Metham­phet­amin in nicht gerin­ger Men­ge

Für Metham­phet­amin­race­mat – (RS)-(methyl)(1‑phenylpropan-2-yl)azan – beginnt die nicht gerin­ge Men­ge im Sin­ne von § 29a Abs. 1 Nr. 2, § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG bei 10 g der wir­kungs­be­stim­men­den Base.

Metham­phet­amin in nicht gerin­ger Men­ge

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung 1 ist der Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge eines Betäu­bungs­mit­tels stets in Abhän­gig­keit von des­sen kon­kre­ter Wir­kungs­wei­se und Wir­kungs­in­ten­si­tät fest­zu­le­gen. Maß­geb­lich ist zunächst die äußerst gefähr­li­che, gar töd­li­che Dosis des Wirk­stoffs. Feh­len hier­zu gesi­cher­te Erkennt­nis­se, so errech­net sich der Grenz­wert als ein Viel­fa­ches der durch­schnitt­li­chen Kon­sum­ein­heit eines nicht an den Genuss die­ser Dro­ge gewöhn­ten Kon­su­men­ten, das zu bemes­sen ist nach Maß­ga­be der Gefähr­lich­keit des Stof­fes, ins­be­son­de­re sei­nes Abhän­gig­kei­ten aus­lö­sen­den oder sonst die Gesund­heit schä­di­gen­den Poten­ti­als. Las­sen sich auch zum Kon­sum­ver­hal­ten kei­ne aus­rei­chen­den Erkennt­nis­se gewin­nen, so ent­schei­det ein Ver­gleich mit ver­wand­ten Wirk­stof­fen 2. Nicht zu ver­ken­nen ist, dass sich – etwa wegen des Feh­lens getrenn­ter Märk­te – ein prak­ti­sches Bedürf­nis erge­ben kann, zwei oder meh­re­re Sub­stan­zen mit glei­cher Wir­kungs­wei­se, aber unter­schied­li­cher Wir­kungs­in­ten­si­tät ein­heit­lich zu behan­deln. Dem müss­te indes dadurch Rech­nung getra­gen wer­den, dass ins­ge­samt der Wert für die­je­ni­ge Erschei­nungs­form zugrun­de gelegt wird, wel­che die gerings­te Wir­kungs­in­ten­si­tät auf­weist 3.

