Mani­pu­la­ti­on der Zutei­lungs­rei­hen­fol­ge eines Spen­der­or­gans

Vor­sätz­li­che Falsch­an­ga­ben gegen­über der gem. § 12 Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz zustän­di­gen Ver­mitt­lungs­stel­le (hier: Stif­tung Euro­trans­plant) kön­nen als ver­such­te Tötung zum Nach­teil dadurch über­gan­ge­ner Pati­en­ten bewer­tet wer­den, wenn der Täter weiß, dass sei­ne Anga­ben nicht wei­ter über­prüft wer­den, sie die Zutei­lungs­rei­hen­fol­ge so weit beein­flus­sen, dass es in einem engen zeit­li­chen Zusam­men­hang unmit­tel­bar zur Zutei­lung eines Spen­der­or­gans kommt und die ret­ten­de Trans­plan­ta­ti­ons­be­hand­lung ande­rer Pati­en­ten dadurch lebens­be­droh­lich ver­zö­gert wird. Medi­zi­ni­sche oder juris­ti­sche Beden­ken gegen­über dem der­zei­ti­gen Ver­fah­ren und die Sor­ge um den eige­nen Pati­en­ten recht­fer­ti­gen oder ent­schul­di­gen die Mani­pu­la­ti­on der Zutei­lungs­rei­hen­fol­ge nicht.

Mani­pu­la­ti­on der Zutei­lungs­rei­hen­fol­ge eines Spen­der­or­gans

Beson­ders in Deutsch­land über­steigt die Zahl der lebens­be­droh­lich erkrank­ten und drin­gend auf ein Spen­der­or­gan ange­wie­se­nen Pati­en­ten die Zahl der für eine Trans­plan­ta­ti­on zur Ver­fü­gung ste­hen­den Orga­ne deut­lich. Gera­de weil der Beschul­dig­te ein beson­ders befä­hig­ter, des­halb erfolg­rei­cher und in eine lei­ten­de Posi­ti­on auf­ge­stie­ge­ner Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ner ist, konn­te er auf­grund sei­nes gro­ßen Kön­nens beson­ders sicher sein, "sei­nen Pati­en­ten" den Tod vor­erst zu erspa­ren, wenn denn nur ein geeig­ne­tes Organ zur Ver­fü­gung steht. Weil aber Ope­ra­tio­nen auf­grund der Organ­knapp­heit fast nie sofort durch­ge­führt wer­den kön­nen, son­dern die Pati­en­ten bis zur Zutei­lung eines geeig­ne­ten Organs regel­mä­ßig gerau­me Zeit war­ten müs­sen, sich wäh­rend­des­sen ihr Gesund­heits­zu­stand aber ste­tig ver­schlech­tert und es des­halb nicht unge­wöhn­lich ist, dass vie­le auf der War­te­lis­te ste­hen­de Pati­en­ten verster­ben, dürf­te es gera­de den Beschul­dig­ten beson­ders belas­tet haben, den Tod sol­cher "War­te­lis­te­pa­ti­en­ten" mit­er­le­ben zu müs­sen. In die­ser Situa­ti­on fällt es einem Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ner dann einer­seits sicher schwer, das Ver­fah­ren zur Zutei­lung von Spen­der­or­ga­nen zu akzep­tie­ren, und ande­rer­seits ist der Anreiz groß, die Zutei­lung durch die unrich­ti­ge Behaup­tung einer Dia­ly­se zu beschleu­ni­gen. Bei­des – Empa­thie und Gele­gen­heit – bie­tet dann aber auch den ers­ten ver­dachts­be­grün­den­den Aus­gangs­punkt für die Annah­me, dass der Beschul­dig­te tat­säch­lich aus Sor­ge um das Wohl sei­ner Pati­en­ten sys­te­ma­tisch die Zutei­lung von Spen­der­or­ga­nen bewusst mani­pu­liert hat.

§ 12 Abs. 1 des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes bestimmt, dass die Ver­mitt­lungs­stel­le (also EUROTRANSPLANT) die Orga­ne nach Erfolgs­aus­sicht und Dring­lich­keit an geeig­ne­te Pati­en­ten ver­mit­teln muss. Dies sind aber kei­nes­wegs gleich­ge­rich­te­te Kri­te­ri­en, son­dern sie befin­den sich – wor­auf der Beschul­dig­te eben­falls zutref­fend hin­weist – in einem Span­nungs­feld, weil sich die Dring­lich­keit am Gesund­heits­zu­stand ori­en­tiert ("je kran­ker, des­to eher"), die Aus­sich­ten einer Organ­über­tra­gung aber höher sind, je bes­ser es um die Gesund­heit des Pati­en­ten noch steht.

