Lücken in der Beweis­wür­di­gung

Lücken­haft ist eine Beweis­wür­di­gung nament­lich dann, wenn sie wesent­li­che Fest­stel­lun­gen nicht erör­tert 1.

Lücken in der Beweis­wür­di­gung

Im Übri­gen liegt ein Erör­te­rungs­man­gel und damit eine Lücke nur dann vor, wenn sich das Tat­ge­richt mit tat­säch­lich vor­han­de­nen Anhalts­punk­ten für nahe lie­gen­de ande­re Mög­lich­kei­ten nicht aus­ein­an­der­ge­setzt hat 2.

Es ist aber weder im Hin­blick auf den Zwei­fels­satz noch sonst gebo­ten, zu Guns­ten des Ange­klag­ten Tat­va­ri­an­ten zu unter­stel­len, für deren Vor­lie­gen kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te erbracht sind 3.

Des­halb braucht das tatrich­ter­li­che Urteil bloß theo­re­ti­sche Mög­lich­kei­ten auch nicht zu erör­tern 4, son­dern muss sich nur mit nach der Sach­la­ge nahe­lie­gen­den Mög­lich­kei­ten aus­ein­an­der­set­zen 5.

Wenn sich in der Haupt­ver­hand­lung kei­ne Anhalts­punk­te dafür erge­ben haben, dass an sich selb­stän­di­ge Betäu­bungs­mit­tel­ge­schäf­te die­sel­be Betäu­bungs­mit­tel­men­ge betref­fen, stellt es daher auch kei­nen Rechts­feh­ler dar, wenn das Tat­ge­richt im Urteil die Fra­ge einer Tat im Rechts­sin­ne nicht erör­tert 6.

Grund­la­ge der mate­ri­ell­recht­li­chen Über­prü­fung durch das Revi­si­ons­ge­richt ist allein das tatrich­ter­li­che Urteil. Sol­len daher Erör­te­rungs­män­gel gel­tend gemacht wer­den, die sich nicht aus den Urteils­grün­den selbst erge­ben, son­dern ihre Grund­la­ge in Umstän­den außer­halb des Urteils fin­den, sind die­se mit einer aus­ge­führ­ten Ver­fah­rens­rüge gel­tend zu machen 7. Dies gilt in glei­cher Wei­se für die Revi­si­on eines Ange­klag­ten gegen sei­ne Ver­ur­tei­lung 8 wie für die Revi­si­on der Staats­an­walt­schaft oder eines Neben­klä­gers gegen einen Frei­spruch 9.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. April 2016 – 1 StR 629/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 03.12 2015 – 4 StR 387/​15, Rn. 13, Stra­Fo 2016, 110; Beschluss vom 12.11.2015 – 2 StR 197/​15, Rn. 14; Urtei­le vom 22.05.2007 – 1 StR 582/​06; und vom 05.12 2013 – 4 StR 371/​13, NStZ-RR 2014, 87[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 12.11.2015 – 2 StR 197/​15, Rn. 14; und vom 30.04.1987 – 4 StR 164/​87, BGHR StPO § 261 Beweis­wür­di­gung, unzu­rei­chen­de 6; Urteil vom 05.12 1986 – 2 StR 566/​86, BGHR StPO § 261 Beweis­wür­di­gung, unzu­rei­chen­de 4[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 27.04.2010 – 1 StR 454/​09, wis­tra 2010, 310, 312 mwN; Beschluss vom 23.08.2011 – 1 StR 153/​11, Rn. 24, in BGHSt 57, 1 nicht abge­druckt; Urteil vom 23.03.1995 – 4 StR 746/​94, BGHR BtMG § 29 Bewer­tungs­ein­heit 4[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 12.11.2015 – 2 StR 197/​15, Rn. 14; vom 23.05.2012 – 1 StR 208/​12, Rn. 7, wis­tra 2012, 355; und vom 23.08.2011 – 1 StR 153/​11, Rn. 24; Urteil vom 26.05.2011 – 1 StR 20/​11, NStZ 2011, 688[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 12.11.2015 – 2 StR 197/​15, Rn. 14; Urteil vom 11.01.2005 – 1 StR 478/​04, NStZ-RR 2005, 147; Beschluss vom 29.08.1974 – 4 StR 171/​74, BGHSt 25, 365, 367; Ott in KK-StPO, 7. Aufl., § 261 Rn. 49 mwN[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 23.03.1995 – 4 StR 746/​94, BGHR BtMG § 29 Bewer­tungs­ein­heit 4[]
  7. vgl. Ott in KK-StPO, 7. Aufl., § 261 Rn. 82[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 23.08.2011 – 1 StR 153/​11, Rn. 24[]
  9. vgl. dazu BGH, Urtei­le vom 03.12 2015 – 4 StR 387/​15, Rn. 13, Stra­Fo 2016, 110; und vom 05.12 2013 – 4 StR 371/​13, NStZ-RR 2014, 87[]