Nach die­sen Maß­stä­ben hat der Bun­des­ge­richts­hof den Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge für Amphet­amin mit 10 g Amphet­amin-Base bestimmt 4. Amphet­amin ist nach Anl. III zu § 1 Abs. 1 BtMG das Race­mat (RS)1phenylpropan2ylazan, bestehend aus dem "rechts­dre­hen­den" Dexam­phet­amin [(S)1phenylpropan2ylazan; Anl. III zu § 1 Abs. 1 BtMG] und dem "links­dre­hen­den" Levam­phet­amin [®1phenylpropan2ylazan; Anl. II zu § 1 Abs. 1 BtMG]. Im Ein­zel­nen hat sich der Bun­des­ge­richts­hof davon lei­ten las­sen, dass die hohe Dosis für den nicht Amphet­amin­ge­wohn­ten bei 50 mg anzu­neh­men sei, indes Tole­ranz­ent­wick­lung und der Wunsch, stär­ke­re Effek­te zu erle­ben, zu immer stär­ke­ren Dosen führ­ten. Bei intra­ve­nö­ser Ver­ab­rei­chung könn­ten so Ein­zel­do­sen von 160 mg bis zu zehn­mal täg­lich oder von 1.000 mg in Abstän­den von weni­gen Stun­den erreicht wer­den. Bei ora­ler Ein­nah­me kön­ne es zu Ein­zel­do­sen von 200 mg Amphet­amin und mehr kom­men. Der Miss­brauch füh­re zu psy­chi­scher, wenn auch nicht zu kör­per­li­cher Abhän­gig­keit. Er kön­ne indes nicht nur psy­chi­sche, son­dern auch schwer­wie­gen­de phy­si­sche Fol­ge­schä­den nach sich zie­hen. Zu beob­ach­ten sei­en über­wa­che Zustän­de, ängst­li­che Getrie­ben­heit, Aggres­si­vi­tät, Depres­sio­nen, illu­sio­nä­re Ver­ken­nun­gen, Stö­run­gen des Urteils­ver­mö­gens, Deper­so­na­li­sa­ti­ons­er­schei­nun­gen, Hyper­ther­mie, Kreis­lauf­kol­laps oder Herz­ver­sa­gen sowie Gehirn­schä­di­gun­gen. Per­sön­lich­keits­ver­än­de­run­gen gin­gen mit beruf­li­chem und sozia­lem Abstieg ein­her. "Amphet­amin-Psy­cho­sen" trä­ten nicht nur als Fol­ge eines chro­ni­schen Miss­brauchs, son­dern auch als aku­tes Ver­gif­tungs­sym­ptom auf. Als psy­chi­sches Sti­mu­lans erwei­se sich Amphet­amin häu­fig als Schritt­ma­cher für eine Poly­to­xi­ko­ma­nie. Die Gefahr einer Wie­der­auf­nah­me der Miss­brauchs­ge­wohn­hei­ten nach einer Ent­zugs­pe­ri­ode sei hoch. Todes­fäl­le sei­en ande­rer­seits eher sel­ten. In Abwä­gung die­ser Umstän­de hat der Bun­des­ge­richts­hof die nicht gerin­ge Men­ge schließ­lich beim 200fachen der Ein­zel­do­sis von 50 mg als erreicht ange­se­hen 5.

Für (2S)-Metham­phet­amin hat der Bun­des­ge­richts­hof den Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge mit 5 g Metham­phet­amin-Base fest­ge­legt 6. Aus­ge­hend von einer Wir­kungs­wei­se sowie von phy­si­schen und psy­chi­schen Miss­brauchs­fol­gen, die denen des Amphet­amins ähneln, hat er für aus­schlag­ge­bend erach­tet, dass die phar­ma­ko­dy­na­mi­sche Wir­kung von (2S)-Methamphetamin bei ora­ler Auf­nah­me etwa ein­ein­halb- bis zwei­mal so stark sei wie die von Amphet­amin; in der Kon­sum­form des Rau­chens – die bei Amphet­amin nicht mög­lich sei – wir­ke es min­des­tens dop­pelt so stark und vor allem erheb­lich schnel­ler, weil auf­grund höhe­rer Lipo­phi­lie die Blut­Hirn­Schran­ke schnel­ler über­wun­den wer­de. Auch gelan­ge beim Rau­chen das gesam­te auf­ge­nom­me­ne Rausch­gift unmit­tel­bar zum Gehirn, wäh­rend beim ora­len Kon­sum meh­re­re Stun­den bis zur voll­stän­di­gen Resorp­ti­on im Kör­per ver­ge­hen könn­ten. Für die­se gefähr­lichs­te und heu­te gän­gigs­te Kon­sum­form sei daher eine Gleich­set­zung in der Wir­kung mit "Crack" (Koka­in-Base) gerecht­fer­tigt; sie fal­le für die Fest­le­gung des Grenz­werts erheb­lich ins Gewicht. Zu dem­sel­ben Ergeb­nis füh­re es, wenn man die nicht gerin­ge Men­ge – wie bei Amphet­amin – beim 200fachen einer Kon­sum­ein­heit als erreicht anneh­me, denn für den an Metham­phet­amin nicht Gewohn­ten sei eine Ein­zel­do­sis von 25 mg bereits sehr hoch.

Der Bun­des­ge­richts­hof gelangt jeden­falls für das hier in Fra­ge ste­hen­de Metham­phet­amin-Race­mat wie beim Amphet­amin-Race­mat (Amphet­amin) zu einem Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge von 10 g Base. Nach gegen­wär­ti­gem For­schungs­stand fin­den sich kei­ne Bele­ge dafür, dass die Wir­kungs­in­ten­si­tät und die Gefähr­lich­keit die­ser Sub­stanz signi­fi­kant höher lie­gen als beim Aus­gangs­stoff Amphet­amin.