Für Leber­trans­plan­ta­tio­nen bemisst sich der für die Zutei­lung der Spen­der­or­ga­ne maß­geb­li­che Rang­platz der Pati­en­ten nach dem sog. "MELD-Score" (MELD = Model for Ends­ta­ge Liver Dise­a­se – etwa: Rang­punk­te­mo­dell für Leber­er­kran­kun­gen im End­sta­di­um), in den drei Labor­wer­te (Krea­ti­nin, Bili­ru­bin und Blut­ge­rin­nungs­wert – INR) der Pati­en­ten ein­ge­hen, die nach medi­zi­ni­schem Erkennt­nistand eine Aus­sa­ge über den Schwe­re­grad und das Sta­di­um der Erkran­kung und damit eine Ein­schät­zung der ver­blie­be­nen Lebens­er­war­tung zulas­sen. Der nach der maß­geb­li­chen Berech­nungs­for­mel erreich­ba­re höchs­te Punkt­wert ist "MELD-40", der einem sol­chen Schwe­re­grad der Leber­er­kran­kung ent­spricht, dass mit 98%-Wahrscheinlichkeit ohne lebens­ret­ten­de Trans­plan­ta­ti­on inner­halb der nächs­ten drei Mona­te der Tod des Pati­en­ten erwar­ten wer­den muss.

In sei­ner Beschwer­de­be­grün­dung führt der Beschul­dig­te hier­zu aus, dass Pati­en­ten mit "ech­tem" MELD-Score 40 in der Regel eine deut­lich höhe­re Sterb­lich­keit nach der Trans­plan­ta­ti­on haben, als Pati­en­ten z.B. mit 30 MELD-Score Punk­ten, und sie des­halb nach Errei­chen des Maxi­mal­wer­tes "mit gro­ßer Regel­mä­ßig­keit das trans­plan­tier­te Organ mit ins Grab neh­men", wor­aus vie­le frus­trier­te Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ner ablei­ten wür­den, dass eine Organ­zu­tei­lung bei einem MELD-Wert von schon 30 – 35 wegen der dann wesent­lich bes­se­ren Über­le­bens­wahr­schein­lich­keit medi­zi­nisch sinn­vol­ler wäre.

Bedenkt man die­se auch beim Beschul­dig­ten in allen sei­nen Schrift­sät­zen erkenn­bar wer­den­de Unzu­frie­den­heit mit dem gegen­wär­ti­gen Zutei­lungs­ver­fah­ren, ist es bis zu des­sen Mani­pu­la­ti­on nur noch ein klei­ner Schritt:

Für die Beweis­wür­di­gung ist es inso­weit bedeut­sam, dass für den Krea­ti­nin­wert ein Höchst­wert (4 mg/​dl) fest­ge­legt ist und die­ser, auch wenn die Blut­wer­te tat­säch­lich nied­ri­ger lie­gen, in die Berech­nung des MELD-Scores ein­ge­stellt wird, wenn der Pati­ent sich einer Dia­ly­se unter­zie­hen muss. Dies hat den medi­zi­ni­schen Hin­ter­grund, dass die Nie­ren­er­satz­the­ra­pie (Dia­ly­se o.ä.) zu einer Ver­rin­ge­rung des Krea­tin­wer­tes führt, obwohl sich die Leber­funk­ti­on tat­säch­lich gar nicht ver­bes­sert hat.

Die an EUROTRANSPLANT gemel­de­ten Para­me­ter müs­sen, andern­falls der MELD-Score auf den Wert 6 zurück­ge­setzt wird und der erreich­te Rang­platz auf der War­te­lis­te ver­lo­ren ist, fort­lau­fend in durch den erreich­ten Stand des MELD-Scores bestimm­ten Inter­val­len – ab MELD-Score 25 = Rezer­ti­fi­zie­rung jeweils nach 7 Tagen – durch zu über­sen­den­de Labor­be­fun­de aktua­li­siert wer­den. Dadurch wird der Ver­lauf der Erkran­kung fort­lau­fend über­wacht und gemel­de­te Wer­te kön­nen vor Zutei­lung eines Trans­plan­tats auf Plau­si­bi­li­tät über­prüft und auf Fehl­mes­sun­gen beru­hen­de Wer­te zugleich eli­mi­niert wer­den. Das Fäl­schen von Labor­wer­ten wür­de daher mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit auf­fal­len, zumal dazu Labor­kräf­te in die Mani­pu­la­ti­ons­ket­te ein­ge­bun­den wer­den müss­ten.

Für die Mel­dung einer Dia­ly­se­be­hand­lung genüg­te es im Tat­zeit­raum (2009 – 2011) dem­ge­gen­über, auf der elek­tro­ni­schen Ein­ga­be­mas­ke (Mel­de­for­mu­lar) an EUROTRANSPLANT unter der Rubrik "RRT 2xWk" (Renal Repla­ce­ment the­ra­py = Nie­ren­er­satz­be­hand­lung 2‑mal die Woche) ein "Y" (Yes = Ja) zu set­zen, und schon wur­de einer der maß­geb­li­chen Para­me­ter auf den Höchst­wert gesetzt und der MELD-Score stieg. Ob es eine Nie­ren­er­satz­be­hand­lung tat­säch­lich gege­ben hat­te, muss­te gegen­über EUROTRANSPLANT weder belegt wer­den noch wur­de dies wei­ter über­prüft, so dass sich hin­zu­er­fun­de­ne Dia­ly­sen für Mani­pu­la­tio­nen gera­de­zu ange­bo­ten haben. Die dem ent­ge­gen­ste­hen­de Regel, dass auf der Mel­de­mas­ke ange­ge­ben wer­den muss, wel­cher Arzt für die Indi­ka­ti­on zur Nie­ren­er­satz­the­ra­pie ver­ant­wort­lich ist und wel­che Funk­ti­on er in der Kli­nik hat, wodurch sicher­ge­stellt wer­den soll, dass neben dem Trans­plan­ta­ti­ons­arzt ein wei­te­rer, unab­hän­gi­ger Arzt in die Beur­tei­lung ein­be­zo­gen und nament­lich benannt wird, wur­de erst ab Juli 2012 ein­ge­führt.

