Maß­re­gel­an­ord­nung – und die Anfor­de­run­gen an die Urteils­grün­de

Steht eine Maß­re­gel­an­ord­nung nach § 63 StGB im Raum, muss das Land­ge­richt im Urteil ange­ben, wel­ches Ein­gangs­merk­mal der §§ 20, 21 StGB vor­lie­gend erfüllt ist und ob es sich dabei nur um eine vor­über­ge­hen­de Stö­rung oder einen län­ger andau­ern­den Defekt­zu­stand gehan­delt hat 1.

Maß­re­gel­an­ord­nung – und die Anfor­de­run­gen an die Urteils­grün­de

Dabei muss vom Tat­ge­richt im Ein­zel­nen dar­ge­legt wer­den, wie sich die fest­ge­stell­te, einem Merk­mal von §§ 20, 21 StGB unter­fal­len­de Erkran­kung in der jewei­li­gen Tat­si­tua­ti­on auf die Ein­sichts- oder die Steue­rungs­fä­hig­keit aus­ge­wirkt hat und war­um die Anlas­s­ta­ten auf den ent­spre­chen­den psy­chi­schen Zustand zurück­zu­füh­ren sind 2.

Dies kann schon des­halb nicht offen blei­ben, weil die im Rah­men des § 63 StGB zu erstel­len­de Gefähr­lich­keits­pro­gno­se maß­geb­lich an den Zustand des Betrof­fe­nen anknüpft 3 und eine Unter­brin­gung nach § 63 StGB nur in Betracht kommt, wenn eine län­ger andau­ern­de Beein­träch­ti­gung der geis­ti­gen oder see­li­schen Gesund­heit vor­liegt. Vor­über­ge­hen­de Defek­te genü­gen nicht 4.

Auch bei Zusam­men­wir­ken von Per­sön­lich­keits­stö­rung und Alko­hol­kon­sum kann eine Unter­brin­gung nach § 63 StGB ange­bracht sein, wenn der Beschul­dig­te an einer krank­haf­ten Alko­hol­sucht lei­det, in krank­haf­ter Wei­se alko­hol­über­emp­find­lich ist oder an einer län­ger andau­ern­den geis­tig­see­li­schen Stö­rung lei­det, bei der bereits gerin­ger Alko­hol­kon­sum oder ande­re all­täg­li­che Ereig­nis­se die erheb­li­che Beein­träch­ti­gung der Schuld­fä­hig­keit aus­lö­sen kön­nen und dies getan haben 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Sep­tem­ber 2015 – 1 StR 287/​15

  1. BGH, Beschluss vom 21.07.2015 – 2 StR 163/​15[]
  2. vgl. u.a. BGH, Beschluss vom 18.11.2013 – 1 StR 594/​13, NStZ-RR 2014, 75, 76 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 18.11.2013 – 1 StR 594/​13, NStZ-RR 2014, 75, 77[]
  4. BGH, Urteil vom 10.08.2005 – 2 StR 209/​05, NStZ-RR 2005, 370, 371; van Gemme­ren in Münch­Komm-StGB, 2. Aufl., § 63 Rn. 31; Schöch in Leip­zi­ger Kom­men­tar, 12. Aufl., § 63 Rn. 8[]
  5. vgl. u.a. BGH, Beschluss vom 01.04.2014 – 2 StR 602/​13, NStZ-RR 2014, 207[]