Man­gel­haf­te Unter­rich­tung über Ver­stän­di­gungs­ge­sprä­che

Die maß­geb­lich auf die Kau­sa­li­tät abstel­len­de Beru­hens­prü­fung im Sin­ne des § 337 Abs. 1 StPO ist nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs – ent­ge­gen der Kam­mer­recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 1 – auch bei Ver­let­zung von § 243 Abs. 4 StPO nicht um nor­ma­ti­ve Gesichts­punk­te zu ergän­zen 2.

Man­gel­haf­te Unter­rich­tung über Ver­stän­di­gungs­ge­sprä­che

Selbst wenn man dies anders sehen woll­te, wäre im hier ent­schie­de­nen Fall das Schutz­gut der Trans­pa­renz gegen­über der Öffent­lich­keit ange­sichts des kon­kre­ten Ver­fah­rens­ab­laufs schon nicht ver­letzt, weil der Vor­sit­zen­de über das Gespräch vom 23.10.2012 in der Haupt­ver­hand­lung am 10.04.2014 aus­rei­chend detail­liert unter­rich­te­te. Zwar ist die Mit­tei­lung nach § 243 Abs. 4 Satz 2 StPO in der Regel unver­züg­lich zu machen; dies betrifft indes ledig­lich die Unter­rich­tung des Ange­klag­ten, weil des­sen Infor­ma­ti­on auf sein Pro­zess­ver­hal­ten ent­schei­den­den Ein­fluss haben kann. Die Öffent­lich­keit hat hin­ge­gen kei­nen Anspruch auf eine unver­züg­li­che Unter­rich­tung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Dezem­ber 2015 – 3 StR 163/​15

  1. BVerfG, Beschlüs­se vom 15.01.2015 – 2 BvR 878/​14, NStZ 2015, 170; 2 BvR 2055/​14, NStZ 2015, 172[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 23.07.2015 – 3 StR 470/​14, Rn. 21 ff.[]