Recht­li­che Bewer­tung der Falsch­mel­dun­gen an EUROTRANSPLANT

Vor­sätz­li­che Falsch­an­ga­ben gegen­über der gem. § 12 Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz zustän­di­gen Ver­mitt­lungs­stel­le (hier: Stif­tung EUROTRANSPLANT) kön­nen als ver­such­te Tötung zum Nach­teil dadurch über­gan­ge­ner Pati­en­ten bewer­tet wer­den, wenn der Täter weiß, dass sei­ne Anga­ben nicht wei­ter über­prüft wer­den, sie die Zutei­lungs­rei­hen­fol­ge so weit beein­flus­sen, dass es in einem engen zeit­li­chen Zusam­men­hang unmit­tel­bar zur Zutei­lung eines Spen­der­or­gans kommt und die ret­ten­de Trans­plan­ta­ti­ons­be­hand­lung ande­rer Pati­en­ten dadurch lebens­be­droh­lich ver­zö­gert wird.

Dass ande­re auf eine Leber­spen­de ange­wie­se­ne Kran­ke auf­grund der Mani­pu­la­ti­on der Zutei­lungs­rei­hen­fol­ge tat­säch­lich ver­stor­ben sind, ist schon des­halb nicht fest­stell­bar, weil ent­spre­chen­de Daten und Aus­künf­te aus Grün­den des Daten­schut­zes (bis­lang) nicht vor­lie­gen. Der Senat teilt jedoch die recht­li­che Auf­fas­sung der Straf­kam­mer, dass der Beschul­dig­te auf der Grund­la­ge des gegen­wär­tig erziel­ten Ermitt­lungs­stan­des drin­gend ver­däch­tig ist, es immer­hin für mög­lich gehal­ten und bil­li­gend in Kauf genom­men zu haben, dass auf der War­te­lis­te durch sei­ne Mani­pu­la­tio­nen über­hol­te Kran­ke vor einer ret­ten­den Trans­plan­ta­ti­on verster­ben, er also mit Tötungs­vor­satz gehan­delt hat und damit wegen ver­such­ten Tot­schlags (in jetzt noch acht Fäl­len) zur Ver­ant­wor­tung zu zie­hen sein dürf­te.

Der Ver­such des Tot­schlags ist straf­bar (§§ 212, 12 Abs. 1, 23 Abs. 1 StGB) und § 22 StGB bestimmt, dass eine Straf­tat ver­sucht, wer nach sei­ner Vor­stel­lung von der Tat zur Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stands unmit­tel­bar ansetzt. Als (nur) gewoll­te Tat erfor­dert der Ver­such das Vor­lie­gen des vol­len sub­jek­ti­ven Tat­be­stands, d.h. die Vor­stel­lung des Täters muss dar­auf gerich­tet sein, den jewei­li­gen Tat­be­stand zu ver­wirk­li­chen [1].

Der Beschul­dig­te hat vor­lie­gend mit Tötungs­vor­satz gehan­delt. Da für den Tat­be­stand des Tot­schlags beding­ter Vor­satz genügt, reicht die­ser auch für die Annah­me der Ver­suchs­straf­bar­keit aus [2]. Bedingt vor­sätz­li­ches Han­deln setzt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs dabei vor­aus, dass der Täter den Ein­tritt des tat­be­stand­li­chen Erfol­ges als mög­lich und nicht ganz fern­lie­gend erkennt (Wis­sens­ele­ment), fer­ner dass er ihn bil­ligt oder sich um des erstreb­ten Zie­les wil­len zumin­dest mit der Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung abfin­det (Wil­lens­ele­ment) [3].

