Meh­re­re Straf­ver­fah­ren – und der Deal als Gesamt­pa­ket

Ent­hält ein Ver­stän­di­gungs­vor­schlag den Hin­weis auf ein geplan­tes Vor­ge­hen der Staat­an­walt­schaft, wonach die­se dar­auf hin­wir­ke, dass ein gegen den Ange­klag­ten anhän­gi­ges Beru­fungs­ver­fah­ren nach § 154 Abs. 2 StPO ein­ge­stellt wer­de, so liegt hier­in kein Rechts­ver­stoß.

Meh­re­re Straf­ver­fah­ren – und der Deal als Gesamt­pa­ket

Die Ver­stän­di­gung kann sich nach § 257c Abs. 2 Satz 1 StPO nur auf "ver­fah­rens­be­zo­ge­ne Maß­nah­men im zugrun­de­lie­gen­den Erkennt­nis­ver­fah­ren" bezie­hen. Dar­aus folgt, dass in eine Ver­stän­di­gung nicht Ver­fah­ren mit Bin­dungs­wir­kung ein­be­zo­gen wer­den kön­nen, die außer­halb der Kom­pe­tenz des Gerichts lie­gen 1. Die Bin­dungs­wir­kung der Ver­stän­di­gung kann nur soweit gehen, wie das Gericht das Ver­fah­ren mit­be­stimmt. Mit­tei­lun­gen der Staats­an­walt­schaft im Rah­men einer Ver­stän­di­gung, bei einem bestimm­ten Ergeb­nis ande­re Ver­fah­ren nach § 154 StPO zu behan­deln, ent­fal­ten also kei­ne Bin­dungs­wir­kung und lösen auch kein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en aus 2.

Zusa­gen der Staats­an­walt­schaft zu Ein­stel­lun­gen in ande­ren Ver­fah­ren nach § 154 StPO anläss­lich einer Ver­stän­di­gung sind aber nicht etwa ver­bo­ten 3. In der Geset­zes­be­grün­dung zu § 257c StPO, der bei der Aus­le­gung der Ver­stän­di­gungs­vor­schrif­ten beson­de­re Bedeu­tung zukommt 4, heißt es hier­zu aus­drück­lich: "Nicht aus­ge­schlos­sen ist aber, dass die Staats­an­walt­schaft Zusa­gen im Rah­men ihrer gesetz­li­chen Befug­nis­se zur Sach­be­hand­lung in ande­ren, bei ihr anhän­gi­gen Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen den Ange­klag­ten, wie z.B. eine Ein­stel­lung nach § 154 StPO, abgibt. Sol­che Zusa­gen kön­nen aber natur­ge­mäß nicht an der Bin­dungs­wir­kung teil­neh­men, die eine zustan­de gekom­me­ne Ver­stän­di­gung nach Maß­ga­be der Absät­ze 4 und 5 für das Gericht ent­fal­tet" 5.

Zuläs­sig ist des­halb, dass die Staats­an­walt­schaft anläss­lich einer Ver­stän­di­gung nach § 257c StPO ankün­digt, ande­re bei ihr anhän­gi­ge Ermitt­lungs­ver­fah­ren nach § 154 Abs. 1 StPO im Hin­blick auf die zu erwar­ten­de Ver­ur­tei­lung ein­zu­stel­len oder auf eine Ein­stel­lung bereits anhän­gi­ger Ver­fah­ren nach § 154 Abs. 2 StPO hin­zu­wir­ken, solan­ge nicht der Ein­druck erweckt wird, dass es sich dabei um einen von der Bin­dungs­wir­kung der Ver­stän­di­gung (§ 257c Abs. 4 StPO) erfass­ten Bestand­teil han­delt. Einem sol­chen Ein­druck kann ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den, indem der Vor­sit­zen­de den Ange­klag­ten – wie hier gesche­hen – dar­über belehrt, dass die­se Ankün­di­gung kei­ne sol­che Bin­dungs­wir­kung ent­fal­tet 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Juli 2016 – 1 StR 136/​16

  1. vgl. BVerfG, Urteil vom 19.03.2013 – 2 BvR 2628/​10, 2 BvR 2883/​10 und 2 BvR 2155/​11, BVerfGE 133, 168, 214 Rn. 79: Ver­bot von "Gesamt­lö­sun­gen"; offen­ge­las­sen hin­sicht­lich der Zusa­ge einer Rechts­mit­tel­rück­nah­me in einem ande­ren Ver­fah­ren von BGH, Beschluss vom 24.11.2015 – 3 StR 312/​15, NStZ 2016, 177 m. Anm. Ventz­ke[]
  2. vgl. BVerfG aaO Rn. 79[]
  3. vgl. näher Knau­er, NStZ 2013, 433, 435 f.; Mos­ba­cher, NZWiSt 2013, 201, 204[]
  4. vgl. BVerfG aaO, BVerfGE 133, 168, 204 ff. Rn. 65 ff.[]
  5. BT-Drs. 16/​12310 S. 13[]
  6. vgl. Mos­ba­cher aaO[]