Mil­de­rer Tat­be­stand – glei­che Stra­fe

Wird ein Urteil auf ein Rechts­mit­tel zuguns­ten des Ange­klag­ten auf­ge­ho­ben und trifft der neue Tatrich­ter Fest­stel­lun­gen, wel­che die Tat in einem wesent­lich mil­de­ren Licht erschei­nen las­sen, hält er aber den­noch eine gleich hohe Stra­fe für erfor­der­lich, so hat er nach stän­di­ger Recht­spre­chung sei­ne Ent­schei­dung ein­ge­hend zu begrün­den.

Mil­de­rer Tat­be­stand – glei­che Stra­fe

Denn die ursprüng­li­che Bewer­tung der Tat und die Straf­zu­mes­sung in der auf­ge­ho­be­nen Ent­schei­dung sind zwar kein Maß­stab für die neue Straf­zu­mes­sung, jedoch hat der Ange­klag­te einen Anspruch dar­auf, zu erfah­ren, war­um er für ein wesent­lich gerin­ge­res Ver­ge­hen nun gleich hoch bestraft wird [1].

Glei­ches gilt auch für den Fall, dass sich die mil­de­re Beur­tei­lung nicht aus im zwei­ten Ver­fah­rens­gang erst­mals fest­ge­stell­ten schuld­mil­dern­den Umstän­den, son­dern dar­aus ergibt, dass der Tatrich­ter nun­mehr zutref­fend den mil­de­ren Straf­rah­men aus dem Tat­zeit­recht (vgl. § 2 Abs. 3 StGB) zugrun­de legt [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. April 2015 – 3 StR 92/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 27.11.2012 – 3 StR 439/​12, StV 2013, 758, 759 mwN[]
  2. SK-StGB/Horn, 35. Lfg., § 46 Rn. 96 b[]