Das Wis­sens- oder das Wil­lens­ele­ment des Even­tu­al­vor­sat­zes kann gleich­wohl im Ein­zel­fall feh­len, so etwa, wenn dem Täter, obwohl er alle Umstän­de kennt, die sein Vor­ge­hen zu einer das Leben gefähr­den­den Behand­lung machen, das Risi­ko der Tötung auf­grund einer psy­chi­schen Beein­träch­ti­gung zur Tat­zeit nicht bewusst ist (Feh­len des Wis­sens­ele­ments) oder wenn er trotz erkann­ter objek­ti­ver Gefähr­lich­keit der Tat ernst­haft und nicht nur vage auf ein Aus­blei­ben des töd­li­chen Erfol­ges ver­traut (Feh­len des Wil­lens­ele­ments). Die Beur­tei­lung, ob vor­sätz­li­ches Ver­hal­ten vor­liegt, hat dabei auf der Grund­la­ge einer Betrach­tung aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Tat­um­stän­de zu erfol­gen [4]. Dabei kommt im vor­lie­gen­den Fall hin­zu, dass zur bewuss­ten Tötung eines Men­schen eine erhöh­te Hemm­schwel­le über­wun­den wer­den muss (Fischer, StGB 60. Aufl., Rdnr. 13f zu § 212; mit zahl­rei­chen RsprNw.), die mehr als sonst die Annah­me nahe­legt, dass auch objek­tiv gefähr­li­che Tat­hand­lun­gen im Ver­trau­en auf ein Aus­blei­ben des Tat­er­folgs erfolgt sind. Und weil vor­lie­gend zudem ein Arzt Täter gewe­sen sein soll, dem man schon grund­sätz­lich unter­stel­len kann, dass das Wohl der Pati­en­ten jeweils im Vor­der­grund steht, sind zur Fest­stel­lung eine vor­sätz­li­chen Schä­di­gung von Leib oder Gesund­heit eines Men­schen noch höhe­re Hür­den zu über­win­den, weil der­ar­ti­ge Hand­lun­gen eines Arz­tes zum Nach­teil von Pati­en­ten nach der Lebens­er­fah­rung regel­mä­ßig die Aus­nah­me dar­stel­len (vgl. bspw. BGH, Urteil vom 26.06.2003 – 1 StR 269/​02; BGHSt 56, 277).

An die Annah­me eines auch nur beding­ten Vor­sat­zes sind somit im vor­lie­gen­den Fall ganz beson­ders hohe Maß­stä­be anzu­le­gen. Gleich­wohl lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen vor­sätz­li­chen Han­delns vor.

Eine Betrach­tung aller Tat­um­stän­de führt zunächst dazu, dass auf der Grund­la­ge des bis­he­ri­gen Ermitt­lungs­er­geb­nis­ses mit drin­gen­der Wahr­schein­lich­keit davon aus­zu­ge­hen ist, dass es der Beschul­dig­te für mög­lich gehal­ten hat, infol­ge sei­ner Mani­pu­la­tio­nen könn­ten ande­re Men­schen ster­ben (Wis­sens­ele­ment). Dass eine Mani­pu­la­ti­on der War­te­lis­ten­rang­fol­ge die ret­ten­de Ope­ra­ti­on aller zuvor auf einem bes­se­ren Lis­ten­platz ste­hen­den Pati­en­ten ver­zö­gert, liegt auf der Hand und muss nicht wei­ter erör­tert wer­den.

Dass die­se Ver­zö­ge­rung dann die Gefahr begrün­det, dass die über­gan­ge­nen Kran­ken womög­lich sogar vor der in Aus­sicht genom­me­nen ret­ten­den Trans­plan­ta­ti­on ster­ben, beruht auf dem die Organ­zu­tei­lung bestim­men­den MELD-Score-Sys­tem, weil die­ses gera­de den Schwe­re­grad der Erkran­kung des Pati­en­ten und damit die Dring­lich­keit einer Ope­ra­ti­on wie­der­gibt (vgl. Bader, Organ­man­gel und Organ­ver­tei­lung, S. 260). Dies steht im Ein­klang mit den Richt­li­ni­en der BÄK, nach denen gera­de Pati­en­ten, die ohne Trans­plan­ta­ti­on unmit­tel­bar vom Tod bedroht sind, bei der Organ­ver­mitt­lung vor­ran­gig berück­sich­tigt wer­den [5]. Ein MELD-Score von 30 pro­gnos­ti­ziert dem Pati­en­ten ohne Trans­plan­ta­ti­on dabei eine (sta­tis­ti­sche) Über­le­bens­wahr­schein­lich­keit (bezo­gen auf die nächs­ten drei Mona­te) von immer­hin noch 51%, wäh­rend sie nach Errei­chen des Höchst­wer­tes von 40 dann nur noch 2% beträgt. Jeder Tag, jede Stun­de, sogar jede Minu­te sind also gera­de für die schwerst­kran­ken Pati­en­ten, die ohne neue Leber jeder­zeit ster­ben kön­nen, lebens­wich­tig, und jede Ver­zö­ge­rung, sei sie noch so gering, bringt sie dem Tod unmit­tel­bar näher.

