Meh­re­re Kör­per­ver­let­zungs­hand­lun­gen – und die natür­li­che Hand­lungs­ein­heit

Eine natür­li­che Hand­lungs­ein­heit setzt vor­aus, dass zwi­schen meh­re­ren straf­recht­lich erheb­li­chen Ver­hal­tens­wei­sen, die von einem ein­heit­li­chen Wil­len getra­gen wer­den, ein unmit­tel­ba­rer räum­li­cher und zeit­li­cher Zusam­men­hang besteht und das gesam­te Tätig­wer­den bei natür­li­cher Betrach­tungs­wei­se auch für einen "objek­ti­ven" Drit­ten als ein ein­heit­li­ches Tun erscheint 1.

Meh­re­re Kör­per­ver­let­zungs­hand­lun­gen – und die natür­li­che Hand­lungs­ein­heit

Bei wie­der­hol­ter (ite­ra­ti­ver) Ver­wirk­li­chung des glei­chen Tat­be­stan­des und damit ein­her­ge­hen­der Stei­ge­rung der Inten­si­tät der Rechts­guts­ver­let­zung liegt eine natür­li­che Hand­lungs­ein­heit auch dann vor, wenn die ver­schie­de­nen Hand­lun­gen im natür­li­chen Sin­ne auf die Ver­wirk­li­chung des­sel­ben Tat­be­stands­ty­pus, also unter Ein­schluss von Qua­li­fi­ka­tio­nen, gerich­tet sind 2.

Die Ver­wirk­li­chung des Qua­li­fi­ka­ti­ons­merk­mals aus § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB erst durch die (letz­ten) Trit­te gegen den Kopf des am Boden lie­gen­den Neben­klä­gers steht der Ver­ur­tei­lung wegen einer ein­heit­li­chen Tat der gefähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung gemäß § 224 Abs. 1 Nr. 2 und Nr. 5 StGB damit nicht ent­ge­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Juli 2016 – 1 StR 128/​16

  1. st. Rspr.; sie­he nur BGH, Urtei­le vom 28.02.2012 – 1 StR 427/​11, NStZ-RR 2012, 241, 242 f.; vom 30.01.1991 – 2 StR 321/​90, BGHR StGB § 1 Ent­schluss, ein­heit­li­cher 4; und vom 25.09.1997 – 1 StR 481/​97, NStZ-RR 1998, 68, 69[]
  2. v. Heint­schel-Hein­egg in Mün­che­ner Kom­men­tar zum StGB, 2. Aufl., § 52 Rn. 56 mwN[]