Min­der schwe­rer Fall – und die Bei­hil­fe

Sieht das Gesetz einen min­der schwe­ren Fall vor und ist – wie hier gemäß § 27 Abs. 2 Satz 2, § 49 Abs. 1 StGB – auch ein gesetz­lich ver­typ­ter Mil­de­rungs­grund gege­ben, muss bei der Straf­rah­men­wahl im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung zunächst geprüft wer­den, ob die all­ge­mei­nen Mil­de­rungs­grün­de die Annah­me eines min­der schwe­ren Fal­les tra­gen.

Min­der schwe­rer Fall – und die Bei­hil­fe

Ist nach einer Abwä­gung aller all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­um­stän­de das Vor­lie­gen eines min­der schwe­ren Fal­les abzu­leh­nen, sind in einem nächs­ten Schritt die den gesetz­lich ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grund ver­wirk­li­chen­den Umstän­de ein­zu­be­zie­hen.

Erst wenn der Tatrich­ter danach wei­ter­hin kei­nen min­der schwe­ren Fall für gerecht­fer­tigt hält, darf er sei­ner kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung den (allein) wegen des gege­be­nen gesetz­lich ver­typ­ten Mil­de­rungs­grun­des gemil­der­ten Regel­straf­rah­men zugrun­de legen 1.

Hier hat die Straf­kam­mer den nach § 27 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB gemil­der­ten Straf­rah­men des § 29a Abs. 1 BtMG (drei Mona­te bis elf Jah­re und drei Mona­te) zugrun­de gelegt; hin­ge­gen wäre der gemil­der­te Straf­rah­men des § 29a Abs. 2 BtMG (drei Mona­te bis fünf Jah­re) für die Ange­klag­te güns­ti­ger gewe­sen.

Ange­sichts der Höhe der Stra­fe, die sich im vor­lie­gen­den Fall nahe der Ober­gren­ze des für einen min­der schwe­ren Fall nach § 29a Abs. 2 BtMG vor­ge­se­he­nen Straf­rah­mens beweg­te, konn­te der Bun­des­ge­richts­hof auch nicht aus­schlie­ßen, dass der Straf­aus­spruch auf der rechts­feh­ler­haf­ten Prü­fung des min­der schwe­ren Fal­les beruht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. März 2017 – 2 StR 567/​16

  1. st. Rspr.; vgl. zuletzt BGH, Beschluss vom 20.12 2016 – 1 StR 590/​16 mwN; BGH, Beschluss vom 19.11.2013 – 2 StR 494/​13, StV 2015, 549[]