Gera­de der Beschul­dig­te wuss­te dies alles, wofür einen Beleg auch die Beschwer­de­be­grün­dung lie­fert, wenn es dort heißt, dass es für den Beschul­dig­ten "von über­ra­gen­der Bedeu­tung war, dass in den Fäl­len 1. bis 9. die (eige­nen) Pati­en­ten ohne die sofor­ti­ge Trans­plan­ta­ti­on eine Lebens­er­war­tung von nur weni­gen Tagen bis zu maxi­mal 1 – 2 Wochen gehabt hät­ten und ohne das neue Organ alle längst ver­stor­ben wären". Die­se Pati­en­ten hat­ten aber den für die Zutei­lung maß­geb­li­chen MELD-Score von 40 noch gar nicht erreicht, stan­den dem Tode also noch fer­ner als die­je­ni­gen – anony­men – Pati­en­ten, an denen sie durch die Mani­pu­la­ti­on des Rang­plat­zes vor­bei­zo­gen. Wenn der Beschul­dig­te gleich­wohl schon sei­ne eige­nen Pati­en­ten unmit­tel­bar vom Tode bedroht sah, dann erkann­te er auch, dass die Gefahr, noch vor der ret­ten­den Organ­über­tra­gung zu verster­ben, bei den über­hol­ten War­te­lis­te­kan­di­da­ten auf­grund des bei ihnen höhe­ren "ech­ten" MELD-Scores noch deut­lich grö­ßer war und sich jeder­zeit gera­de auf­grund der bewirk­ten Ver­zö­ge­rung rea­li­sie­ren konn­te.

Da auch eine nur ganz gering­fü­gi­ge Lebens­ver­kür­zung für die Annah­me eines Tot­schlags aus­reicht [6], setzt die absicht­li­che Mani­pu­la­ti­on der EURO­TRANS­PLANT-War­te­lis­te also eine – für die Annah­me des Tat­be­stands – geeig­ne­te (Todes-) Ursa­che. Die vom Beschul­dig­ten hier­zu vor­ge­nom­me­nen Berech­nun­gen und ange­stell­ten Über­le­gun­gen, mit denen belegt wer­den soll, dass die über­gan­ge­nen Pati­en­ten nur Stun­den oder maxi­mal weni­ge Tage län­ger auf die ret­ten­de Trans­plan­ta­ti­on war­ten muss­ten, sind daher ohne Belang.

Eben­so kommt es für die Beur­tei­lung der Vor­satz­fra­ge aus recht­li­chen und tat­säch­li­chen Grün­den nicht dar­auf an, ob die unrich­ti­ge Mel­dung des Pati­en­ten Wen­zel als Dia­ly­se­pa­ti­en­ten den MELD-Score gar nicht mehr beein­flus­sen konn­te, weil schon der wah­re Krea­ti­nin­wert über dem Höchst­wert von 4 mg/​dl gele­gen habe. Zum einen sind hypo­the­ti­sche Kau­sal­ver­läu­fe unbe­acht­lich [6] und zum ande­ren waren die­se Wer­te bei EUROTRANSPLANT noch gar nicht über­prüft wor­den, bevor dies auf­grund der fal­schen Dia­ly­se­mel­dung dann ent­behr­lich wur­de. Hin­zu kommt, dass auch ein untaug­li­cher Ver­such straf­bar wäre (§ 23 Abs. 3 StGB).

Kann somit auf der Grund­la­ge des bis­her erreich­ten Ermitt­lungs­stan­des die intel­lek­tu­el­le Sei­te des Vor­sat­zes mit drin­gen­der Wahr­schein­lich­keit ange­nom­men wer­den, gilt dies auch für des­sen vol­un­ta­ti­ve Sei­te. Es ist drin­gend wahr­schein­lich, dass der Beschul­dig­te in jedem ein­zel­nen Fall bil­li­gend in Kauf genom­men hat, dass jeweils eine oder meh­re­re Per­so­nen, die auf­grund ihrer Erkran­kung sonst bevor­zugt ein Organ hät­ten bekom­men sol­len, ein Organ nicht mehr recht­zei­tig erhal­ten und infol­ge­des­sen verster­ben.

Gera­de die gro­ße Sor­ge des Beschul­dig­ten um sei­ne eige­nen Pati­en­ten einer­seits, ande­rer­seits sei­ne – aller­dings durch objek­ti­ve Umstän­de nicht beleg­ba­re – Annah­me, dass auch die ande­ren Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ner die War­te­lis­te eben­so mani­pu­lie­ren, und sei­ne grund­sätz­li­che Skep­sis gegen­über dem Zutei­lungs­ver­fah­ren sowie die Anony­mi­tät der mög­li­chen Tat­op­fer haben die einer Tötung grund­sätz­lich ent­ge­gen­ste­hen­de Hemm­schwel­le so weit­ge­hend her­ab­ge­setzt, dass sie der Annah­me, der Beschul­dig­te habe als Arzt den Tod ande­rer Men­schen bil­li­gend in Kauf genom­men, nicht mehr ent­ge­gen­steht. Die Argu­men­ta­ti­on des Beschul­dig­ten zum "Tötungs­vor­satz im Medi­zin­straf­recht" oder zur "Hemm­schwel­len­leh­re" geht dabei am vor­lie­gen­den Fall vor­bei, weil es hier gera­de nicht um eine Tötung eige­ner Pati­en­ten geht, son­dern um frem­de und zudem anony­me Men­schen, die eben­falls auf die nicht in genü­gen­der Zahl vor­han­de­nen Spen­der­or­ga­ne zugrei­fen wol­len und dadurch den eige­nen Pati­en­ten, denen der Arzt mit aller Macht hel­fen will, womög­lich die Chan­ce auf ein Wei­ter­le­ben neh­men. Die Sor­ge um das Wohl des eige­nen Pati­en­ten, die – völ­lig zu Recht – im Medi­zin­straf­recht als gegen einen Tötungs­vor­satz spre­chend her­aus­ge­stellt wird, kehrt im vor­lie­gen­den Fall somit auf­grund der Organ­knapp­heit gera­de­zu als vor­satz­be­grün­den­des Ele­ment wie­der. Denn hier begrün­det die Nähe zum eige­nen Pati­en­ten, von dem man genau weiß, dass man ihm mit Erfolg hel­fen könn­te, ein von Mit­ge­fühl getra­ge­nes Enga­ge­ment auf der einen Sei­te, wäh­rend auf der ande­ren Sei­te nur ein Rang­platz auf der War­te­lis­te steht, hin­ter dem sich ein anony­mer nur durch eine Num­mer indi­vi­dua­li­sier­ba­rer Mensch ver­birgt, an des­sen Schick­sal man kei­nen Anteil nimmt.