Wie schon in den oben genann­ten Urtei­len des Bun­des­ge­richts­hofs beschrie­ben, sind sich Amphet­amin und des­sen methy­lier­tes Deri­vat in ihrer Wir­kung wei­test­ge­hend ähn­lich. Unter ande­rem in den USA wer­den bei­de Stof­fe medi­zi­nisch zur Behand­lung von Nar­ko­lep­sie, Auf­merk­sam­keits­de­fi­zi­ten, Hyper­ak­ti­vi­täts­stö­run­gen (ADHS) und Adi­po­si­tas ein­ge­setzt. Wegen ihrer stim­mungs­an­he­ben­den, das Selbst­ver­trau­en, die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit, die Ener­gie und die Wach­heit stei­gern­den Wir­kung wer­den sie nicht sel­ten miss­bräuch­lich ver­wen­det. Dau­er­kon­sum und Über­do­sie­rung kön­nen dabei zu Ver­wir­rung, Aggres­si­vi­tät, para­noi­den Hal­lu­zi­na­tio­nen und Panik­zu­stän­den füh­ren. In unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang mit der durch eine Dau­er­sti­mu­la­ti­on her­vor­ge­ru­fe­nen kör­per­li­chen Erschöp­fung ist auch mit Herz­kreis­lauf­be­schwer­den bis hin zu lebens­be­droh­li­chen Rhyth­mus­stö­run­gen zu rech­nen. Nament­lich Metham­phet­amin gilt – bei einer geschätz­ten Jah­res­pro­duk­ti­on von 290 Ton­nen – als die welt­weit zweit­po­pu­lärs­te ille­ga­le Dro­ge nach Can­na­bis, wenn­gleich es in Deutsch­land neben Amphet­amin bis­lang nur eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le spielt. Trotz der hohen Zahl der Kon­su­men­ten die­ser Dro­ge sind indes Todes­fäl­le welt­weit eher sel­ten zu beob­ach­ten.

Unter­schied­li­che Grenz­wer­te für (2S)- und (RS)-Methamphetamin erschei­nen dem Bun­des­ge­richts­hof auch bei Betrach­tung der kon­kre­ten Wirk­in­ten­si­tät nicht gerecht­fer­tigt. Tier­ver­su­che erbrach­ten den Nach­weis, dass Metham­phet­amin nach der kör­per­li­chen Auf­nah­me größ­ten­teils zu Amphet­amin meta­bo­li­siert, wel­ches dann ins­be­son­de­re im fron­ta­len Cor­tex kumu­liert. Danach ist zu ver­mu­ten, dass bei chro­ni­schem Miss­brauch von Metham­phet­amin die Gesamt­wir­kung ohne­hin wesent­lich von der zen­tra­len Wir­kung des im Zen­tral­ner­ven­sys­tem ange­rei­cher­ten Amphet­amins bestimmt wird. Zwar dürf­te, wie eben­falls aus Tier­ver­su­chen abzu­lei­ten ist, die Toxi­zi­tät des (RS)-Methamphetamins nur etwa 30 bis 50 % der­je­ni­gen des (2S)-Methamphetamins betra­gen. Eine Stu­die an Kon­su­men­ten 7 zeigt jedoch auf, dass glei­che Dosen des Race­mats und des (2S)-Methamphetamins ins­be­son­de­re in Bezug auf das Herz­kreis­lauf­sys­tem ver­gleich­ba­re phar­ma­ko­dy­na­mi­sche Wir­kun­gen her­vor­ru­fen; die ent­spre­chen­de Dosis des ®-Metham­phet­amins blieb dem­ge­gen­über wir­kungs­los. Als Ursa­che wird ver­mu­tet, dass das im Race­mat vor­han­de­ne ®-Metham­phet­amin die beschrie­be­ne Meta­bo­li­sie­rung des Anteils an (2S)-Methamphetamin in (S)-Amphetamin för­dert.

