­chen Urteils­grün­de waren in den Kräu­ter­mi­schun­gen mög­li­cher­wei­se und "teil­wei­se zusätz­lich" auch sol­che Can­na­bi­noi­de ent­hal­ten, die zur Tat­zeit schon der Anla­ge 2 zu § 1 Abs. 1 BtMG in der ab 22.01.2010 gel­ten­den Fas­sung vom 18.12 2009 4 unter­fie­len (JWH 018, JWH 019, JWH 073 und CP 47, CP 497). Gege­be­nen­falls kommt eine Straf­bar­keit wegen Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln nach § 29 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 4 BtMG in Betracht 5.

Soweit die ver­wen­de­ten Can­na­bi­noi­de zur Tat­zeit nicht als Betäu­bungs­mit­tel defi­niert waren, wäre nach der durch den Bun­des­ge­richts­hof ver­tre­te­nen Auf­fas­sung – an der fest­ge­hal­ten wird –, eine Straf­bar­keit wegen gewerbs­mä­ßi­gen Inver­kehr­brin­gens von Tabak­erzeug­nis­sen unter Ver­wen­dung nicht zuge­las­se­ner Stof­fe in Betracht gekom­men (§ 52 Abs. 2 Nr. 1, § 20 Abs. 1 Nr. 1, 2 VTa­bakG). Jedoch ist das Vor­läu­fi­ge Tabak­ge­setz nach Art. 8 Abs. 3 des Geset­zes zur Umset­zung der Richt­li­nie über Tabak­erzeug­nis­se und ver­wand­te Erzeug­nis­se vom 04.04.2016 6 am 20.05.2016 außer Kraft getre­ten. Das mit die­sem Arti­kel­ge­setz neu ein­ge­führ­te, im Wesent­li­chen gleich­falls am 20.05.2016 in Kraft getre­te­ne Gesetz über Tabak­erzeug­nis­se und ver­wand­te Erzeug­nis­se (Tabak­erzeug­nis­ge­setz – Tabak­erzG) (vom 04.04.2016 7 ent­hält kei­ne Straf­be­stim­mun­gen, die den § 52 Abs. 2 Nr. 1, § 20 Abs. 1 Nr. 1, 2 VTa­bakG inhalt­lich ent­spre­chen, also das Inver­kehr­brin­gen von pflanz­li­chen Rau­ch­er­zeug­nis­sen unter Ver­wen­dung nicht zuge­las­se­ner Stof­fe pöna­li­sie­ren. Die in § 34 Abs. 1 Nr. 9 und 10 Tabak­erzG auf­ge­nom­me­nen Straf­vor­schrif­ten betref­fen viel­mehr den – hier nicht ein­schlä­gi­gen – Schutz vor irre­füh­ren­den Ver­triebs­for­men (§ 18 Abs. 2 Satz 1, Abs. 5 Satz 1, 2 Tabak­erzG). Ent­spre­chen­des gilt für die Ver­ord­nung über Tabak­erzeug­nis­se und ver­wand­te Erzeug­nis­se (Tabak­erzeug­nis­ver­ord­nung – Tabak­erzV) vom 27.04.2016 8. Man­gels Unrechts­kon­ti­nui­tät kön­nen die Taten des Ange­klag­ten damit nicht mehr unter dem Aspekt des ver­bo­te­nen Inver­kehr­brin­gens von Tabak­erzeug­nis­sen ähn­li­chen Waren bzw. nach neu­er Ter­mi­no­lo­gie (vgl. § 2 Nr. 1, 2 Tabak­erzG) von ver­wand­ten Erzeug­nis­sen straf­recht­lich geahn­det wer­den (§ 2 Abs. 3 StGB).

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Mai 2016 – 5 StR 107/​14

  1. EuGH, Urteil vom 10.07.2014 – C358/​13; C181/​14, NStZ 2014, 461[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 13.08.2014 – 2 StR 22/​13 Rn. 3 f.; vom 04.11.2015 – 4 StR 403/​14, PharmR 2016, 13; Urtei­le vom 04.09.2014 – 3 StR 437/​12, PharmR 2015, 264 Rn. 15 f.; vom 23.12 2015 – 2 StR 525/​13, NJW 2016, 1251 Rn. 21 f. [zum Abdruck in BGHSt vor­ge­se­hen]; Grabitz/​Hilf/​Nettesheim, 58. EL, Art. 267 AEUV Rn. 102[]
  3. vgl. EuGH, aaO sowie BGH, Beschluss vom 13.08.2014 – 2 StR 22/​13, aaO; Urtei­le vom 04.09.2014 – 3 StR 437/​12, aaO Rn. 10 ff.; vom 23.12 2015 – 2 StR 525/​13, aaO, jeweils mwN[]
  4. BGBl. I S. 3944[]
  5. vgl. auch BGH, Beschluss vom 13.08.2014 – 2 StR 22/​13, aaO; Urtei­le vom 14.01.2015 – 1 StR 302/​13, BGHSt 60, 134; vom 15.10.2015 – 1 StR 317/​15[]
  6. BGBl. I S. 569, 584[]
  7. BGBl. I S. 569[]
  8. BGBl. I S. 980[]