Im Übri­gen setzt "Bil­li­gen" im Rechts­sin­ne kei­ne posi­ti­ve Ein­stel­lung des Täters zu dem als mög­li­che Fol­ge sei­nes Han­delns erkann­ten Erfolg vor­aus. Das Merk­mal ist auch dann erfüllt, wenn dem Täter der Tod des Opfers an sich höchst uner­wünscht ist, er aber gleich­wohl han­delt, um das von ihm ange­streb­te und höher bewer­te­te Ziel – hier: das Leben der eige­nen Pati­en­ten – zu errei­chen [7], er sich also um des erstreb­ten eige­nen Zie­les wil­len mit der eigent­lich uner­wünsch­ten Fol­ge abfin­det [8].

Der Beschul­dig­te hat­te zudem jeder­zeit die Mög­lich­keit, über das sog. ENIS-Sys­tem den Lis­ten­platz und den MELD-Score der eige­nen Pati­en­ten sowie die Anzahl der ihnen vor­ge­hen­den frem­den Pati­en­ten ein­zu­se­hen, so dass er auch erkannt hat­te, wie vie­le Rang­plät­ze durch die Mani­pu­la­ti­on jeweils gut­ge­macht wur­den. Damit gibt es ins­ge­samt kei­ne trag­fä­hi­ge Grund­la­ge für die Annah­me, dass der Beschul­dig­te dar­auf ver­traut haben könn­te, dass es auch die auf der Rang­lis­te über­hol­ten Pati­en­ten schon noch bis zur Trans­plan­ta­ti­on schaf­fen wer­den. Soweit der Beschul­dig­te dies jetzt anders dar­stellt und behaup­tet, dass ein Trans­plan­ta­ti­ons­chir­urg immer dar­auf ver­traut, dass Pati­en­ten, die sich durch die Mani­pu­la­ti­on eines ein­zel­nen "Kon­kur­ren­ten" auf der War­te­lis­te nur um einen Punkt (gemeint ist wohl: Rang­platz) ver­schlech­tern, nicht ohne Wei­te­res an aku­tem Organ­man­gel verster­ben, son­dern dass Pati­en­ten mit einem hohem MELD-Score nur des­halb der Tod ereilt, weil sie nicht mehr trans­plan­ta­bel sind und ihnen auch mit einem Spen­der­or­gan nicht mehr gehol­fen wer­den könn­te, fin­det sich für die­sen angeb­li­chen Erfah­rungs­satz im eige­nen Ver­hal­ten des Beschul­dig­ten kei­ner­lei Beleg. Wür­de man den Beschul­dig­ten hier beim Wort neh­men, dann hät­te er eige­ne Pati­en­ten mit einem "ech­ten" MELD-Score 40 nicht mehr trans­plan­tiert. Dass er in allen Fäl­len, in denen er zum Woh­le sei­ner Pati­en­ten auch nach Errei­chen die­ses Wer­tes erfolg­reich ope­riert hat, vor­her die Organ­zu­tei­lung mani­pu­liert hat (und es des­halb gut gegan­gen ist), will der Beschul­dig­te sicher­lich nicht ernst­haft behaup­ten. Vor­ge­wor­fen wird ihm dies bis­lang jeden­falls nicht.