Indes sieht der Bun­des­ge­richts­hof kei­ne gesi­cher­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se, die es recht­fer­ti­gen könn­ten, den Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge jeden­falls bei (RS)-Methamphetamin nied­ri­ger anzu­set­zen als bei (RS)-Amphetamin.

Für die Gleich­be­hand­lung von Amphet­amin und Metham­phet­amin spricht zunächst die in den USA zu beob­ach­ten­de weit­ge­hend unter­schieds­lo­se medi­zi­ni­sche Appli­ka­ti­on bei­der Wirk­stof­fe. Unab­hän­gig davon, ob Amphet­amin oder Metham­phet­amin zur Anwen­dung kommt, beträgt die übli­che Dosis 5 mg alle 4 bis 6 Stun­den. Die Dosie­rung für die Lang­zeit­be­hand­lung von Kin­dern mit ADHS ab 6 Jah­ren wird für Metham­phet­amin (Des­oxyn®) mit 20 bis 25 mg pro Tag und für Amphet­amin (ADDERALL XR®) mit maxi­mal 30 mg pro Tag emp­foh­len.

Unter Berück­sich­ti­gung des meist erheb­lich gerin­ge­ren Kör­per­ge­wichts von Kin­dern erge­ben sich hier­aus zugleich Beden­ken dage­gen, 20 bis 30 mg Metham­phet­amin im Fal­le miss­bräuch­li­cher Ein­nah­me der Sub­stanz bereits als eine die Bestim­mung des Grenz­werts der nicht gerin­gen Men­ge maß­geb­lich beein­flus­sen­de hohe Dosis anzu­se­hen. Der Wirk­stoff­ge­halt der in Deutsch­land bis­lang sicher­ge­stell­ten ille­ga­len Metham­phet­amin­Ta­blet­ten beträgt dem­ge­gen­über durch­schnitt­lich 25 bis 60 mg; in die­ser Band­brei­te bewe­gen sich nach bis­he­ri­gen Erkennt­nis­sen auch die Dosen, die schon Erst­kon­su­men­ten zum Errei­chen des gewünsch­ten Rausch­zu­stan­des ein­neh­men. In der medi­zi­ni­schen Fach­li­te­ra­tur wer­den Men­gen zwi­schen 5 und 30 mg als nied­ri­ge, auch für die kli­ni­sche Erpro­bung der Sub­stanz am Men­schen ver­wen­de­te Dosen bezeich­net 8. Hart et al. 9 berich­ten über eine kli­ni­sche Unter­su­chung der Wir­kung von Metham­phet­amin auf den Men­schen, bei der Ein­zel­do­sen von bis zu 50 mg/​70 kg Kör­per­ge­wicht ver­ab­reicht wur­den; die aus Sicher­heits­grün­den fest­ge­leg­te Höchst­do­sis betrug 60 mg.

Auch sonst fin­den sich in der Fach­li­te­ra­tur kei­ne Bele­ge dafür, dass Metham­phet­amin im Ver­gleich zu Amphet­amin einen höhe­ren Wir­kungs­grad und eine erhöh­te Gefähr­lich­keit auf­weist.

