Meh­re­re beim Teil­neh­mer feh­len­de beson­de­re per­sön­li­chen Merkmale

Feh­len meh­re­re beson­de­re per­sön­li­che Merk­ma­le, wel­che die Straf­bar­keit des Täters begrün­den, beim Teil­neh­mer, so ist des­sen Stra­fe nach § 28 Abs. 1 StGB i.V.m. § 49 Abs. 1 StGB nur ein­mal zu mildern.

Meh­re­re beim Teil­neh­mer feh­len­de beson­de­re per­sön­li­chen Merkmale

Eine Mil­de­rung nach § 28 Abs. 1 StGB ist zu gewäh­ren, wenn beson­de­re per­sön­li­che Merk­ma­le (§ 14 Abs. 1 StGB) beim Teil­neh­mer feh­len, wel­che die Straf­bar­keit des Täters begrün­den. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wird zwi­schen täter­be­zo­ge­nen per­sön­li­chen Merk­ma­len, die als beson­de­re per­sön­li­che Merk­ma­le im Sin­ne des § 28 Abs. 1 StGB behan­delt wer­den, und tat­be­zo­ge­nen per­sön­li­chen Merk­ma­len, auf wel­che die Vor­schrift kei­ne Anwen­dung fin­det, unter­schie­den1.

Die Abgren­zung hängt davon ab, ob das betref­fen­de Merk­mal im Schwer­ge­wicht die Tat oder die Per­sön­lich­keit des Täters kenn­zeich­net2. Umstän­de, die eine beson­de­re Gefähr­lich­keit des Täter­ver­hal­tens anzei­gen oder die Aus­füh­rungs­art des Delikts beschrei­ben, sind in der Regel tat­be­zo­gen3. Im Bereich der durch Pflich­ten gekenn­zeich­ne­ten Merk­ma­le ist für die Abgren­zung letzt­lich maß­geb­lich, wel­che Art von Pflicht das Merk­mal umschreibt. Han­delt es sich um eine vor­straf­recht­li­che Son­der­pflicht, wird eher die Per­sön­lich­keit des Täters gekenn­zeich­net, ist das Merk­mal täter­be­zo­gen. Han­delt es sich dage­gen um ein straf­recht­li­ches, an jeder­mann gerich­te­tes Gebot, wird eher die Tat gekenn­zeich­net, ist das Merk­mal tat­be­zo­gen4.

Die Vor­schrift des § 28 Abs. 1 StGB soll das Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen Akzess­orie­tät der Teil­nah­me und Straf­ge­rech­tig­keit mil­dern, indem sol­che Umstän­de, die allein in der Per­son des Täters für die Straf­bar­keit von Bedeu­tung sind, nur bei die­sem Berück­sich­ti­gung fin­den5. Der Teil­neh­mer ist, obwohl ihm selbst die betref­fen­den straf­bar­keits­be­grün­den­den Merk­ma­le feh­len, wei­ter­hin wegen Teil­nah­me an der vom Täter began­ge­nen Tat zu bestra­fen, aller­dings ist das Feh­len der beson­de­ren per­sön­li­chen Merk­ma­le straf­mil­dernd zu berück­sich­ti­gen6.

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Dabei ist die Anzahl der beim Teil­neh­mer feh­len­den beson­de­ren per­sön­li­chen Merk­ma­le für die Straf­rah­men­ver­schie­bung nach § 28 Abs. 1 StGB uner­heb­lich. Auch bei Feh­len meh­re­rer sol­cher Merk­ma­le ist die Mil­de­rung nur ein­mal zu gewäh­ren7. Eine mehr­fa­che Straf­rah­men­ver­schie­bung ist aus Gerech­tig­keits­grün­den nicht erfor­der­lich. Feh­len beim Teil­neh­mer meh­re­re beson­de­re per­sön­li­che Merk­ma­le, wel­che die Täter­schaft begrün­den, kann die­sem Umstand regel­mä­ßig bei der kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung des Teil­neh­mers Rech­nung getra­gen werden.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. März 2021 – 4 StR 416/​20

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 29.09.1993 – 2 StR 336/​93, BGHSt 39, 326, 327 f.; vom 25.01.1995 – 5 StR 491/​94, BGHSt 41, 1 f. mwN; und vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17, BGHSt 63, 282 ff.[]
  2. st. Rspr.; BGH, Urtei­le vom 29.09.1993 – 2 StR 336/​93, BGHSt 39, 326, 328; vom 25.01.1995 – 5 StR 491/​94, BGHSt 41, 1 f. mwN; und vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17, BGHSt 63, 282 ff.; Beschluss vom 22.01.2013 – 1 StR 234/​12, BGHSt 58, 115, 117 f.[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 25.01.1995 – 5 StR 491/​94, BGHSt 41, 1, 2 mwN; und vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17, BGHSt 63, 282 ff.[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 25.01.1995 – 5 StR 491/​94, BGHSt 41, 1, 4 f. mwN; und vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17, BGHSt 63, 282 ff.; Beschluss vom 22.01.2013 – 1 StR 234/​12, BGHSt 58, 115, 117 f.[]
  5. vgl. BT-Drs. IV/​650 S. 152 f.; SSW-StGB/­Mur­mann, 5. Aufl., § 28 Rn. 1; Heine/​Weißer in Schönke/​Schröder, StGB, 30. Aufl., § 28 Rn. 1; Haas in Matt/​Renzikowski, StGB, 2. Aufl., § 28 Rn. 1[]
  6. vgl. Münch­Komm-StGB/­Jo­eck­s/­Schein­feld, 4. Aufl., § 28 Rn. 4[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 08.11.1983 – 5 StR 517/​83, StV 1984, 69 [Teil­neh­mer feh­len zwei täter­be­zo­ge­ne Mord­merk­ma­le][]

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