Hin­zu kommt auch noch die Über­le­gung, dass das Errei­chen des höchs­ten Lis­ten­plat­zes nicht zwangs­läu­fig bedeu­tet, auch das nächs­te Spen­der­or­gan zu erhal­ten; viel­mehr muss das Trans­plan­tat nach allen Gewe­be- und sons­ti­gen Merk­ma­len für den Emp­fän­ger taug­lich sein, so dass eine durch Fremd­ma­ni­pu­la­ti­on ver­ei­tel­te Chan­ce durch­aus auch eine län­ge­re War­te­zeit bedeu­ten kann. Im Übri­gen wur­de durch die Mani­pu­la­tio­nen nicht jeweils nur ein ande­rer Kran­ker auf der War­te­lis­te über­holt, son­dern es wur­den regel­mä­ßig meh­re­re Rang­plät­ze gut­ge­macht, also die ret­ten­de Trans­plan­ta­ti­on meh­re­rer Men­schen hin­aus­ge­scho­ben. Ange­sichts die­ser Unwäg­bar­kei­ten, auf die der Beschul­dig­te kei­ner­lei Ein­fluss mehr hat­te, gibt es kei­ne Anknüp­fungs­punk­te, an denen man ein vor­satz­aus­schlie­ßen­des Ver­trau­en auf das Aus­blei­ben des Tat­er­folgs fest­ma­chen könn­te. Das blo­ße Hof­fen auf einen glück­li­chen Aus­gang oder selbst ein vages Ver­trau­en dar­auf wür­den aber gera­de noch nicht genü­gen, um die Wis­sens­sei­te des Vor­sat­zes ent­fal­len zu las­sen. Viel­mehr ist dazu ein "erns­tes Ver­trau­en" erfor­der­lich, das in einem ent­spre­chen­den Erfah­rungs­satz ("dass es doch immer gut geht oder gut gegan­gen ist") eine Stüt­ze fin­det. Ange­sichts des­sen, dass im Jahr 2011 immer­hin 444 auf der War­te­lis­te geführ­te deut­sche Pati­en­ten vor der ret­ten­den Trans­plan­ta­ti­on ver­stor­ben sind und 164 davon einen MELD-Score höher/​gleich 30 hat­ten (sie­he Jah­res­be­richt EUROTRANSPLANT 2011), wäre noch nicht ein­mal die vage Hoff­nung, dass "es schon gut gehen wird", berech­tigt gewe­sen.

Der Beschul­dig­te hat zur Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung auch unmit­tel­bar ange­setzt, wovon man bei Hand­lun­gen des Täters spricht, die nach sei­ner Vor­stel­lung der Ver­wirk­li­chung eines Tat­be­stands­merk­mals unmit­tel­bar vor­ge­la­gert sind und im Fal­le unge­stör­ten Fort­gangs ohne Zwi­schen­ak­te in die Tat­be­stands­hand­lung unmit­tel­bar ein­mün­den sol­len [9]. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend erfüllt, weil jede falsch gemel­de­te Dia­ly­se eine Organ­zu­tei­lung an den eige­nen Pati­en­ten bewir­ken soll­te (und hat), damit unmit­tel­bar die Todes­ge­fahr für die ande­ren (frem­dem) Pati­en­ten begrün­det wur­de und inso­weit der wei­te­re Ver­lauf und Aus­gang für den Beschul­dig­ten nicht mehr steu­er­bar und auch nicht mehr rück­gän­gig zu machen war.

Das Ver­hal­ten des Beschul­dig­ten war, wie­der­um beur­teilt auf der Grund­la­ge des vor­läu­fig erreich­ten Ermitt­lungs­er­geb­nis­ses, auch rechts­wid­rig.

Eine Recht­fer­ti­gung wegen Not­hil­fe gem. § 32 StGB schei­det aus, weil die ande­ren Pati­en­ten trotz der auf der Organ­knapp­heit beru­hen­den Kon­kur­renz­si­tua­ti­on kei­ne Angrei­fer der vom Beschul­dig­ten behan­del­ten Pati­en­ten sind. Dass Pati­en­ten mit einem MELD-Score von 40 in der Regel eine deut­lich höhe­re Sterb­lich­keit nach der Trans­plan­ta­ti­on haben als Pati­en­ten mit einem gerin­ge­ren Zutei­lungs­wert, recht­fer­tigt, auch wenn das Zuwar­ten die Chan­cen der eige­nen Pati­en­ten auf ein Über­le­ben der Erkran­kung deut­lich ver­schlech­tert, schon des­halb kei­ne Ein­grif­fe in das Ver­tei­lungs­sys­tem, weil das Leben des Men­schen nach dem Grund­satz des abso­lu­ten Lebens­schut­zes in jeder Pha­se ohne Rück­sicht auf die ver­blie­be­ne Lebens­er­war­tung den unge­teil­ten Schutz der Rechts­ord­nung genießt [10].