Die Über­le­gung, Metham­phet­amin ver­fü­ge auf Grund der ver­än­der­ten che­mi­schen Struk­tu­ren über eine ver­bes­ser­te Lipo­phi­lie mit der Fol­ge gestei­ger­ter Bio­ver­füg­bar­keit und Wir­kung, erweist sich letzt­lich nicht als trag­fä­hig. Zwar stimm­ten bei­de vom Bun­des­ge­richts­hof ange­hör­ten Sach­ver­stän­di­gen dar­in über­ein, dass die wei­te­re Methyl­grup­pe des Metham­phet­amins des­sen gegen­über Amphet­amin gestei­ger­te Lipo­phi­lie aus orga­nisch­che­mi­scher Sicht gera­de­zu auf­drängt. Die Aus­sa­ge­kraft expe­ri­men­tel­len Stu­di­en, wel­che die­se auf theo­re­ti­schen Grund­an­nah­men beru­hen­de Erwar­tung nicht bestä­tig­ten, son­dern für bei­de Sub­stan­zen ein annä­hernd glei­ches Ver­tei­lungs­vo­lu­men – ca. 3,7 bis 4 l/​kg – erga­ben 10metham­phet­ami­ne hydro­chlo­ri­de, Drug Meta­bo­lism Dis­po­si­ti­on 21:717723; 1993; de la Tor­re et al., Cli­ni­cal Phar­ma­co­ki­ne­tics of amfet­ami­ne and rela­ted sub­s­tan­ces, Cli­ni­cal Phar­ma­co­ki­ne­tics 43:157185; 2004)), hat indes auch der Sach­ver­stän­di­ge Dr. D. , der den Wir­kungs­grad von Metham­phet­amin bis zu zwei­mal höher ein­schätzt, nicht in Fra­ge gestellt.

Eben­so wenig lässt sich eine erhöh­te Gefähr­lich­keit von Metham­phet­amin über­zeu­gend mit der bei die­ser Sub­stanz ver­brei­te­ten Kon­sum­form des Rau­chens begrün­den. Im Ver­gleich zur ora­len Auf­nah­me kommt es hier – wie bei der intra­ve­nö­sen Appli­ka­ti­on – zwar zu einem bis zu zehn­fach schnel­le­ren Wir­kungs­ein­tritt, jedoch liegt die dadurch erreich­ba­re maxi­ma­le Wirk­stoff­kon­zen­tra­ti­on im Kör­per durch­schnitt­lich um etwa die Hälf­te nied­ri­ger 11. Glei­cher­ma­ßen kann die Bio­ver­füg­bar­keit von Metham­phet­amin beim Rau­chen belast­bar ledig­lich mit 67 % der vom Kon­su­men­ten ver­wen­de­ten Dosis ange­nom­men wer­den; die­ser Wert ent­spricht im Wesent­li­chen dem bei der ora­len Auf­nah­me erziel­ten und liegt deut­lich unter dem bei intra­na­sa­ler Anwen­dung erreich­ba­ren Wert 12. Im Übri­gen dürf­te auch die Annah­me, bei Amphet­amin schei­de eine sol­che die Anflu­tung beschleu­ni­gen­de – und damit mög­li­cher­wei­se das Sucht­ver­hal­ten beein­flus­sen­de – Kon­sum­form man­gels genü­gen­der Flüch­tig­keit des Stof­fes aus, in die­ser All­ge­mein­heit nicht zutref­fen. Jeden­falls bei Amphet­amin­hy­dro­chlo­rid steht die Höhe des Sie­de­punkts dem Rau­chen nicht ent­ge­gen 13. Aber auch beim Rau­chen von Gemi­schen des Sul­fat­sal­zes wur­den im Kon­den­sat teils nicht uner­heb­li­che Wirk­stoff­kon­zen­tra­tio­nen nach­ge­wie­sen 14.

