Min­der schwe­rer Fall – und der gesetz­lich ver­typ­te Mil­de­rungs­grund

Sieht das Gesetz einen beson­de­ren Straf­rah­men für min­der schwe­re Fäl­le vor und ist – wie hier gemäß § 13 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB – auch ein gesetz­lich ver­typ­ter Mil­de­rungs­grund gege­ben, so muss bei der Straf­rah­men­wahl zunächst geprüft wer­den, ob der Son­der­straf­rah­men zur Anwen­dung kommt.

Min­der schwe­rer Fall – und der gesetz­lich ver­typ­te Mil­de­rungs­grund

Ver­mag die vor­ab vor­zu­neh­men­de Abwä­gung aller all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­um­stän­de die Annah­me eines min­der schwe­ren Fal­les allein nicht zu tra­gen, so sind zusätz­lich die den gesetz­lich ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grund ver­wirk­li­chen­den Umstän­de in die gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung ein­zu­be­zie­hen.

Erst wenn der Tatrich­ter danach wei­ter­hin die Anwen­dung des mil­de­ren Straf­rah­mens nicht für gerecht­fer­tigt hält, darf er sei­ner kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung den (allein) wegen des gesetz­lich ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grun­des her­ab­ge­setz­ten Regel­straf­rah­men zugrun­de legen [1].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Okto­ber 2016 – 3 StR 248/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 27.04.2010 – 3 StR 106/​10 2, NStZ-RR 2010, 336 [LS][]