Die beim Beschul­dig­ten offen­bar vor­han­de­ne Vor­stel­lung, einem Pati­en­ten mit bes­se­rer Lebens­er­war­tung zu Las­ten eines Men­schen mit gerin­ge­rer Lebens­er­war­tung hel­fen zu dür­fen, wider­spricht auch sonst der Rechts­ord­nung, weil bei einer – wie hier gege­be­nen – Gleich­wer­tig­keit von Rechts­gü­tern eine Not­stands­la­ge (§ 34 StGB) stets aus­schei­det [11]. Die Mani­pu­la­tio­nen wären des­we­gen auch dann nicht gerecht­fer­tigt, wenn die Befürch­tung des Betrof­fe­nen zutref­fend sein soll­te, dass – wofür es nach den Erkennt­nis­sen der BÄK aber kei­nen Beleg gibt – auch an den ande­ren Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren glei­cher­ma­ßen mani­pu­liert wird. Denn auch dann wür­den sich alle auf der War­te­lis­te geführ­ten Pati­en­ten noch immer in einer grund­sätz­lich glei­chen Lage befin­den. Zwar steht dem Arzt ein Aus­wahler­mes­sen zu, wenn eine nur begrenzt ver­füg­ba­re Res­sour­ce (hier: "Spen­der­le­bern") bei ärzt­li­chen Behand­lun­gen zur Prio­ri­tä­ten­set­zung zwingt [12], die­ses aus­zu­üben, also den geeig­ne­ten Emp­fän­ger aus­zu­wäh­len, war aber gera­de nicht Auf­ga­be des über die Krank­heits­ge­schich­te der ande­ren Pati­en­ten gar nicht infor­mier­ten Beschul­dig­ten, son­dern stand jeweils allein EUROTRANSPLANT zu.

Dass auch von einem ent­schul­di­gen­den Not­stand (§ 35 StGB) nicht aus­ge­gan­gen wer­den kann, folgt schon dar­aus, dass der Beschul­dig­te mit sei­nen Mani­pu­la­tio­nen kei­nen Ange­hö­ri­gen oder ihm nahe­ste­hen­den Per­so­nen hel­fen woll­te.

Abschlie­ßend steht der Annah­me drin­gen­den Tat­ver­dachts wegen eines Tötungs­de­lik­tes auch nicht ent­ge­gen, dass die Zutei­lungs­re­geln womög­lich der Gesetz­ge­ber hät­te fest­le­gen müs­sen (feh­len­de par­la­men­ta­ri­sche Legi­ti­ma­ti­on – vgl. Beschwer­de­be­grün­dung vom 22.01.2013, Sei­te 14 ff) und das gegen­wär­ti­ge auf dem MELD-Score beru­hen­de Zutei­lungs­ver­fah­ren für Leber­trans­plan­ta­te mög­li­cher­wei­se feh­ler­an­fäl­lig und mani­pu­lier­bar ist.

Die­se Beden­ken machen die gel­ten­den Ver­tei­lungs­re­geln schon des­halb nicht obso­let, weil alle mit Leber­trans­plan­ta­tio­nen befass­ten Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren sich genau die­sem Ver­tei­lungs­ver­fah­ren unter­wor­fen haben. Weil etwai­ge Feh­ler daher alle war­ten­den Pati­en­ten glei­cher­ma­ßen tref­fen, kön­nen sie des­halb schon grund­sätz­lich nicht die Recht­fer­ti­gung dafür sein, die Pati­en­ten ande­rer Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren zu benach­tei­li­gen und dadurch in Todes­ge­fahr zu brin­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 20. März 2013 – Ws 49/​13

  1. Schönke/​Schröder, StGB 28. Aufl. Rdnr. 3 zu § 22[]
  2. Fischer, StGB 60. Aufl., Rdnr. 8a zu § 22 und Rdnr. 6 zu § 212[]
  3. BGH, Urteil vom 09.05.1990 – 3 StR 112/​90, BGHR StGB § 15 Vor­satz, beding­ter 7 m. w. N.[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 04.11.1988 – 1 StR 262/​88, BGHSt 36, 1, 9 f., vom 20.12.2011 – VI ZR 309/​10, WM 2012, 260, 262; und vom 21.12.2011 – 1 StR 400/​11; vgl. zusam­men­fas­send zuletzt BGH, Urtei­le vom 23.02.2012 – 4 StR 608/​11; und vom 22.03.2012 – 4 StR 558/​11, jeweils mit zahl­rei­chen wei­te­ren RsprNw; Fischer, StGB 60. Aufl., Rdnr. 9ff zu § 15[]
  5. vgl. Richt­li­ni­en für die War­te­lis­ten­füh­rung und Organ­ver­mitt­lung zur Leber­trans­plan­ta­ti­on, S. 6[]
  6. Fischer, StGB 60. Aufl., Rdnr. 3a zu § 212[][]
  7. Fischer, StGB 60. Aufl. Rdnr. 9b zu § 15 mit zahl­rei­chen w. Nachw.[]
  8. BGH, NStZ 2003, 604[]
  9. Fischer, StGB 60. Aufl., Rdnr. 10f zu § 22; mit zahlr. Nachw. aus der Rspr.[]
  10. vgl. BGHSt 21, 59, 61; Leip­zi­ger Kommentar/​Jähnke, StGB 11. Aufl., Rdnr. 5 Vor § 211[]
  11. BGHSt 48, 255, 257; Schön­ke-Schrö­de­r/­Per­ron, StGB 28. Aufl., Rdnr. 23f zu § 34[]
  12. vgl. Leip­zi­ger Kommentar/​Jähnke, StGB 11. Aufl., Rdnr. 19 Vor § 211; Schön­ke-Schrö­de­r/E­ser, StGB 28. Aufl., Rdnr. 30 Vor­bem. zu §§ 211 ff.[]