Schließ­lich erge­ben sich auch Beden­ken, die durch die ein­zel­nen Kon­sum­for­men von Metham­phet­amin einer­seits und Koka­in ande­rer­seits erziel­ba­ren Anflu­tungs­ef­fek­te gleich­zu­set­zen. Nach der Unter­su­chung von Hart et al. 15 errei­chen bei intra­na­sa­ler Auf­nah­me (der jeden­falls in den USA weit­aus häu­figs­ten Kon­sum­form), intra­ve­nö­ser Ver­ab­rei­chung und Inha­lie­ren (Rau­chen) von Metham­phet­amin glei­cher­ma­ßen sowohl die kar­dio­vas­ku­lä­ren Wir­kun­gen als auch das sub­jek­ti­ve Rausch­emp­fin­den durch­schnitt­lich inner­halb von 15 Minu­ten ihren Höhe­punkt. Dies ent­spricht im Wesent­li­chen auch den Wer­ten, wel­che die Stu­die von Fow­ler et al. 16 zur Aus­wir­kung intra­ve­nös ver­ab­reich­ten d- und lMe­tham­phet­amins auf das Ver­hal­ten von Pri­ma­ten ermit­telt hat. Die von Fow­ler et al. dar­über hin­aus ange­stell­ten ver­glei­chen­den Unter­su­chun­gen mit Koka­in erga­ben dem­ge­gen­über einen Durch­schnitts­wert von 4 Minu­ten 17.

Der Bun­des­ge­richts­hof sieht sich bei sei­nem Ergeb­nis im Ein­klang auch mit der Rechts­la­ge in der Repu­blik Öster­reich. Die Unter­gren­ze der die ein­zel­nen Bege­hungs­wei­sen des uner­laub­ten Umgangs mit Sucht­stof­fen jeweils qua­li­fi­zie­ren­den tat­be­zo­ge­nen Men­ge, die geeig­net ist, in gro­ßem Aus­maß eine Gefahr für das Leben oder die Gesund­heit von Men­schen her­bei­zu­füh­ren (§§ 28b, 31b ÖstSMG), wird dort für Amphet­amin und sei­ne Deri­va­te ohne wei­te­re Dif­fe­ren­zie­rung eben­falls ein­heit­lich bestimmt und bei 10 g der Rein­sub­stanz ange­setzt (Anhang 3 zur ÖSt­Sucht­gift­Grenz­men­gen­ver­ord­nung) 18.

In der Schweiz wird zwar bei der Bestim­mung der Men­ge, wel­che die Gesund­heit vie­ler Men­schen in Gefahr brin­gen kann (Art.19 Ziff. 2 Buchst. a Schw­BetmG), nun­mehr für Metham­phet­amin mit 12 g Metham­phet­amin-Hydro­chlo­rid (= 9,68 g Base) ein noch schär­fe­rer Grenz­wert vor­ge­schla­gen als für Koka­in (18 g) 19. Die­ser Vor­schlag ori­en­tiert sich aber im Wesent­li­chen nur am Urteil des (deut­schen) Bun­des­ge­richts­hofs vom 3. Dezem­ber 2008 6 und an der dar­in mit­ge­teil­ten Auf­fas­sung der ange­hör­ten Gut­ach­ter. Wei­ter­rei­chen­de For­schungs­er­geb­nis­se lie­gen ihm nicht zugrun­de.

Die im Wei­te­ren als Beleg für eine bes­se­re Bio­ver­füg­bar­keit von Metham­phet­amin her­an­ge­zo­ge­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen sind für die zu tref­fen­de Ent­schei­dung nicht ergie­big. Nichols 20 greift zwar die The­se auf, Metham­phet­amin wei­se fast die zwei­fa­che Potenz von Amphet­amin auf, lässt aber wie­der­um nicht erken­nen, wor­auf die­se Annah­me beruht. Die Abhand­lung von Li et al. 21 ent­hält kei­ne aus­sa­ge­kräf­ti­gen Hin­wei­se auf eine höhe­re Bio­ver­füg­bar­keit von Metham­phet­amin im Ver­gleich zu Amphet­amin, son­dern befasst sich in ers­ter Linie mit den Meta­bo­li­ten, die in Abhän­gig­keit von der jewei­li­gen ste­reo­che­mi­schen Beschaf­fen­heit des ver­ab­reich­ten Metham­phet­amins beim Abbau typi­scher­wei­se ent­ste­hen. Im Übri­gen haben weder Hart et al. noch Fow­ler et al. in ihren oben ange­spro­che­nen Stu­di­en Ver­glei­che zwi­schen Metham­phet­amin und Amphet­amin ange­stellt.

Ob danach für (2S)-Methamphetamin wei­ter­hin der Auf­fas­sung gefolgt wer­den kann, es wir­ke bis zu zwei­mal stär­ker als Amphet­amin 6, kann offen blei­ben, denn der Bun­des­ge­richts­hof hat nur über den Grenz­wert bei (RS)-Methamphetamin zu ent­schei­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Novem­ber 2011 – 3 StR 315/​10

  1. vgl. zuletzt BGH, Urteil vom 02.11.2010 – 1 StR 581/​09, NJW 2011, 1462, 1464 f.[]
  2. BGH, Urteil vom 24.04.2007 – 1 StR 52/​07, BGHSt 51, 318, 321 ff.[]
  3. vgl. zu den Amphet­amin­de­ri­va­ten MDA, MDMA und MDE BGH, Urteil vom 09.10.1996 – 3 StR 220/​96, BGHSt 42, 255, 267 f.[]
  4. BGH, Urteil vom 11.04.1985 – 1 StR 507/​84, BGHSt 33, 169; vgl. auch Urteil vom 01.09.1987 – 1 StR 191/​87, BGHSt 35, 43, 48[]
  5. vgl. Urteil vom 01.09.1987 – 1 StR 191/​87, BGHSt 35, 43, 48[]
  6. BGH, Urteil vom 03.12.2008 – 2 StR 86/​08, BGHSt 53, 89[][][]
  7. Men­del­son J. et al., Human Phar­ma­co­lo­gy of the Metham­phet­ami­ne Ste­reoi­so­mers, Clin Phar­ma­col Ther 80:403420; 2006[]
  8. Cruicks­hank et Dyer, A Review of the Cli­ni­cal Phar­ma­co­lo­gy of Metham­phet­ami­ne, Addic­tion 104:10851099, 1088; 2009[]
  9. Acu­te Phy­sio­lo­gi­cal and Beha­vio­ral Effec­ts of Intra­na­sal Metham­phet­ami­ne in Humans, Neu­ro­psy­cho­phar­ma­co­lo­gy 33, 18471855, 1848 f; 2008[]
  10. Cook et al., Phar­ma­co­ki­ne­tiks of Metham­phet­ami­ne sel­f­ad­mi­nis­te­red to human sub­jec­ts by smo­king S((+[]
  11. Cruicks­hank et Dyer aaO 1087[]
  12. Cruicks­hank et Dyer aaO; Hart et al., Acu­te Phy­sio­lo­gi­cal and Beha­vio­ral Effec­ts of Intra­na­sal Metham­phet­ami­ne in Humans, Neu­ro­psy­cho­phar­ma­co­lo­gy 33, 18471855, 1848; 2008[]
  13. vgl. http://www.suchtmittel.de/info/amphetamin/000292.php[]
  14. Paw­lik et Mah­ler, Smo­ke ana­ly­sis of adul­te­ra­ted illi­cit drug pre­pa­ra­ti­ons, Toxi­chem Krim­tech 78:200210; 2011[]
  15. aaO 1847, 1850 f.[]
  16. J Nucl Med 48:17241732, 1729; 2007[]
  17. aaO 1729 f.[]
  18. vgl. auch OGH, Urteil vom 20.12.1995 – 13 Os 126/​95 unter Ver­weis auf das Gut­ach­ten des Bei­rats zur Bekämp­fung des Miss­brauchs von Alko­hol und ande­ren Sucht­mit­teln vom 10.05.1985 [abge­druckt in Foregger/​Litzka, Sucht­gift­ge­setz, 2. Aufl., S. 105 ff.][]
  19. Stel­lung­nah­me der Schwei­ze­ri­schen Gesell­schaft für Rechts­me­di­zin vom Juni 2010 zur Gefähr­lich­keit von Metham­phet­amin[]
  20. in: Cho et Segal, Amphet­ami­ne and its Ana­logs, 1994, S. 6[]
  21. Br J Clin Phar­ma­col 69: 187192; 2010[]